Der Infoanlass: Seit 2024 gibt es im Aargau obligatorische «Sicherheitsveranstaltungen Bevölkerungsschutz». Teilnehmen müssen alle 23-jährigen Schweizerinnen sowie junge Ausländerinnen und Ausländer mit Niederlassungsbewilligung. Wer nicht erscheint, riskiert eine Busse.
Die Idee: Einen halben Tag erhalten die Teilnehmenden Informationen von Polizei, Samariter, Feuerwehr und Zivilschutz. Im besten Fall soll das Interesse geweckt werden, sich freiwillig im Bevölkerungsschutz zu engagieren – prioritär im Zivilschutz, der ein Personalproblem hat. Die Veranstaltungen finden an vielen Orten statt, organisiert durch die verschiedenen Bevölkerungsschutzregionen. Rekrutiert werden dürfen Interessierte an den Anlässen nicht.
Die Kritik: Bereits vor der Einführung gab es kritische Stimmen zu den Veranstaltungen. Nun will sie ein Vorstoss im Aargauer Kantonsparlament abschaffen. FDP-Grossrätin Denise Strasser und andere Ratsmitglieder verlangen von der Regierung, «die obligatorischen Sicherheitsveranstaltungen einzustellen». Die Wirksamkeit sei nicht gegeben, Kosten und Nutzen stünden in keinem Verhältnis. Ende 2026 soll Schluss sein, und nicht erst 2028, wenn der Versuch endet.
Das sagen die Kommandanten: Nach einem Jahr bilanzierte die Regierung, dass die Veranstaltungen grundsätzlich gut liefen. Es gebe viele Interessierte für Aufgaben im Bevölkerungsschutz. Die Zivilschutzkommandanten, die diese Anlässe organisieren, zeigten sich daraufhin irritiert und wendeten sich an die Politik. In ihrem Schreiben, das SRF vorliegt, steht: «Eine Mehrheit (neun von zwölf) der Aargauer Zivilschutzkommandos empfehlen die schnellstmögliche Einstellung der Sicherheitsveranstaltungen.»
Keine Wirkung: Im Vorstoss werden Zahlen aufgeführt. Im Jahr 2024 hätten 2466 Personen an den Infoveranstaltungen teilgenommen. Davon habe eine Person tatsächlich für den Zivilschutz gewonnen werden können. Im Jahr 2025 sei es ebenfalls nur eine Person gewesen, sagt Denise Strasser zu SRF. Wie es bei den Feuerwehren oder den Samaritern aussehe, wisse sie nicht. Die Veranstaltungen sollten aber vor allem dem Zivilschutz Personal bringen.
Kosten-Nutzen unverhältnismässig: Pro teilnehmende Person koste eine Veranstaltung 55 bis 200 Franken, je nach Region, schreiben die Zivilschützer. Der Aufwand sei hoch, unter anderem für Verschiebungsgesuche oder Disziplinarverfahren bei Nichterscheinen – und dies ohne Mehrwert.
Falsches System: Der Kanton gebe Inhalte und Umfang vor, Aufwand und Kosten müssten aber die Bevölkerungsschutzregionen tragen. Es sei zudem schlecht für das Image, wenn der Zivilschutz mit Bussen drohen müsse bei Nichterscheinen zu den Veranstaltungen. Das Interesse der Teilnehmenden an den Anlässen sei da und die Rückmeldungen gut, sagt etwa Pius Wiss, Chef des RFO Freiamt. Das Wissen, das dabei vermittelt werde, sei aber nicht nachhaltig.
Alternativen: Anstelle des obligatorischen Anlasses sollten digitale Kanäle genutzt werden oder an Schulen über Sicherheitsthemen informiert werden, so die Forderung. Oder aber der Kanton solle die Anlässe selber organisieren und bezahlen.
Reaktionen auf die Forderung: Die Regierung äussert sich auf Anfrage von SRF nicht zur Forderung. Noch nichts ändern würde der Präsident des kantonalen Feuerwehrverbands, Fabian Engel. Man solle noch ein Jahr warten mit Anpassungen.