Der Kanton Graubünden plante, zwei Luchse anzusiedeln. Einerseits waren die Tiere als Ersatz gedacht für drei irrtümlich geschossene Luchse, andererseits sollte so die genetische Vielfalt gestärkt werden. Daraus wird nun vorläufig nichts. Grund dafür sind zwei Vorstösse im Bündner Kantonsparlament, im Grossen Rat.
Wie gefährlich ist der Luchs?
Sowohl die SVP-Fraktion als auch ein Mitte-Parlamentarier forderten, auf die Aussetzung der zwei Luchse zu verzichten. Die SVP befürchtet unter anderem, dass die Raubkatzen zu einer zusätzlichen Gefahr für Nutztiere werden könnten.
Die zentrale Frage in der politischen Debatte: Wie gefährlich ist das Raubtier? «Nur schon zwei Luchse könnten eine Gefahr sein», sagt Walter Grass, SVP-Fraktionspräsident und Vorstandsmitglied des Bündner Bauernverbands. «Im Berner Oberland zeigte sich, dass die Anwesenheit des Luchses zu grossen Problemen führen kann.» Die Lage sei bereits angespannt, so werde die Situation noch verschärft.
Mitte-Grossrat Gian Derungs hat ebenfalls einen Vorstoss zum Thema eingereicht. Er stosse sich daran, dass der Kanton den Entscheid fällte, obwohl es Spannungen rund um Grossraubtiere gebe: «Seit Jahren kämpft die Bergbevölkerung für weniger Grossraubtiere. Nun neue aktiv auszusetzen wirkt auf die Betroffenen wie ein Affront.»
Die Statistik des Kantons zeigt: In den letzten Jahren wurde eine einzige Ziege gerissen. Für Grünen-Grossrätin Anita Mazetta ist es darum übertrieben, von einer Gefahr zu sprechen: «Der Luchs richtete nie oder sehr selten Schaden an. Es ist ein minimales Risiko, dass ein Luchs ein Nutztier reisst.»
Im Grossen Rat betonte zudem die zuständige Regierungsrätin Carmelia Maissen, dass durch die Aussetzung der Tiere kein Nachteil für die Landwirtschaft entstehe. Trotzdem werden diese beiden Vorstösse aus dem Rat voraussichtlich in der Aprilsession behandelt. Diesen Entscheid will die Regierung abwarten, das Projekt ist bis dahin auf Eis gelegt.
Inzucht und drei Fehlabschüsse
Die Ansiedlung der zwei erwachsenen Luchse im Kanton Graubünden wäre eine Art Schadenersatz. Im November 2024 verwechselte ein Wildhüter ein Luchsmännchen und zwei Jungtiere mit Wölfen und tötete die drei Katzen. Zudem soll der Genpool erweitert werden. Die Schweizer Luchspopulation hat seit den 1970er-Jahren mit Inzest zu kämpfen.
Ein Luchs sollte ab Februar im Jura gefangen und dann in der Surselva ausgesetzt werden. Der zweite sollte ab 2028 aus den Karpaten – aus Rumänien oder der Slowakei – kommen. Ob sie jetzt jemals ausgesetzt werden, ist unklar. Laut der Stiftung Kora, die unter anderem für den Bund zu Raubtieren forscht, können Luchse nicht das ganze Jahr über gefangen werden. Der erste könnte also frühestens im nächsten Winter nach Graubünden kommen.