Krieg und die Schweiz: Das klingt heute erst mal widersprüchlich. Neutral, friedlich, abseits bewaffneter Konflikte: So sieht sich das Land. Ein Blick auf die Geschichte zeigt jedoch auch ein anderes Bild.
Die Liste der Kriege und Schlachten mit Schweizer Beteiligung ist lang. Auf der Wissensplattform Wikipedia etwa finden sich nicht weniger als 212 Einträge. Der Krieg ist ein prägendes Element der Schweizer Vergangenheit – innerhalb und ausserhalb der Landesgrenzen, direkt wie indirekt.
Diskussion anstossen über die Rolle der Schweiz
Dieses Spannungsfeld greift nun das Landesmuseum Zürich mit der neuen Ausstellung «Wir und der Krieg» auf. Das Museum stellt nicht nur die Frage, welche Rolle Gewalt und bewaffnete Konflikte in der Geschichte der Schweiz gespielt haben, sondern auch, wie sehr sie bis heute nachwirken.
Mit der Planung der Thematik begann das Landesmuseum vor drei Jahren. «Es ist erstaunlich und gleichzeitig tragisch, dass das Thema wieder aktueller geworden ist», sagt Landesmuseums-Direktorin Denise Tonella.
Umso wichtiger sei es nun, darüber zu sprechen. «Wir möchten relevant sein mit unseren Themen, einen Gegenwartsbezug erzeugen und hoffen, dass wir dem Publikum Kontext geben können.»
Flucht als zentrales Thema
Einen Schwerpunkt der Ausstellung legt das Landesmuseum auf individuelle Schicksale. Wer vor Krieg flieht, kann meist nur wenige persönliche Gegenstände mitnehmen. Solche Objekte stehen exemplarisch für Erfahrungen, die auch in der Schweiz Geschichte geschrieben haben – etwa während der Weltkriege oder in jüngeren Flüchtlingsbewegungen.
Ausstellung im Landesmuseum Zürich: «Wir und der Krieg»
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Bild 1 von 6. Das Landesmuseum Zürich beleuchtet in einer neuen Ausstellung den Krieg und wie er die Schweiz geprägt hat. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 6. Thematisiert werden zahlreiche Aspekte. Einen Schwerpunkt erhält die Flucht von Kriegsbetroffenen. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 6. Oftmals fliehen Menschen mit nur wenigen Gegenständen aus Konfliktgebieten. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 6. Aber auch das Verständnis der Schweiz zu ihrer Neutralität wird aufgearbeitet. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 6. Die Ausstellung «Wir und der Krieg» dauert vom 17. April 2026 bis am 17. Januar 2027. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. Zu sehen ist sie im Landesmuseum in Zürich. Bildquelle: Schweizerisches Nationalmuseum.
Gleichzeitig hinterfragt die Ausstellung gängige nationale Erzählungen. Das Selbstbild der wehrhaften Eidgenossenschaft etwa wird durch historische Zeugnisse relativiert.
Ein Wandteppich zur Schlacht bei Pavia 1525 – einer der selten thematisierten Niederlagen – zeigt Schweizer Söldner, die im Fluss Ticino ertrinken. Auch diese Seite gehört zur Geschichte.
Die Auffassung von Neutralität hat sich gewandelt
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Neutralität. Schon im Dreissigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert versuchte die Eidgenossenschaft, sich aus den grossen europäischen Konflikten herauszuhalten – während Schweizer Truppen gleichzeitig in fremden Diensten kämpften.
«Zu dieser Zeit war das kein Widerspruch», sagt Historiker und Kurator Jose Cáseres Mardones. «Heute sieht das aber anders aus. Die Neutralität hat sich gewandelt und wir stellen uns die Frage, ob die Schweiz Munition an die Ukraine liefern darf.»
Heute wird die Schweiz durch das Rote Kreuz, die Genfer Konvention oder UNO-Friedenstruppen auch oft mit Friedensbemühungen in Verbindung gebracht. «Wir und der Krieg» ist eine Ausstellung mit verschiedenen Aspekten, über die das Landesmuseum eine Diskussion anregen will.