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Aussterbender Beruf Nach 30 Jahren an der Zapfsäule: Tankwartin wird Bus-Chauffeurin

Nach 30 Jahren an der bedienten Tankstelle in Aarau Rohr wird der Job von Tankwartin Sandra Dietiker (54) gestrichen. Sie fährt nun Bus.

Manche Jobprofile sind neu. Die Influencerin gabs früher noch nicht, genauso wenig wie den Social-Media-Manager. Auch andere mittlerweile gängige Berufsbezeichnungen fand man vor 40 Jahren noch in kaum einem Wörterbuch, geschweige denn im Stellenanzeiger.

Es gibt hingegen auch Berufe, die lange zum Alltag gehörten, und nun aussterben. Die Bleicherin zum Beispiel oder auch der Tankwart. Gemäss einer aktuellen Statistik von Avenergy Suisse, dem Verband der Importeure von flüssigen Brenn- und Treibstoffen in der Schweiz, gibt es noch vier bediente Tankstellen.

Kündigung nach über 30 Jahren als Tankwartin

Sandra Dietiker ist seit über 30 Jahren Tankwartin an derselben Tankstelle in Aarau Rohr. Hier müssen die Kundinnen und Kunden nicht selber tanken, das erledigt die Tankwartin für sie. Doch Ende des Monats ist Schluss. Der Geschäftsführer der Tankstelle geht in Pension.

Die Tankstelle bleibt zwar, aber Sandra Dietikers Job wird gestrichen. «Es wird speziell sein, wenn ich auf einmal nicht mehr Tankwartin bin», sagt die 54-Jährige.

Person tankt ein rotes Auto an einer Tankstelle.
Legende: Seit über 30 Jahren arbeitet Sandra Dietiker als Tankwartin in Aarau Rohr. SRF

Ursprünglich hatte die Tankwartin eine Lehre als kaufmännische Angestellte absolviert. Doch so richtig wohl habe sie sich im Büro nie gefühlt.

Auf ihrem Arbeitsweg sei sie immer an der Tankstelle in Aarau Rohr vorbeigefahren und habe sich dabei gedacht: «Es wäre sicher noch lässig, hier zu arbeiten.» Spontan habe sie nach einem Job gefragt. Gestartet ist sie als Aushilfe, zwei Jahre später wurde sie fest angestellt.

«Tankwartin ist ein cooler Job»

Einen neuen Job hat sie bereits – dazu später mehr –, doch eigentlich hatte sie nicht vor, den Beruf zu wechseln. Sandra Dietiker mag ihre Arbeit. «Es ist abwechslungsreich, es ist kein Tag wie der andere, man ist draussen, man ist drinnen, man hat Kontakt mit den Leuten, Tankwartin ist einfach ein cooler Job.»

Landschaft mit einer Strasse, Bäumen und einem Schild für eine Tankstelle.
Legende: Die Tankstelle in Aarau Rohr ist eine von wenigen, bei denen man nicht selber tanken muss – noch bis Ende Juni. SRF

Viele ihrer Kundinnen und Kunden kenne sie mittlerweile seit Jahrzehnten. Mit manchen rede sie nur übers Wetter oder über den Benzinpreis, von anderen kenne sie die ganze Lebensgeschichte. «Man kommt mit den Leuten ins Gespräch. Wenn man tankt, hat man etwas Zeit. Es ist anders, als wenn man einfach hinter der Kasse steht.»

Person vor einer Zapfsäule mit Mikrofon.
Legende: Seit Corona haben viele Leute gar kein Bargeld mehr dabei. Das wirkt sich aufs Trinkgeld aus. SRF

Ihre Kundinnen und Kunden schätzten die Begegnung mit ihr, den Service, das kurze Gespräch. Das sei spürbar, auch wenn die Trinkgelder seit Corona dürftiger ausfallen. «Heute haben viele Leute gar kein Bargeld mehr bei sich. Es gibt zwar noch ab und zu Trinkgeld, aber damit rechnen kann ich nicht mehr.»

Von der Zapfsäule hinters Lenkrad

Dass es ihren Job an der Tankstelle ab nächstem Monat nicht mehr gibt, weiss Sandra Dietiker schon seit einiger Zeit. Deshalb begann sie vor anderthalb Jahren die Ausbildung zur Busfahrerin.

«Ich bin immer gern Auto gefahren. Und als ein Kollege als Quereinsteiger Buschauffeur wurde, dachte ich mir: «Das kann ich auch.» Heute fährt sie bereits einen Tag pro Woche Bus bei der Busbetrieb Aarau AG – in Zukunft arbeitet sie dort Vollzeit.

Person im Bus zeigt ein Friedenszeichen.
Legende: Einen Tag pro Woche fährt Sandra Dietiker bereits Bus. In Zukunft fährt sie Vollzeit. zvg/Sandra Dietiker

Doch zuerst heisst es Ende des Monats noch Abschied nehmen von der Tankstelle. Sie sei nun damit beschäftigt, einigen ihrer Stammkundinnen und -kunden beizubringen, wie sie in Zukunft ohne sie tanken können. «Ich übe mit ihnen, es kommt gut», sagt die 54-Jährige und lächelt.

Wenn sie an ihren letzten Arbeitstag denkt, dann muss sie sich eine Träne abwischen. «Es wird sicher ein sehr emotionaler Tag werden. Ich werde den ganzen Tag da sein, um mich von meinen Kunden zu verabschieden.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 3.6.2026, 17:30 Uhr ; 

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