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Aussterbendes Handwerk Wie lange gibt es den Beruf der Vergolderin noch?

In Solothurn droht ein seltenes Handwerk zu verschwinden – es fehlt an Nachwuchs. Werkstattbesuch bei Gabriela Knuchel.

An der Goldgasse in Solothurn ist der Strassenname Programm: Dort führt Gabriela Knuchel seit 36 Jahren ein Vergolderei-Geschäft. Ein alter Spiegel liegt zum Restaurieren bereit. Eine Kundin will eine Kinderzeichnung rahmen lassen. Knuchel erhält Aufträge von Privaten, aber auch von Museen. Aber: Immer weniger Junge erlernen das unterdessen seltene Handwerk.

Vergolderei in der Goldgasse Solothurn

Gabriela Knuchel hat eine dreijährige Lehre als Vergolderin absolviert. Vergolderin sei eine Berufung, findet sie. Nach all der Zeit brenne das Feuer für den Beruf, das Material und die Kundschaft immer noch..

Das feine Gold wird «geschossen»

Die Arbeit als Vergolderin erfordert eine ruhige Hand und handwerkliches Geschick. Der antike Spiegel im Solothurner Atelier muss zuerst so modelliert werden, dass er wieder intakt ist. Erst dann folgt das eigentliche Gold.

Vierjährige Lehre als Vergolder/in

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Metallschild mit goldenem Bären und filigranen Verzierungen.
Legende: Ein Wirtshausschild. Auch solche Objekte kann die Vergolderin bearbeiten und restaurieren. Keystone/Sigi Tischler

Ein antiker Spiegel, Bücher, Skulpturen oder ein Wirtshausschild – die Vergolderin kann sie restaurieren und vergolden. Der Beruf wird mit einer vierjährigen Lehre (EFZ) erlernt. «Bei der Vergoldung von Rahmen und Objekten schneiden die Berufsleute Blattmetall zu und übertragen es auf die zu vergoldende Fläche», beschreibt der schweizerische Verband Bild und Rahmen die Tätigkeiten einer Vergolderin. Die Branche hat ihre Wurzeln in der Antike.

Als Vergolderin verdient man nach der Ausbildung im Schnitt 3850 Franken, zwei Jahre danach 4000 Franken, heisst es beim für die Ausbildung zuständigen schweizerischen Verband Bild und Rahmen auf der Website.

Und das wird auf das Objekt «geschossen», wie es Fachleute nennen. Gabriela Knuchel lädt einen breiten Pinsel mit feinen Haaren statisch auf, indem sie diesen an ihre Wange oder an ihr Handgelenk hält. So kann sie das feine Blattgold fassen und auf den angefeuchteten Bilderrahmen «werfen».

Vergolden – ein feines Kunsthandwerk

Das Anbringen des hauchdünnen Goldes ist eine blitzschnelle Bewegung. Für den antiken Spiegel in ihrem Atelier verarbeitet Gabriela Knuchel Gold im Wert von rund 500 Franken. Hinzu kommen 30 Stunden Handarbeit.

Nur noch wenig Lernende

Vergolderin ist ein Kunsthandwerk, das nur noch von wenigen erlernt wird: «Es gibt seit den letzten Jahren schweizweit zwei bis fünf Lernende, die noch ausgebildet werden. In meiner Generation hatten wir noch 24er-Klassen», sagt die Solothurner Vergolderin Gabriela Knuchel.

Diese Entwicklung ist keine Schweizer Eigenheit. Auch im Nachbarland Österreich beklagt die Branche einen Nachwuchsmangel. «Es gibt nur noch rund zehn Vergolderbetriebe in Österreich, und damit auch wenig Lehrstellen», heisst es in einem Bericht des ORF vom Februar 2026. Das Handwerk sei aber für den Erhalt von Kirchen und Kulturschätzen von grossem Wert, sagt der Sprecher der Österreicher Vergolder im Bericht.

Frau mit Brille und rotem Pullover lächelt in einem stilvollen Raum.
Legende: Gabriela Knuchel in ihrem Atelier in Solothurn. Vor 36 Jahren hat sie es eröffnet. Ob es jemand nach ihrer Pensionierung übernimmt, ist unklar. SRF/Nina Köpfer

Auch in Solothurn ist die Zukunft der Vergolderei offen. Nach 36 Jahren als Vergolderin in Solothurn sucht Gabriela Knuchel auf Anfang 2027 eine Nachfolge. Sie geht in Pension. Das Geschäft läuft, aber lief nicht immer: «Es war ein Auf und Ab. Ich habe zwischendurch auch schon überlegt, ob ich aufhören soll. Es war immer eine Gratwanderung.» Reich werde man mit diesem Kunsthandwerk nicht.

Wen ich keine Nachfolge finde – den Schlüssel drehen und ausräumen.
Autor: Gabriela Knuchel Solothurner Vergolderin

Unterdessen habe sie einen «treuen und grossen Kundenstamm», heisst es in Knuchels Nachfolge-Inserat. Was, wenn sie bis 2027 niemanden findet? «Schlüssel drehen und ausräumen. Das Vergolderwerkzeug kommt mit zu mir», sagt sie schmunzelnd.

Berufsportrait Vergolder/in auf Youtube

Regionaljournal Aargau Solothurn, 07.04.2026, 17:30 Uhr ; 

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