An der Goldgasse in Solothurn ist der Strassenname Programm: Dort führt Gabriela Knuchel seit 36 Jahren ein Vergolderei-Geschäft. Ein alter Spiegel liegt zum Restaurieren bereit. Eine Kundin will eine Kinderzeichnung rahmen lassen. Knuchel erhält Aufträge von Privaten, aber auch von Museen. Aber: Immer weniger Junge erlernen das unterdessen seltene Handwerk.
Vergolderei in der Goldgasse Solothurn
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Bild 1 von 3. Die Vergolderei in der Solothurner Goldgasse. Die Adresse sei purer Zufall, sagt die Geschäftsführerin Gabriela Knuchel. Sie spricht von einem Glücksfall. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
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Bild 2 von 3. Beim Vergolden wird mit feinstem Blattgold gearbeitet. Es braucht viel Fingerspitzengefühl. Knuchel blieb ihrem Beruf fast fünf Jahrzehnte lang treu. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
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Bild 3 von 3. In ihrer Werkstatt restauriert und vergoldet Gabriela Knuchel aktuell einen alten Spiegel. Der aufwändige Auftrag kommt von einer Privatperson. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
Gabriela Knuchel hat eine dreijährige Lehre als Vergolderin absolviert. Vergolderin sei eine Berufung, findet sie. Nach all der Zeit brenne das Feuer für den Beruf, das Material und die Kundschaft immer noch..
Das feine Gold wird «geschossen»
Die Arbeit als Vergolderin erfordert eine ruhige Hand und handwerkliches Geschick. Der antike Spiegel im Solothurner Atelier muss zuerst so modelliert werden, dass er wieder intakt ist. Erst dann folgt das eigentliche Gold.
Und das wird auf das Objekt «geschossen», wie es Fachleute nennen. Gabriela Knuchel lädt einen breiten Pinsel mit feinen Haaren statisch auf, indem sie diesen an ihre Wange oder an ihr Handgelenk hält. So kann sie das feine Blattgold fassen und auf den angefeuchteten Bilderrahmen «werfen».
Vergolden – ein feines Kunsthandwerk
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Bild 1 von 5. Gabriela Knuchel bei der Arbeit. Hier schneidet sie das feine Blattgold. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
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Bild 2 von 5. Das Gold ist für diesen antiken Spiegel. Eine Privatperson hat diesen gekauft und möchte ihn nun restauriert haben. Alle hellen Stellen müssen vergoldet werden. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
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Bild 3 von 5. Hier wird der Untergrund mit dem Pinsel nass gemacht, damit das Gold später daran haftet. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
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Bild 4 von 5. Das Blattgold wird «geworfen», blitzschnell, mit Hilfe eines Pinsels. Der Pinsel wird statisch aufgeladen, damit das Gold an ihm haftet. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
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Bild 5 von 5. Die Pinsel sind Teil der Vergolderwerkzeuge, die in Knuchels Atelier lagern. Heute gibt es nur noch wenige Lernende, die den Beruf ergreifen wollen. Bildquelle: SRF/Nina Köpfer.
Das Anbringen des hauchdünnen Goldes ist eine blitzschnelle Bewegung. Für den antiken Spiegel in ihrem Atelier verarbeitet Gabriela Knuchel Gold im Wert von rund 500 Franken. Hinzu kommen 30 Stunden Handarbeit.
Nur noch wenig Lernende
Vergolderin ist ein Kunsthandwerk, das nur noch von wenigen erlernt wird: «Es gibt seit den letzten Jahren schweizweit zwei bis fünf Lernende, die noch ausgebildet werden. In meiner Generation hatten wir noch 24er-Klassen», sagt die Solothurner Vergolderin Gabriela Knuchel.
Diese Entwicklung ist keine Schweizer Eigenheit. Auch im Nachbarland Österreich beklagt die Branche einen Nachwuchsmangel. «Es gibt nur noch rund zehn Vergolderbetriebe in Österreich, und damit auch wenig Lehrstellen», heisst es in einem Bericht des ORF vom Februar 2026. Das Handwerk sei aber für den Erhalt von Kirchen und Kulturschätzen von grossem Wert, sagt der Sprecher der Österreicher Vergolder im Bericht.
Auch in Solothurn ist die Zukunft der Vergolderei offen. Nach 36 Jahren als Vergolderin in Solothurn sucht Gabriela Knuchel auf Anfang 2027 eine Nachfolge. Sie geht in Pension. Das Geschäft läuft, aber lief nicht immer: «Es war ein Auf und Ab. Ich habe zwischendurch auch schon überlegt, ob ich aufhören soll. Es war immer eine Gratwanderung.» Reich werde man mit diesem Kunsthandwerk nicht.
Wen ich keine Nachfolge finde – den Schlüssel drehen und ausräumen.
Unterdessen habe sie einen «treuen und grossen Kundenstamm», heisst es in Knuchels Nachfolge-Inserat. Was, wenn sie bis 2027 niemanden findet? «Schlüssel drehen und ausräumen. Das Vergolderwerkzeug kommt mit zu mir», sagt sie schmunzelnd.