Im Garten des Museums glänzen silberne Kugeln in der Sonne, vor dem Eingang stehen die Menschen Schlange. Hinein kommt allerdings nur, wer online bereits ein Ticket reserviert hat. Die Ausstellung in der Fondation Beyeler war bereits Wochen im Voraus ausverkauft. Es war das erste Mal, dass ein Museum in der Schweiz der japanischen Künstlerin eine so umfassende Retrospektive gewidmet hat.
Die Infinity Mirror Rooms
-
Bild 1 von 3. Einer der verspiegelten Infinity Rooms: Durch farbige Punkte kann man hinausschauen, gleichzeitig sorgen die Punkte für viel Farbe innen. Bildquelle: Fondation Beyeler/Friedel Ammann.
-
Bild 2 von 3. Ein weiterer Spiegelraum: «The hope of polka dots». Bildquelle: Fondation Beyeler/Mark Niedermann.
-
Bild 3 von 3. Einer der Spiegelräume im Garten der Fondation: Ein fast futuristisch wirkender Kubus. Bildquelle: Fondation Beyeler/Mark Niedermann.
SRF-Kulturredaktorin Alice Henkes hat es gefallen: «Die Ausstellung hat wirklich grossen Erlebnischarakter», sagt Henkes. «Man taucht ein in dieses Werk und das ist einfach total ‹instagrammable›, man kann sich super damit auf Social Media präsentieren.»
Teil der Ausstellung sind sogenannte Infinity Rooms, kleine Boxen, in die man hineingehen kann. Sie sind komplett verspiegelt und es hat Punkte, Schlangen, ast-ähnliche Strukturen.
Yayoi Kusama sei eine Künstlerin, die auch Menschen begeistere, die nicht sehr kunstaffin seien, sagt der Direktor der Fondation Beyeler, Sam Keller: «Ihre Kunst begeistert nicht nur Expertinnen und Experten, sondern berührt alle Menschen – besonders auch die junge Generation.»
Für die Ausstellung sei es ausserdem wichtig gewesen, dass sie ein Erlebnis war. «Man kann sich in Kusamas Kunst auflösen, ein Teil von ihr werden. Das ist natürlich auch gut teilbar in den Sozialen Medien», so Keller. So würden auch Leute ins Museum kommen, die man sonst nicht erreichen würde.
Besucherrekord einer zeitgenössischen Künstlerin
Die Fondation Beyeler rechnet damit, dass etwa 260'000 Personen die Ausstellung besucht haben. Damit sei sie eine der fünf erfolgreichsten Ausstellungen in der Geschichte des Museums. Für eine zeitgenössische, noch lebende Künstlerin, sei es sogar ein Rekord.
Dieser Besuchererfolg hänge auch damit zusammen, dass Kusama über die Kunst hinaus interessiere. «Hier treffen Kunst-Fans und Lifestyle-Interessierte aufeinander», sagt SRF-Kulturredaktor Nino Gadient. «Kusama ist auch in der Mode zuhause, eine Kultfigur und ein Social Media-Phänomen. Eine Ausstellung über sie ist praktisch ein Selbstläufer.»
Trotzdem hat auch Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler, nicht mit einem solchen Besucherandrang gerechnet. «Eine noch lebende Künstlerin hat noch nie ein so grosses Publikum angezogen.»
Damit reihe sich die Ausstellung mit Künstlern wie Picasso oder Matisse. Und dies, obwohl das Museum den Zugang sogar begrenzte, «damit alle noch ein gutes Erlebnis haben», so Keller.
Zunächst widmet die Fondation Beyeler aber wieder einem Künstler eine grosse Ausstellung, der bereits verstorben ist: Paul Cézanne, dem französischen Pionier der modernen Malerei.
Auch diese Ausstellung könnte wieder ein Blockbuster werden, sagt SRF-Expertin Alice Henkes: «Für Menschen, die gerne Klassiker der Moderne haben, ist Beyeler ein Garant für tolle Ausstellungen». Das Museum habe sich da einen Namen erarbeitet.