Fenster eingeschlagen, Licht im Büro, Schlüsselkasten aufgebrochen. Als Bruno Weishaupt aus Oberriet SG morgens in seine Autogarage kommt, ist ihm sofort klar, dass Diebe am Werk waren. «Sie haben die Schlüssel rausgenommen und geschaut, welches Auto blinkt. Dieses haben sie dann mitgenommen.» Insgesamt vier Autos klauten die Männer. «Alle zusammen haben einen Wert von 122'000 Franken», sagt Garagist Weishaupt.
Bekanntes Muster
Autodiebstähle sind in mehreren Kantonen ein Thema. Die Kantonspolizei St. Gallen veröffentlicht beinahe jede Woche Meldungen von Autodiebstählen. Im laufenden Jahr gab es schon mehr als acht Fälle, wie die Kommunikationsverantwortliche Martina Brassel sagt. Das seien halb so viele Fälle wie im gesamten letzten Jahr.
«Wir wissen, dass es vor allem junge Menschen sind, die in Frankreich über die sozialen Medien rekrutiert werden und dann den Auftrag bekommen, in der Schweiz Autos zu stehlen und sie nach Frankreich zu bringen.» Die Diebe haben es vor allem auf teure Autos abgesehen.
Auch im Kanton Thurgau kommt es vermehrt zu Autodiebstählen nach diesem Muster. Im Autocenter Steinebrunn in Egnach blieben sie aber erfolglos.
Sie brachen zwar in die Garage ein, schafften es aber nicht, mit einem Auto das Garagentor zu durchbrechen. Das zeigen Aufnahmen der Überwachungskamera. Für Geschäftsführer Hüseyin Ocak ist klar, dass die jungen Männer im Auftrag handeln. «Der eine war nonstop am Handy. Die haben einen Boss, der ihnen sagt, was sie machen müssen.»
Von spezifischen Aufträgen spricht auch SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel. Seine Familie hat eine Autogarage im St. Galler Rheintal. Laut Büchel suchen die Chefs der französischen Banden auf Internetplattformen gezielt nach neu inserierten Autos. «Dann schicken sie ganz junge, teils noch schuldunfähige Leute, um diese Fahrzeuge zu holen. Vielfach machen sie in den Garagen eine grosse Unordnung. Es dürften also eher Amateure und keine Profis sein.»
Mehr Grenzkontrollen gefordert
Neben St. Gallen und Thurgau meldet auch der Kanton Graubünden Autodiebstähle, die auf diese Weise begangen wurden. Nationalrat Roland Rino Büchel fordert den Bundesrat auf, die Grenzen besser zu sichern. «Wenn fünf Jugendliche in einem Auto sitzen, die noch nicht einmal Auto fahren dürfen, dann muss man mobile Grenzkontrollen ins Auge fassen.»
Wenn fünf Jugendliche in einem Auto sitzen, die noch nicht einmal Auto fahren dürfen, dann muss man mobile Grenzkontrollen ins Auge fassen.
Einige der mutmasslichen Täter schafften es nicht nach Frankreich zurück. In mehreren Kantonen gab es Festnahmen nach versuchten Autodiebstählen. Der jüngste mutmassliche Täter ist 15 Jahre alt.