Die Badener Disputation: Vor 500 Jahren, im Jahr 1526, trafen sich Vertreter des alten und des neuen Glaubens in der Stadtkirche in Baden. Knapp drei Wochen dauerte das von der Eidgenossenschaft einberufene Streitgespräch zwischen den Vertretern des neuen und des alten Glaubens – später spricht man von Reformierten und Katholiken. Es nahmen Vertreter von zwölf der dreizehn eidgenössischen Orte teil. Sowohl reformatorische als auch altgläubige Theologen, Prediger und Schreiber waren anwesend.
Das Ziel: 1526 waren Zürich und die Ostschweiz bereits reformiert. Mithilfe des Religionsgesprächs hätten theologische Positionen geklärt werden sollen, erklärt die Badener Historikerin Ruth Wiederkehr. Es ging zum Beispiel um die Frage der Transsubstantiation – der realen Präsenz Jesu in Hostie und Wein nach der Wandlung – oder die Frage nach Bildern in Kirchen. Ziel sei nicht ein Kompromiss gewesen, das sei ein zu moderner Gedanke: «Es ist darum gegangen, die Wahrheit zu finden. Da gibt es keinen Mittelweg», so Wiederkehr.
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Bild 1 von 2. Auf dem Porträt des Abts Barnabas Bürki des Klosters Engelberg findet sich die älteste bekannte Darstellung der Badener Disputation. Bildquelle: Kloster Engelberg, Abtporträt.
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Bild 2 von 2. Barnabas Bürki war einer der vier Präsidenten der Badener Disputation. Bildquelle: Kloster Engelberg, Abtporträt.
Der Ablauf: Die Streitpunkte wurden von morgens bis abends in der Kirche diskutiert. Je ein reformierter und ein katholischer Vertreter argumentierte von der Kanzel herab. Die Kanzel für den Vertreter des neuen Glaubens habe man extra für die Disputation angebracht, sagt Wiederkehr. Vier Schreiber (je zwei Alt- und Neugläubige) protokollierten das Religionsgespräch auf Anordnung der Tagsatzung, jeweils überwacht von der Gegenseite, weitere Aufzeichnungen waren verboten.
Der Abwesende: Der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli nahm nicht an der Badener Disputation teil, da der Zürcher Rat seine Reise verbot, um ihn vor Angriffen zu schützen. Zwingli sei aber auf dem Laufenden gewesen, erzählt die Historikerin, trotz Informationssperre: Ein Mann namens Thomas Platter schildert später, wie er als Bote Zwingli mit Informationen versorgte und Reaktionen Zwinglis in Baden verbreitete. Platter beschreibt, wie er sich als Hühnerverkäufer in die Stadt Baden geschlichen und Briefe von und nach Zürich zu Zwingli geschmuggelt habe.
Die Öffentlichkeit: Baden war als Bäder- und Tagsatzungsstadt gut auf die Aufnahme von über 200 Besuchern der Disputation vorbereitet gewesen. Es sei anzunehmen, dass die Leute in der Stadt über die Disputation im Bilde gewesen seien. Zahlreiche Flugblätter und Druckschriften aus der Zeit seien überliefert, erzählt Wiederkehr. Es sei eine Diskussion der Zeit gewesen: «Man musste sich ja dann auch entscheiden, sind wir reformiert oder katholisch?»
Das Ergebnis: Die Disputation endete unentschieden. Die Tagsatzung habe eine klare Entscheidung vermieden, folgert Wiederkehr. Man habe einen Entscheid immer wieder hinausgezögert, das sei die Strategie gewesen: «Weil man die Eidgenossenschaft, den Zusammenhalt höher gewichtet hat als die Konfession.» Die Badener Disputation war nicht die erste Disputation in der Schweiz, diese fand 1523 in Zürich statt, aber auch nicht die letzte, 1528 folgte mit der Berner Disputation bereits das nächste Religionsgespräch.
Die Folgen: Trotz des Unentschiedens festigte die Badener Disputation die konfessionelle Spaltung der Eidgenossenschaft. Die Schweiz war in zwei Konfessionen gespalten, was über Jahrhunderte immer wieder zu Konflikten führte, auch zu bewaffneten, blutigen Auseinandersetzungen, wie den beiden Kappelerkriegen, erinnert Historikerin Ruth Wiederkehr.