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Bald Realität in der Schweiz? Organspende nach assistiertem Suizid – eine heikle Diskussion

Ein Gutachten zeigt: Die Kombination ist rechtlich grundsätzlich möglich. Es stellen sich aber Fragen.

Ein 60-jähriger Mann ist seit Jahrzehnten sowohl als Organspender registriert als auch Mitglied der Sterbehilfeorganisation Exit. Nun hat er eine Demenz entwickelt und meldet sich bei der Stiftung Swisstransplant, er würde den Freitod vollziehen und gerne seine Organe spenden.

Dieses Beispiel erzählt Franz Immer, Direktor von Swisstransplant. Bisher ist es Menschen, die Sterbehilfe in Anspruch nehmen und einen assistierten Suizid begehen, nicht möglich, die Organe nach ihrem Tod zu spenden. Die Nachfrage gibt es aber immer wieder, bestätigen Swisstransplant und Exit.

Medizinisches Gerät mit einem menschlichen Herzen in Plastikschutzhülle.
Legende: Immer wieder wollen Menschen einen assistierten Suizid begehen und danach ihre Organe spenden. (Symbolbild) KEYSTONE/ GAETAN BALLY

Weil die Frage, ob Organspende nach assistiertem Suizid möglich sein soll, ethisch aber auch rechtlich heikel ist, hat sich die Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) damit beschäftigt. Nun liegen eine Stellungnahme der zentralen Ethikkommission sowie ein Rechtsgutachten vor. Es zeigt sich: Organspende nach assistiertem Suizid ist grundsätzlich möglich. Es müssen aber einige wichtige Punkte beachtet werden.

Selbstbestimmung des Patienten

Die zentrale Ethikkommission schreibt, die Autonomie der Entscheidung zur Organspende sei nach Suizidhilfe besser sichergestellt als bei anderen Fällen von Organspenden. Wenn die suizidwillige Person also bis zum Schluss an ihrem Sterbewunsch und der Organspende festhält, so ist das ihre Selbstbestimmung.

Die Organspende nach assistiertem Suizid ist ethisch nicht vertretbar. Es schafft einen Anreiz für den Suizid.
Autor: Alex Frei Ärzte und Pflegefachpersonen gegen Organspende am Lebensende

Genau da sehen Kritiker ein Risiko – darunter die Organisation der Ärzte und Pflegefachpersonen gegen Organspende am Lebensende. Deren Vizepräsident Alex Frei sagt, es sei ethisch nicht vertretbar, dass Organe nach assistiertem Suizid gespendet würden. «Diese Menschen sind sehr vulnerabel. Eine mögliche Organspende schafft einen zusätzlichen Anreiz für den Suizid.»

Gutachten SAMW

Diese Herausforderung sieht auch der Präsident der zentralen Ethikkommission, Psychiater Paul Hoff: «Entscheidungen haben immer einen Rest von Ambivalenz. Sterbehilfeorganisationen und Gesundheitspersonal müssen erkennen, wenn jemand zweifelt.»

Rechtliche und organisatorische Hürden

Wenn die Organe nach einem assistierten Suizid gespendet werden sollen, dann muss der assistierte Suizid in einem Spital stattfinden. Die Person muss nämlich fünf Minuten nach dem Tod in den Operationssaal.

Das wäre eine Kehrtwende, meint Hoff: «Assistierter Suizid findet im Normalfall nicht in einem Spital statt, sondern in Privaträumen. Wenn in Spitälern assistierter Suizid regelmässig stattfinden würde, würde dies das Selbstverständnis von Spitälern, aber auch von medizinischem Fachpersonal verändern.» Einige Kantone lassen bereits heute Suizidhilfe in Spitälern zu, etwa Waadt oder Genf.

Mit der Einführung der Organspende nach Suizidhilfe würde man de facto akzeptieren, dass ein Spital ein angemessener Ort für Suizidhilfe ist.
Autor: Paul Hoff Präsident Zentrale Ethikkommission SAMW

Sehr wichtig sei, so das juristische Gutachten, dass es eine strikte Trennung der Suizidhilfe und des Organspendeprozesses gebe – personell, aber auch organisatorisch.

Person in blauem Kittel trägt roten Kühler mit Aufschrift in einem Krankenhausraum.
Legende: Wenn Organspende nach assistiertem Suizid möglich wäre, würden mehr Organspenden zur Verfügung stehen. KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI

Eine weitere Herausforderung ist, dass ein Tod mit Suizidhilfe juristisch als aussergewöhnlicher Todesfall gilt. Das heisst, die Strafverfolgungsbehörden müssen involviert werden. Andererseits müssen dem Leichnam schnell die Organe entnommen werden, damit diese keinen Schaden nehmen – auch das müsste noch geklärt werden.

Bald Realität in der Schweiz?

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Die zentrale Ethikkommission geht davon aus, dass die Organspende nach assistiertem Suizid in absehbarer Zukunft Realität wird. Wenn ein Organentnahmezentrum sich bereit erklären würde, auch assistierten Suizid zuzulassen, könnte es passieren.

In anderen Ländern ist dies bereits heute möglich, so beispielsweise in den Niederlanden oder Belgien.

«Wenn man die Zahlen aus dem Ausland auf die Schweiz umrechnet, könnten (mit der Organspende nach assistiertem Suizid) 50 bis 60 Organe pro Jahr mehr gespendet werden», sagt Franz Immer von Swisstransplant. Im Moment aber verweist er bei Anfragen noch immer auf die Lebendspende.

Reporter, SRF 1, 27.5.2026, 21:05 Uhr; herb

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