Die Brandkatastrophe von Crans-Montana warf landesweit Fragen auf zur Sicherheit in engen Veranstaltungslokalen. An der Basler Fasnacht stehen jetzt die bewirteten Cliquenkeller im Fokus. Für viele sind diese mit ihrer Ambiance ein Highlight der «drey scheenschte Dääg», nicht nur wegen dort auftretender Schnitzelbänke.
Alle über 70 Cliquenkeller wurden kurzfristig baulich überprüft; nur wenige konnten Auflagen nicht erfüllen und bleiben deshalb geschlossen. Knackpunkt ist jetzt die Beschränkung der zulässigen Personenzahl je nach Keller – die gab es eigentlich schon lange, doch nun wurde angekündigt, dass sie auch durchgesetzt werde.
Wir mussten in keinem einzigen Keller zu viele Personen feststellen.
Mit den ersten Stichproben zufrieden ist die Direktorin der kantonalen Gebäudeversicherung, Veronika Röthlisberger: «Die Bilanz ist durchwegs positiv bei den 20 besuchten Kellern. Wir mussten in keinem einzigen Keller zu viele Personen feststellen.» Auch sonst habe vieles geklappt; nur vereinzelt seien Fluchtwege versperrt gewesen, doch das sei sofort behoben worden.
Kleinere Kapazitäten in den Lokalen bedeuten längere Wartezeiten. Gelassen nimmt das ein Paar, das eine halbe Stunde ansteht in der Martinsgasse. Ein anderer dort sagt: «Absolut kein Problem. Wir haben ein gutes Gespräch – und ein Bier in der Hand. Daher alles easy.» In einer anderen Warteschlange klingt es kritischer: «Es ist ein wenig nervig, keine angenehme Situation.»
Verständnis und Bedauern
In der Sache gibt es Verständnis, wie eine Frau sagt: «Ich finde das gut. Wenn man da zumindest sicher drinsitzen kann, ist mir auch wohler.»
Ein Teil der Fasnacht ist kaputtgegangen.
Dass teils die Dekoration angepasst und Requisiten entfernt werden mussten, fällt indes auf: «Die halben Bilder fehlen jetzt. Das merkt man», sagt ein Stammgast im «Dupf-Club»-Cliquenkeller im Pfeffergässlein. «Mir fehlt das Traditionelle. Ein Teil der Fasnacht ist kaputtgegangen», bedauert eine Frau.
So haben manche Keller-Gäste Zweifel an der Notwendigkeit, die Schraube nach der Katastrophe von Crans-Montana anzuziehen: «In den letzten 50 Jahren ist nichts passiert», sagt einer. Feuerwerk spielt an der Basler Fasnacht keine Rolle.
Mehr Ellbogenfreiheit, weniger Einnahmen
Viele Keller dürfen nun nur noch 50 Personen gleichzeitig betreten, auch jener der «Primidoofe». Einen Türsteher hat diese Clique schon seit über zehn Jahren.
Die Leute haben viel Verständnis für die Situation und dafür, dass wir zum Rechten schauen.
Früher habe dieser viele Diskussionen ausgelöst, sagt Obmann Thomas Schubert. «Das ist jetzt ins Positive hinübergeschwappt. Die Leute haben viel Verständnis für die Situation und dafür, dass wir zum Rechten schauen.»
Weniger positiv wirkt sich das strengere Regime auf die Cliquenkasse aus, bedeuten doch weniger Gäste auch weniger Umsatz. Schubert beziffert die Einbusse auf 10 bis 15 Prozent.
Anders ist die Stimmung bei der «Alti Richtig» alias Ari-Clique: Deren Keller an der Bäumleingasse ist mit historischen Laternen-Leinwänden so flächendeckend dekoriert, dass eine brandschutzkompatible Anpassung nicht drinlag.
Dieses prächtige Lokal, das jedes Jahr Tausende Gäste anlockte, ist jetzt geschlossen. Wirt Beat Buser klagt, dass der Keller zum Unesco-Weltkulturerbe Basler Fasnacht gehöre. «Dass man das der Öffentlichkeit nicht zeigen darf, ist eigentlich schlimm.»
Mit dem Keller fehlen 74 Sitzplätze. Er habe alle Reservationen dafür absagen müssen, sagt Buser. Stattdessen sitzen Gäste jetzt im überdachten kleinen Hof. Wie die Rechnung so aussieht, sei abzuwarten.