Die Kombination «höhere Baukosten» und «Verzögerungen beim Bau» hat schon manches Bauvorhaben zu Fall gebracht – und auch die Sanierung der Hafenbahn droht von der Spur abzukommen.
Statt 275 Millionen kostet sie nun 475 Millionen Franken. Und das Projekt dauert fünf Jahre länger als angenommen. Das hat das Basler Bau- und Verkehrsdepartement kürzlich mitgeteilt.
Hafenbahnhof soll verlegt werden
Wenn Schiffe mit Gütern aus aller Welt in Basel ankommen, legen sie an einem der Rheinhäfen an. Etwa zehn Prozent des schweizerischen Aussenhandels wickelt der Hafen ab. Die Waren werden zu zwei Dritteln auf die Schiene umgeladen, der Rest wird mit Lastwagen weitertransportiert.
Heute rangiert und parkiert die Hafenbahn im Rheinhafen von Kleinhüningen ihre Güterzüge beim Klybeckquai. Diese Schienen sollen verlegt werden und der Hafenbahnhof soll umziehen.
Das Bauprojekt des Kantons sieht vor, dass der Hafenbahnhof mit den Rangiergleisen nach Norden, in Richtung deutsche Grenze, verschoben wird. Dadurch würde die Fläche am Klybeckquai frei. Auf dem Areal soll ein neues Quartier mit günstigen Wohnungen und einem grossen Park entstehen.
Die Behörden arbeiten derzeit am Vorprojekt für die Verschiebung der Hafenbahn. Ihre Analyse zeigt nun: Die Umsetzung des Projekts wird viel teurer und dauert ungefähr bis circa 2038, statt wie geplant bis ins Jahr 2033.
Die Regierung prüft jetzt, welche Folgen das für die Stadtentwicklung und den Güterumschlag im Hafen hätte. Baudirektorin Esther Keller spricht gegenüber SRF von einem «Marschhalt» in der Planung.
Nein zum Rheintunnel lässt Kosten steigen
Schuld trage zum einen der Rheintunnel, sagt Keller. Das Schweizer Stimmvolk versenkte einen weiteren Ausbau der Nationalstrassen im November 2024 mit klaren 56.7 Prozent. Zu diesem Ausbau hätte auch der Rheintunnel gehört, der den Transitverkehr durch Basel unter dem Rhein hindurch geleitet hätte.
Mit dem Bau des Rheintunnels wäre ein Lagerbahnhof der Deutschen Bahn frei geworden, diese Fläche wäre dann der Hafenbahn zugutegekommen. Aber: Kein Rheintunnel – keine Synergien und die Kosten steigen, erklärt Esther Keller.
Doch der Rheintunnel ist nicht allein schuld: Der Raum in Basel Nord sei sehr dicht bebaut, erklärt Esther Keller. Während der Bauphase braucht es provisorische Lösungen für den Betrieb der Hafenbahn, so dass trotz Baustelle Güter verladen werden können. Auch das sei anspruchsvoll: «Es ist wie ein Domino dort oben: Wenn man beim einen etwas verändert, dann verändert sich für viele andere Infrastrukturen im Norden Basels auch etwas», so das Fazit der Baudirektorin.
Esther Keller macht kein Hehl daraus, dass die Zukunft des Hafenbahnprojekts ungewiss ist. Gleichzeitig wertet sie die Erkenntnisse nicht als Niederlage oder Fehlplanung: «Wir stecken jetzt in der Phase der Planung, in der Dinge zutage treten – zum Glück! Wenn wir den Baukredit schon gesprochen hätten, wäre es zu spät.»
Die Regierung werde nun überprüfen, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Hafenbahn noch stimme – und dann entscheiden.