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Baukräne in den Bergen Wie San Bernardino aus dem Dornröschenschlaf erwacht ist

Ein Investor will ein Bündner Dorf neu beleben. Ein Augenschein zeigt: Die Millionen wirken.

Oben blau, unten weiss: An diesem Tag präsentiert sich die Bündner Bergwelt von ihrer sonnigen Seite. Im Dorf wuseln Wintersportlerinnen und -sportler hörbar durchs Dorf, die Skischuhe klacksen bei jedem Schritt. An solchen Tagen sind die Sonnenterrassen in San Bernardino GR im Misox voll.

Früher Geisterdorf, jetzt stehen Kräne da

Ein Ansturm, den es bis vor Kurzem so nicht gab. San Bernardino, den meisten nur als Ausweichroute bei Gotthard-Stau bekannt, wurde abgehängt. Noch in den 70er- und 80er-Jahren war das Dorf vor allem bei Gästen aus Norditalien und dem Tessin beliebt. Danach fiel es Jahrzehnte in den Tiefschlaf. Die Bahnanlagen gingen zu, ein einziges Hotel blieb übrig. Einheimische sprachen von einem Geisterdorf.

Ein Dorf von oben.
Legende: Ein Blick auf das Dorf San Bernardino, südlich des Stausees Lago d'Isola. (1991) ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

Bis sich ein Tessiner Investor zum Ziel setzte, das Dorf aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Stefano Artioli und sein Unternehmen «San Bernardino Swiss Alps» haben Grosses vor: neue Hotels und Wohnungen, Tiefgaragen, Skilifte und Seilbahnen sowie ein Thermalbad – in San Bernardino gibt es eine Heilquelle. Die Kräne sind im Dorf sichtbar.

Der Augenschein vor Ort zeigt: Es herrscht Aufbruchstimmung im Dorf. Dass die Bevölkerung hinter den Plänen steht, macht ein Abstimmungsresultat vom Sommer 2023 deutlich: Der Verkauf von Grundstücken an den Investor wurde mit fast 80 Prozent Zustimmung genehmigt.

Ohne den Investor wäre dies nicht möglich gewesen.
Autor: Mattia Ciocco Gemeindepräsident Mesocco

Ein Hotelier, der schon viele Gesichter San Bernardinos gesehen hat, sagt stellvertretend: «Was bis jetzt gemacht wurde, das hätten wir schon lange machen müssen. Jetzt hoffen wir, dass die weiteren Pläne auch noch umgesetzt werden.» Bei den Bergbahnen brauche es vor allem Investitionen: «Beschneiungsanlagen und eine neue Bahn.»

Das plötzliche Touristenaufkommen bringt aber auch neue Probleme mit sich. Der Parkplatz des Dorfes war schon öfter restlos ausgebucht. Neben neuen Parkmöglichkeiten soll es bald auch einen Bus geben. Der «SanBe Schneebus» soll Gäste von Como und Varese in Norditalien direkt ins Skigebiet bringen. Auch dies eine Initiative des Investors.

«Epochaler Wandel»

Das Dorf erlebe einen «epochalen Wandel», sagt Mattia Ciocco, Präsident der Gemeinde Mesocco, zu der San Bernardino gehört. «Die Gemeinde Mesocco hat seit Jahrzehnten die Grundlage geschaffen, um all dies zu ermöglichen. Aber ohne einen Investor wie Stefano Artioli wäre all dies natürlich nicht möglich gewesen.»

Weisses Gebäude, Hotel Bellevue, mit grünen Fensterläden und Aussenbereich im Schnee.
Legende: Die Hotels in San Bernardino erscheinen in neuem Glanz. SRF / Valentina de Vos

Darauf ein Glas Wein auf der Sonnenterrasse in San Bernardino. Das Dorf ist aufgewacht. Bis es sich gestreckt hat und aufgestanden ist, dauert es noch. Allerdings ist dies nur eine Frage der Zeit.

Regionaljournal Graubünden, 13.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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