Es geht um einen Baumstamm. Genauer gesagt um den Bloch – ein Stück Fichtenholz aus dem Appenzell, das vor 15 Jahren zu einer Weltreise aufgebrochen ist. Überall auf der Welt sollte der traditionelle Appenzeller Bloch-Brauch mit lokalen Ritualen, Bräuchen und Kulturen in Dialog treten – und all diese Geschichten sollten am Ende wieder nach Urnäsch AR zurückgebracht werden.
Die Geschichte, wie aus einem Appenzeller Baumstamm ein Weltenbummler wurde, beginnt im Jahr 2011. Damals ersteigerte das Ostschweizer Künstlerduo «Com&Com» den Bloch an einer Auktion in Urnäsch AR. 3000 Schweizer Franken legten Marcus Gossolt und Johannes M. Hedinger bar auf den Tisch – der Startschuss für ein Kunstprojekt, das eigentlich nur zwei bis drei Jahre dauern sollte.
Dass daraus eine 15 Jahre andauernde Reise rund um den Globus wurde, habe sie selbst überrascht, sagt Johannes Hedinger heute.
Europa
Nach einigen Monaten in der Schweiz war Berlin die erste Station im Ausland. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Botschaft fanden dort Performances, Prozessionen, eine Konferenz, eine Ausstellung und ein Konzert statt.
Asien
Anschliessend verliess der Bloch Europa und reiste nach Asien, wo er für knapp ein halbes Jahr Teil der 9. Kunstaustellung in der Power Station of Art in der chinesischen Stadt Shanghai war.
Nach einem kurzen Abstecher nach Singapur machte der Bloch wieder Halt in der Schweiz, bevor er seine Reise zum dritten Kontinent, Nordamerika, fortsetzte.
Nordamerika
Im Juli und August 2014 war der Bloch auf einer ausgedehnten Reise durch den US-Bundesstaat North Dakota unterwegs.
Kurz später erreichte der Appenzeller Baumstamm auch den Big Apple. Dieser Aufenthalt wurde begleitet von einem umfangreichen Programm aus Ausstellungen, Konzerten und sogar einer Comedy-Show.
Südafrika
Im Februar 2017 kam der Bloch in Südafrika an. Sein erster Auftritt fand in Kapstadt statt, der zweite in Johannesburg.
Später reiste er durch die Klein Karoo mit Stationen in Nieu-Bethesda, Richmond, De Aar und Hanover.
Südamerika
Während der Corona-Pandemie war der Block in Chile blockiert, zusätzlich erschwerten politische Unruhen und gesellschaftliche Spannungen eine Weiterreise immer wieder.
Eine der grössten Herausforderungen stellte jedoch die Verzollung dar: Schon früh wurde klar, dass kaum ein Land bereit war, einen Baumstamm mit Rinde einreisen zu lassen, da viele Staaten befürchteten, Schädlinge könnten eingeschleppt werden. Deshalb musste der Bloch bei jeder Ein- und Ausreise mit Gas oder durch Hitze behandelt werden, um mögliche Käfer abzutöten.
Über ein Jahr lang blieb der Bloch im Hafen vom Mumbai in Indien stecken. Zeitweise stand er kurz vor der Versteigerung, wie Johannes Hedinger berichtet. Erst durch das Eingreifen der Schweizer Botschaft in Neu-Delhi konnte dies verhindert werden.
Zurück in der Schweiz – aber nicht in der Heimat
Inzwischen ist es gelungen, den Baumstamm mithilfe einer lokalen Transportfirma freizukaufen. Der Rücktransport im Container bis nach Basel verursachte jedoch zusätzliche Kosten von rund 120’000 Franken – ein Betrag, der normalerweise nur etwa ein Achtel davon betragen würde, so Hedinger. Derzeit werde deshalb noch mit der Transportfirma verhandelt.
Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann der Bloch ins Appenzellerland zurückkehren. Bis auf Weiteres steckt der Baumstamm im Containerhafen in Basel beim Zoll fest.