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Bauprobleme in Altstätten SG Neues Bundesasylzentrum im Rheintal verzögert sich

Das neue Bundesasylzentrum in Altstätten SG steht in Torfgebiet. Weil sich der Boden absenkt, gingen Leitungen kaputt.

In Altstätten im St. Galler Rheintal betreibt das Staatssekretariat für Migration (SEM) eines der grösseren Bundesasylzentren der Schweiz. Es bietet Platz für 340 Menschen. Momentan wird an einem neuen Zentrum ausserhalb des Städtchens gebaut, direkt neben dem Regionalgefängnis des Kantons. Für das Bauprojekt sind 43 Millionen Franken veranschlagt.

Eine Altlastensanierung verzögerte den Baubeginn zunächst, nun sollte das neue Asylzentrum im Januar eröffnet werden. Doch es kam zu einer erneuten Verzögerung wegen baulicher Probleme. Bauliche Probleme, die zu verhindern gewesen wären? Es sollen sich Leitungen im Boden abgesenkt haben, die dadurch beschädigt wurden.

Gebäude hinter Bauzäunen auf Baustelle.
Legende: Noch ist das neue Bundesasylzentrum in Altstätten SG eine Baustelle. SRF

Es werde viel geredet, sagt SVP-Kantonsrat Christian Freund, der in der Nähe einen Bauernhof führt: «Man hört, dass die Leitungen verschwunden sind, der Boden habe sich abgesenkt. Wir sind hier in einem Torfgebiet, wir müssen mit Pfählen arbeiten.»

Tatsächlich müssen Gebäude in der Region mit massiven Pfählen im Untergrund abgestützt werden. «Die Leitungen werden an Pfähle oder an Bodenplatten gehängt», so Freund.

Im Rheintal normal

In der Nähe des neuen Bundesasylzentrums steht ein Bauernhof. Von blossem Auge ist sichtbar, wie der Boden über die Jahre abgesunken ist. Die Gebäude stehen schräg in der Landschaft. Bei neueren Gebäuden sollten solche Probleme eigentlich nicht mehr auftreten.

Der Altstättner Stadtpräsident Ruedi Mattle sagt, der Bau in Torfgebiet sei zwar aufwendiger, aber grundsätzlich ohne Probleme möglich. So auch beim Doppelspurausbau im Rheintal: Auf einigen Abschnitten musste die Bahnlinie gepfählt werden.

Bund bestätigt kaputte Leitungen

Ist der Boden auch beim Bundesasylzentrum abgesunken und hat die Leitungen beschädigt? Ja. Das zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik nimmt Stellung: «Wegen Bodensetzungen sind im Herbst 2025 Kanalisationsleitungen unterhalb der Bodenplatte gebrochen oder haben sich so verformt, dass sie den vertraglichen Zweck nach der Betriebsaufnahme nicht erfüllt hätten.»

Ein grober Fehler.
Autor: Christian Freund Kantonsrat SVP/SG

Wie das genau passiert ist, werde nun abgeklärt. Finanzielle Folgen habe dies für den Bund nicht, die Leitungen seien repariert worden – als Garantieleistung des Bauunternehmens.

Trotzdem «ein grober Fehler», sagt Kantonsrat Christian Freund. «Es erstaunt mich, weil es ein Bundesprojekt ist, das als Leuchtturm hinhält.» Ob die Leitungen beim Bau nicht richtig fixiert worden sind, bleibt auch nach der Stellungnahme des Bundes offen.

Gefängnis nebenan betroffen?

Weil das neue Bundesasylzentrum unmittelbar neben dem Regionalgefängnis des Kantons St. Gallen steht, wollte Freund in einem politischen Vorstoss wissen, ob das Gefängnis von ähnlichen Problemen betroffen ist. Dort ist momentan ein Erweiterungsbau im Gang, der sich aufgrund einer Altlastensanierung des Bodens verzögert.

Luftaufnahme eines Industriekomplexes in grüner Landschaft mit Bergen im Hintergrund.
Legende: Rechts der hölzerne Neubau des Bundesasylzentrums, daneben das Regionalgefängnis mit Erweiterungsbau. SRF

Die Kantonsregierung hat den Vorstoss noch nicht beantwortet, doch das zuständige Bau- und Umweltdepartement schreibt in einer Stellungnahme: «Die Erweiterung und Erneuerung des Regionalgefängnisses Altstätten durch den Kanton St. Gallen steht baulich in keinem Zusammenhang mit dem Neubau des Bundesasylzentrums durch den Bund.»

Das neue Bundesasylzentrum in Altstätten SG soll bald öffnen. Mit einem halben Jahr Verspätung ist der Eröffnungstermin nach den Verzögerungen nun im August. Ab dann sollen maximal 390 Asylsuchende im Zentrum untergebracht werden.

Schweiz aktuell, 16.4.2026, 19 Uhr ; 

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