Eine Dorfstrasse ist vorübergehend gesperrt, die Legislaturziele einer Kantonsregierung werden publiziert, eine Gemeinderätin tritt zurück. Solche Informationen erreichen die Bevölkerung vermehrt via soziale Medien.
Fast die Hälfte der Schweizer Gemeinden ist auf Kanälen wie etwa Facebook oder Linkedin, genauer 49.8 Prozent. So die Aussage der Untersuchung «Schweizer Gemeinden und Social Media», die am Dienstag veröffentlicht wurde. Das sind gut 13 Prozent mehr als im Vorjahr.
Erstmals wurden für die Untersuchung neben Facebook, Linkedin und Instagram auch Tiktok und Youtube erfasst.
Gemeinden müssen dort informieren, wo ihre Zielgruppe unterwegs ist. Und das sind vermehrt Social-Media-Kanäle.
Thomas Gromann, der die Untersuchung mit seiner Agentur Groman Partner durchgeführt hat, sagt: «Gemeinden müssen dort informieren, wo ihre Zielgruppe unterwegs ist. Und das sind vermehrt Social-Media-Kanäle wie beispielsweise Facebook.»
Gromann macht ein Beispiel aus der Nordwestschweiz: «Eine Studie des Bundes zeigt, dass dort 14 Prozent der Meinungsbildung via soziale Medien stattfinden.» Denselben Anteil habe Print, beim Radio sei der Anteil mit 16 Prozent etwas höher. «Warum also sollten Behörden soziale Medien auslassen?», fragt er rhetorisch.
Kleine Gemeinden sind besonders erfolgreich
Am erfolgreichsten sind kleine Gemeinden in den sozialen Medien unterwegs, so Gromann. Sie hätten am meisten Reichweite, würden ihre Leute also am besten erreichen. Genauer: 400 von 1000 Personen. In Städten, wo die Kommunikation via soziale Medien ebenfalls gut funktioniere, seien es nur etwa 150 auf 1000 Personen.
Ob eine Gemeinde in den sozialen Medien präsent sei, habe in der Regel aber nicht mit der Reichweite zu tun, die sie erwarten könne, sagt Gromann. Statt an Zahlen würden sich Gemeinden eher an der Nachbargemeinde orientieren: «Wenn in einem Kanton eine Gemeinde damit beginnt, soziale Medien zu nutzen, beginnen die Nachbargemeinden oft ebenfalls damit.»
Bisher nicht passiert ist das im Kanton Appenzell Innerrhoden. «Er ist diesbezüglich ein gallisches Dorf», sagt Gromann. «Dort gibt es keine Behördenkommunikation via soziale Medien.»
Wir fanden heraus, dass der Faktor Geld über- und der Faktor Mensch unterschätzt wird.
Wer nun aber meint, das koste viel und deshalb würden sich vor allem reiche Gemeinden Social-Media-Auftritte gönnen, täuscht sich. Das sagt Dario Wellinger, der sich ebenfalls mit dem Thema Gemeinden und soziale Medien befasst.
«Wir fanden heraus, dass beim Thema soziale Medien der Faktor Geld über- und der Faktor Mensch unterschätzt wird», so Wellinger vom Zentrum für Verwaltungsmanagement der Fachhochschule Graubünden. So seien verschuldete Gemeinden nicht seltener auf sozialen Medien als reichere Gemeinden: «Viel wichtiger ist, wer im Gemeinderat ist.»
«Röstigraben»: Westschweiz vor Deutschschweiz
In den sozialen Medien gebe es zudem einen «Röstigraben», so Thomas Gromann: In der französischen Schweiz sei die Kommunikation der Behörden via soziale Medien bereits viel selbstverständlicher als in der Deutschschweiz. «Das hat wohl mit Kultur zu tun.»
Die Westschweiz orientiere sich nämlich an Frankreich. «Die Behörden in Paris nutzen soziale Medien stark.» Diese hätten davon einen weiteren Vorteil: Sie erreichen nicht nur die Einwohnerinnen und Einwohner der Weltstadt, sondern auch jene, die in Vororten leben und in Paris arbeiten. Oder Touristinnen und Touristen, die zwar soziale Medien der Behörden kontaktieren, aber kaum ein Amtsblatt lesen würden.