Amelia (8) kniet neben einer Kiste Lego und baut ein farbiges Haus. «Das ist mein Wunsch für die Berner Allmenden: ein Kletterhaus mit Rutsche.» Am Tisch nebenan sitzt Santiago (9) und zeichnet rechteckige Felder auf ein Blatt Papier. «Das sind Baseball- und Fussballfelder, die gibt es schon. Aber ein Swimmingpool wäre noch toll», sagt er mit einem Lachen im Gesicht.
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Bild 1 von 2. Am Mitwirkungstag bringen die Kinder ihre Ideen für die Berner Allmenden ein. Entweder auf Papier ... Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. ... oder mit Lego. Amelia (8) hat ein Haus mit Rutsche gebaut. Bildquelle: SRF.
Amelia und Santiago nehmen an einem Mitwirkungsnachmittag der Stadt Bern teil. Er richtet sich an Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren. Die Stadt möchte von den Kindern wissen, wie sie die Berner Allmenden heute nutzen und was sie sich für die zukünftige Gestaltung des Gebiets wünschen.
Der Freiraum im Nordosten der Stadt ist beliebt: Hier trainiert der Fussballclub neben dem Rugbyteam, der Spaziergänger mit Hund kreuzt die Gleitschirmpilotin und während die Mitglieder des Hornusservereins ihre Abschläge üben, sausen Kinder mit ihren Velos über den Pumptrack.
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Bild 1 von 8. Die Berner Allmenden sind beliebt für Sport und Freizeit. Bildquelle: Keystone/Anthony Anex.
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Bild 2 von 8. Ob Jogger ... Bildquelle: Keystone/Peter Klaunzer.
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Bild 3 von 8. ... oder Gleitschirmpilot. Die grosse Rasenfläche ist beliebt fürs Training. Bildquelle: ZVG/Stadt Bern.
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Bild 4 von 8. YB nutzt die Allmend als Trainingsplatz. Hier bei einem Training im Winter 2019. Bildquelle: Keystone/Anthony Anex.
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Bild 5 von 8. Im Winter ist die Grosse Allmend ein beliebter Schlittelhang. Bildquelle: Keystone/Anthony Anex.
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Bild 6 von 8. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Allmend zu einem beliebten Messegelände. 1961 führte während der HYSPA, eine Ausstellung für Hygiene und Sport, sogar eine Gondelbahn über die Allmend. Bildquelle: Keystone/Photopress-Archiv.
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Bild 7 von 8. Noch heute macht der Zirkus Knie regelmässig Halt auf der Allmend. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 2004. Bildquelle: Keystone/Gaetan Bally.
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Bild 8 von 8. Bei Grossanlässen ist die Allmend gefragt: 70'000 Menschen strömen im Juni 2004 auf die Berner Allmend, um Papst Johannes Paul II. zu sehen. Bildquelle: Keystone/AP/Andreas Meier.
Doch die Berner Allmenden stehen unter Druck. Der Fussballclub Young Boys wünscht schon länger zusätzliche Trainingsplätze auf der Grossen Allmend. Die Pläne zur Umgestaltung des Autobahnanschlusses Wankdorf sehen vor, einen Teil des Wäldchens auf dem Allmendhügel zu roden. Und die Investorin des Wankdorf Center, die Bank UBS, schlägt vor, unter der Grossen Allmend ein unterirdisches Parkhaus zu bauen.
Breite Mitwirkung – mit offenem Ausgang
Die Berner Stadtregierung macht nun eine Auslegeordnung. Sie will von Vereinen, Quartierorganisationen und der breiten Bevölkerung wissen, wie sie sich die Zukunft der grossen Freifläche vorstellen. «Wir haben die Chance, die verschiedenen Bedürfnisse anzuschauen und einen Kompromiss auszuhandeln», sagt Noémie Augustin, die bei Stadtgrün Bern für die Neuordnung der Allmenden zuständig ist.
Man muss ehrlich genug sein und sagen, dass nicht alle Interessen zu hundert Prozent miteinander vereinbar sind.
«Das ist herausfordernd», sagt Noémie Augustin. Man müsse ehrlich genug sein und sagen, dass nicht alle Interessen zu hundert Prozent miteinander vereinbar sind. «Aber es gibt Bedürfnisse, die sind besser miteinander zu vereinen, als ursprünglich gedacht.»
Doch keine exklusiven Felder für YB?
Als Beispiel nennt sie den Wunsch des Fussballclubs YB nach zusätzlichen Kunstrasenplätzen. «Am Anfang sind wir davon ausgegangen, dass die Trainingsplätze exklusiv sein müssen.» Nach Gesprächen mit dem Club und der Bevölkerung wisse man, dass die Trainingsplätze auch von Amateurvereinen genutzt werden können.
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Bild 1 von 8. Frühlingsmesse auf der Luzerner Allmend: Wie die Berner Allmend dient auch die Allmend in Luzern als Messegelände. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 2 von 8. Die sportliche Nutzung ist bei vielen Allmenden in der Schweiz wichtig. Hier die Leichtathletikanlage und das Fussballstadion in Luzern. Bildquelle: Keystone/Philipp Schmidli.
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Bild 3 von 8. Ein Teil der Luzerner Allmend ist heute auch ein Naturerlebnisgebiet. Bildquelle: ZVG/Luzern Tourismus, Franziska Kaufmann.
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Bild 4 von 8. Ursprünglich genossenschaftliches Weideland entwickelte sich die Allmend in Thun (BE) zu einem der wichtigsten Armee-Übungsplätze der Schweiz. Bildquelle: Keystone/Peter Schneider.
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Bild 5 von 8. Die Allmend Katzensee im Kanton Zürich wird derzeit renaturiert. Im 20. Jahrhundert wurde das Gebiet als Deponie für Bauschutt und Siedlungsabfälle genutzt. Bildquelle: Keystone/Michael Buholzer.
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Bild 6 von 8. Für den Bau der Autobahnen wurde zum Teil Allmendgebiet genutzt. Hier die Baustelle der damaligen N3 bei Brunau (ZH), aufgenommen am 1. Oktober 1968. Bildquelle: Keystone/Photopress-Archiv/Ghisleni.
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Bild 7 von 8. Heute ist die Allmend in Zürich ist auch ein beliebtes Naherholungsgebiet. Bildquelle: Keystone/Alexandra Wey.
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Bild 8 von 8. Das Openair Frauenfeld lockt im Sommer jeweils Zehntausende Menschen auf die Allmend in Frauenfeld (TG). Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
Fest steht: Der Druck auf die Allmenden ist gross. Nicht nur in Bern, sondern in der ganzen Schweiz. Als Freifläche seien Allmenden unbezahlbar, sagt Daniel Baur, Dozent für Landschaftsarchitektur an der Berner Fachhochschule. «Allmenden erlauben uns, dass wir Städte verdichten können – und sie sind ein Raum für Begegnungen.»
Allmenden gehören allen. Das heisst auch, die Nutzung muss verhandelt werden.
Was aber tun, wenn sich auf der Fläche, die eigentlich für die Allgemeinheit gedacht ist, zunehmend einzelne Interessen durchsetzen? «Es ist wichtig, alle Interessen gleich zu gewichten», so Baur. Dass also nicht der Profi-Fussballclub mehr Gewicht hat als die Spaziergängerin mit Hund. «Allmenden gehören allen. Das heisst auch, die Nutzung muss verhandelt werden.»
Wohl kein Pool, aber ...
Und was ist mit dem Wunsch von Santiago nach einem Pool auf der Allmend? Projektleiterin Noémie Augustin: «Unsere Aufgabe ist es, von diesen Wünschen den Kern zu abstrahieren. In diesem Fall ist das wohl der Wunsch nach Abkühlung auf der Allmend.»