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Bereit für die Energiewende Befragung zeigt: Windkraft-Ausbau ist breit akzeptiert

Eine repräsentative Umfrage aus St. Gallen zeigt, dass fast 80 Prozent der Befragten den Ausbau der Windenergie befürworten. Konkret ging es darum, ob am Stadtrand von St. Gallen Windräder gebaut werden sollen. SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann ordnet dieses Resultat ein.

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor

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Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

Wie interpretieren Sie die Windpark-Studie aus St. Gallen?

Das Resultat ist tatsächlich überraschend, wenn man sieht, wie schwer es Windkraftwerke im politischen Alltag bisher hatten. Zur Präzisierung: Gut 45 Prozent der Befragten sagten, sie würden zu einem solchen Windkraftwerk am Stadtrand von St. Gallen klar Ja sagen. Weitere 30 Prozent gaben an, sie würden eher Ja sagen. Auch andere Umfragen haben schon gezeigt, dass eine Mehrheit in der Schweiz Windkraft befürwortet. Die Minderheit, die dagegen ist, ist aber sehr engagiert und sehr emotional aktiviert, wie die Umfrage gezeigt hat. 

Gibt es Möglichkeiten, wie man diesem Widerstand begegnen könnte?

Die Forschenden zeigen einerseits auf, dass es darauf ankommt, wie die Windräder gebaut sind. Aus Holz und Metall sind sie den meisten viel sympathischer als Betonkonstruktionen. Und vielen ist wichtig, dass die Windräder aus Europa kommen. Zentral für die Akzeptanz ist laut der Studie und laut jenen, die Windkraftprojekte vorantreiben, andererseits auch, dass transparent informiert wird. Die lokale Bevölkerung soll möglichst früh eingebunden und der Mehrwert der Windkraft aufgezeigt werden. Der grosse Nachteil von Windrädern ist, dass sie weitherum sichtbar sind. Diesen Nachteil kann man nicht wegdiskutieren, aber man kann ihn mit entsprechenden Argumenten bei vielen aufwiegen.

Was spricht für den Ausbau der Windkraft?

Windkraft ist sauber, klimafreundlich, endlos, eben erneuerbar. Es windet immer wieder. Windenergie ist auch günstig und fällt komplementär zur Sonnenstromproduktion an. Im Sommer produzieren Windräder vergleichsweise wenig Strom. Im Winter, wenn die Schweiz zeitweise Strom importieren muss, produzieren Windkraftwerke mehr Strom. Es ist daher für die Energiewende in der Schweiz, insbesondere auch für den Ersatz der Kernkraftwerke, essenziell, dass die Schweiz auch Windstrom produziert. Bis 2050 sollte im Winter etwa 1/7 der Stromproduktion in der Schweiz von Windrädern kommen. Das wären rund 7 Terawattstunden. Das ist fast 40 Mal mehr als heute.

Wie steht die Schweizer Politik zum Windkraftausbau?

Bisher gab es wegen der schlechten Akzeptanz jahrelange Verfahren. Seit Anfang Monat gibt es auf Bundesebene nun ein beschleunigtes Verfahren. Von Planungsbeginn bis zur Umsetzung sollen nur noch fünf Jahre vergehen. Da gibt es nach wie vor grosse Unterschiede zwischen Kantonen und in den Gemeinden. Langsam wird eine gewisse Aufbruchstimmung spürbar, mehr Projekte kommen in die entscheidende Phase. Windkraft kann gerade auch für KMU interessant werden. Derzeit sind die Unsicherheiten um die Energiepreise gross. Industriebetriebe können sich mit der Beteiligung an Anlagen oder mit dem Kauf von Windstrom auf zwanzig Jahre hinaus Stabilität schaffen. Kommt dazu, dass auch in diesem Bereich die Technologie in den letzten Jahren immer besser und günstiger geworden ist. Es drängt sich der Vergleich mit der Solarkraft auf. Vor wenigen Jahren hätte wohl niemand gedacht, dass im Jahr 2026 15 Prozent des Schweizer Stroms aus Sonnenkraftwerken kommen. Es ist gut möglich, dass auch die Windenergie einen Boom erlebt.

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SRF 4 News, 27.4.2026, 16:45 Uhr ; 

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