Um den kommenden Generationen keine Umweltschäden zu überlassen, sollen erkannte Verschmutzungen oder Mängel behoben werden. Das heisst, sogenannte Altlasten werden so gut wie möglich saniert. Nun hat die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) eine Auswertung von zwanzig Prüfberichten gemacht, wie es um langfristige (Umwelt-)Projekte steht, für die der Bund verantwortlich ist. Dieser Bericht wurde am Donnerstag veröffentlicht. Er weist auf Defizite hin, die dem Team der Eidgenössischen Finanzverwaltung aufgefallen sind. In der Synthese sind auch die Prüfberichte aufgelistet, aus denen die EFK ihre Schlüsse zieht.
Der Datennebel
Eines dieser genannten Defizite ist der sogenannte Datennebel. SRF-Inlandredaktor Andreas Stüdli erklärt die Problematik anhand des Beispiels von PFAS so: «Der Bund erfasst nicht ausreichend systematisch, wo solch problematische Stoffe wie PFAS oder PCB in Boden, Luft, Wasser und im menschlichen Organismus vorkommen. Laut der Finanzkontrolle fehlt dadurch die datenbezogene Basis, um das verfassungsrechtlich verankerte Vorsorgeprinzip wirksam umzusetzen.»
Der Bund weiss also nicht, ob sich in Böden, alten Deponien und anderen Altlastenstandorten problematische Stoffe wie PFAS oder Gifte befinden. Auch die Auswirkungen von PFAS und Pestiziden auf den Körper untersucht der Bund nicht: Aus finanziellen Gründen wurde eine breit angelegte Gesundheitsstudie zu PFAS abgeblasen, wie im Herbst 2025 bekannt wurde. Weil der Bund die Übersicht nicht hat, kann er auch nicht adäquat auf die Herausforderungen reagieren.
Die Organisation und stategische Steuerung
Weiter bemängelt der Bericht die strategische Planung und die Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen. Die Finanzkontrolle stellt fest, dass sich die Bundesverwaltung oft auf Absichtserklärungen beschränkt und dass ein Umsetzungsplan fehlt. «Unklar blieb dadurch, was genau erreicht werden sollte, mit welchen Mitteln und bis wann», steht im Bericht. Dabei ist laut dem Bericht auch der Zeithorizont das Problem. Die Ansätze der Bundesverwaltung seien häufig zu wenig langfristig ausgerichtet.
Umsetzung und Aufsicht
Die Planung und Durchführung grosser Bundesvorhaben beanspruchen oft 15 bis 25 Jahre, bis sie umgesetzt sind. Die EFK stellt in ihrem Bericht fest, dass gewisse Sanierungsprojekte trotz geregelten Finanzen oft nicht richtig vorankamen. Es fehlt häufig an nationalen Vorgaben der Fortschrittskontrolle. Daraus entstehen Verzögerungen. Laut dem Bericht liegt die mittlere Verzögerung bei 42 Monaten, drei der untersuchten Beispiele haben 15 bis 25 Jahre Verspätung und eines steht vollständig still.
Kosten werden unterschätzt
Bei fast zwei Dritteln der Projekte hat die EFK zudem Mängel im Finanzmanagement festgestellt. Die Kostenschätzungen seien mehrmals intransparent oder unvollständig gewesen. In mehreren Fällen wurden gewisse Positionen nicht separat aufgeführt. Ein Problem war, dass die Kantone oder die Privaten verschiedene IT-Systeme nutzten, so konnte keine Übersicht der Kosten erstellt werden.
Silostrukturen als Bremsfaktor
Wenn Altlasten entsorgt werden sollen, braucht es dafür eine enge Abstimmung unter verschiedenen Akteuren wie Bund, Kantonen, Gemeinden oder Firmen. Manchmal fehlt aber eine übergeordnete Stelle, die den Überblick hat. Weil nur in Silostrukturen gedacht wird, blieben Aufgaben liegen.