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Beromünster LU Pestizid im Bach Wyna: Schwellenwert ist 4200 Mal zu hoch

Bei Beromünster gelangte hochgiftiges Insektizid in die Wyna. Jetzt reagiert der Kanton Luzern und nimmt die Landwirtschaftsbetriebe in die Pflicht.

Deltamethrin ist als Insektizid in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln enthalten, die im Rapsanbau verwendet werden. Es gilt als hochgiftig. Nun hat der Kanton Luzern den Stoff in sehr hoher Konzentration in der Wyna bei Beromünster festgestellt. Die «NZZ am Sonntag» hat über ein Schreiben an die örtlichen Landwirte berichtet.

Darin ist von «massiven Grenzwertüberschreitungen von Deltamethrin» die Rede. Bei Messungen zwischen dem 8. September und dem 8. Oktober 2025 seien sehr hohe Konzentrationen festgestellt worden.

Der höchste gemessene Wert habe 7.3 Nanogramm pro Liter betragen. Der Schadstoffgrenzwert, ab dem mit Risiken für Tiere und Pflanzen gerechnet werden muss, liegt laut dem Kanton Luzern bei 0.0017 Nanogramm pro Liter. Der Schwellenwert wurde also um das 4200-Fache überschritten.

Belastung stammt aus der Landwirtschaft

Die Behörden des Kantons Luzern bestätigen diese Werte auf Anfrage. Wie das Pestizid genau in die Wyna gelangt ist, sei unklar, sagt Manuel Kunz. Er befasst sich bei der Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern mit Oberflächengewässern.

Bach fliesst in einem Bachbett durch ein Dorf.
Legende: Die Wyna fliesst rund 32 Kilometer lang durch die Kantone Luzern und Aargau. Dabei passiert sie verschiedene Dörfer – im Bild Beromünster. SRF/Maria Schmidlin

Für den Einsatz von Deltamethrin im Rapsanbau braucht es eine Bewilligung. Im fraglichen Zeitraum hätten mehrere Betriebe über eine entsprechende Bewilligung verfügt. «Wir haben deshalb klare Hinweise, dass die Belastung aus der Landwirtschaft stammt», so Kunz. Von welchem Feld sie genau ausging, sei jedoch nicht feststellbar.

Deltathermin schädige Kleinkrebse und Insekten in den Gewässern bereits in geringen Konzentrationen. Für Säugetiere und den Menschen sei das Pestizid aber deutlich weniger gefährlich.

Vorfall hat Konsequenzen

Der Kanton Luzern hat nun einen runden Tisch einberufen. Daran sollen die Landwirtschaftsbetriebe im Einzugsgebiet der Wyna teilnehmen. Das ist eine Massnahme, die im Projekt «Absenkpfad Pflanzenschutzmittel Luzern» vorgesehen ist, wenn es zu Vorfällen mit Pflanzenschutzmitteln kommt.

Dieses Projekt, das 2023 gestartet ist, soll die Belastung der Gewässer verringern. Dazu werden in Zusammenarbeit mit Vertretern aus Landwirtschaft, Privatwirtschaft, Beratung, Umweltschutz und Behörden im Kanton Luzern Massnahmen diskutiert und umgesetzt.

Fluss im Kanton Aargau fliesst an Bäumen vorbei.
Legende: Im Kanton Aargau werden die Belastungen in den Fliessgewässern wie der Wyna konstant überprüft. Keystone/Gaetan Bally

Auch im Kanton Aargau wird die Sensibilisierung der Landwirtinnen und Landwirte vorangetrieben. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sie sich teilweise nicht bewusst sind, dass bereits geringe Konzentrationen von Deltamethrin grosse Auswirkungen auf Wasserorganismen haben können», sagt Martin Merki von der Abteilung Umwelt.

Der Kanton Aargau misst die Belastung der Fliessgewässer laufend. In der Wyna wurde im betreffenden Zeitraum ebenfalls eine Belastung durch Deltamethrin festgestellt – allerdings war der Messwert zehnmal geringer als im Nachbarkanton Luzern.

Regionaljournal Zentralschweiz, 13.1.2026, 12:03 Uhr ; 

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