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Berührungsängste bei E-Autos Carsharing-Genossenschaft Mobility braucht länger für den Umstieg

Weil Nutzerinnen und Nutzer E-Autos zu wenig nutzen, bietet Mobility Sensibilisierungstrainings an – SRF war dabei.

Der Carsharing-Anbieter Mobility will künftig nur noch Elektroautos anbieten. Doch viele Nutzer und Nutzerinnen buchen lieber einen Diesler oder Benziner, weil sie noch nie in einem E-Auto gesessen sind. Mit Sensibilisierungskursen will Mobility das ändern.

Ein solcher Kurs findet zum Beispiel in der Tiefgarage beim Bahnhof Basel statt. Freiwillige nehmen je eine Mobility-Nutzerin oder einen Nutzer in Empfang und zeigen ihnen ein Auto.

Rote Mobility-Elektroautos stehen in der Tiefgarage
Legende: Mehrere Autos und Freiwillige stehen bereit für kurze Sensibilisierungstrainings. SRF / Klaus Ammann

Fabian zum Beispiel zeigt Erika, wie sie das dicke Stromkabel hinten rechts am Auto ausstecken und in die Ladebox einhängen kann. Dann setzt sich Erika ans Steuer, Fabian erklärt vom Beifahrersitz aus: «Der grösste Unterschied zu einem fossil-betriebenen Auto ist, dass du den Motor nicht hörst.» Erika setzt den Fuss auf die Bremse und drückt den Startknopf. Dann fährt sie zügig aus der Garage und dreht eine Runde durchs Basler Gundeliquartier.

Zwei Personen in einem Auto mit Bildschirm im Vordergrund.
Legende: Erika übt mit «Instruktor» Fabian im E-Auto. SRF / Klaus Ammann

Fabian erklärt ihr die unterschiedlichen Anzeigen im Auto und dass der Elektromotor beim Bremsen Energie zurückgewinnt. Erika, die sich geschaltete Autos gewohnt ist, ertappt sich immer wieder beim Suchen der Kupplung.

Wie weit sie denn fahren könne mit so einem Auto und ob sie beispielsweise in Engelberg die Batterie wieder laden könne, will Erika wissen. Fabian zeigt ihr, wo sie die Reichweite ablesen kann und weiss, dass es auch in Engelberg Lademöglichkeiten gibt. Schliesslich endet die Fahrt wieder im zweiten Untergeschoss der Tiefgarage.

Berührungsängste abgebaut

Für Erika ist klar: «Von jetzt an miete ich Elektroautos. Wie's geht, erzähle ich nun meinem Mann, der selbst keine Zeit hatte, mitzukommen.» Nicht ganz so sicher ist sich eine andere Frau, die ebenfalls gerade aus einem roten Mobility-Auto ausgestiegen ist. «Gelohnt hat sich das Training aber auf jeden Fall. Elektroautos sind viel weniger kompliziert, als ich mir das vorgestellt habe.» meint sie. Nur die Anzeige hinter dem Steuerrad sei gewöhnungsbedürftig.

Rotes Elektroauto beim Ladevorgang an Ladestation.
Legende: Das «Tanken» ist anders beim E-Auto. Das grüne Lämpchen zeigt an, dass das Auto erfolgreich auflädt. SRF / Klaus Ammann

Einer, der den Betrieb in der Tiefgarage beobachtet, ist Dominik Mohr, Projektleiter Elektrifizierung bei Mobility. Er erklärt, warum er diese Sensibilisierungs-Trainings organisiert hat: «Wir haben das Bedürfnis erkannt, dass noch nicht alle Kundinnen und Kunden von Mobility bereit sind, den Wechsel auf die E-Mobilität mitzumachen.»

Es sei wichtig, den Kundinnen und Kunden neben dem digitalen Weg – etwa Video-Anleitungen – auch eine analoge Möglichkeit zu bieten, um E-Autos zu testen und Berührungsängste zu überwinden.

Mobility hat Ziele zurückgeschraubt

Diese Berührungsängste sind offensichtlich grösser, als die Verantwortlichen erwartet hatten. An Standorten, an denen Mobility vollständig auf Elektroautos umgestellt hat, ist der Umsatz teilweise um bis zu 20 Prozent eingebrochen.

Deshalb gibt es nun vielerorts nach wie vor beides: fossil und elektrisch betriebene Autos. Das ursprüngliche Ziel, bis 2030 nur noch E-Autos anzubieten, habe Mobility um fünf Jahre nach hinten verschoben, sagt Dominik Mohr. Aber auch dieses Ziel ist ehrgeizig. Aktuell sind erst 700 von 3200 Mobility-Autos elektrisch.

Zwar wird die Ladeinfrastruktur in der Schweiz immer besser, die Reichweite der Elektroautos immer grösser und deren Preise sinken. Damit sich die weniger klima- und umweltschädliche Form des Autofahrens in der Schweiz definitiv durchsetzt, müssen jedoch noch vielerorts auch Berührungsängste abgebaut werden – wohl nicht nur bei Mobility.

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Echo der Zeit, 3.5.2026, 18:00 Uhr; sche

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