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Besitzerwechsel bei Zeitungen Blocher verkauft Zeitungen – und verstärkt Medien-Engagement

Alt Bundesrat Christoph Blocher verkauft seine Zeitungshaus AG an die Interact Media Group (IMG), zu der unter anderem das Portal nau.ch gehört. Zugleich beteiligt sich Blocher neu an IMG. Die Hintergründe kennt SRF-Medienredaktor Salvador Atasoy.

Salvador Atasoy

Medienredaktor

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Salvador Atasoy arbeitet seit 2013 als Moderator und Redaktor für SRF 4 News und die SRF Medienredaktion – er verantwortet zudem den SRF Medientalk. Der Soziologe promovierte mit einer Arbeit zu journalistischer Qualität und war zuvor unter anderem für das ZDF, die «Sonntagszeitung» oder die «FAZ» tätig.

Wie ungewöhnlich ist dieser Deal?

Er wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich, weil er überraschend kommt. Schaut man sich die beiden Unternehmen genauer an, ist er aber durchaus nachvollziehbar: Die Zeitungshaus AG sucht seit Jahren nach einem tragfähigen Geschäftsmodell, während IMG wachsen will und dafür das entsprechende Kapital, das Know-how und die Reichweite mitbringt.

Was bringt es Blochers Robinvest?

Blochers Zeitungshaus AG, eine Tochter von Robinvest, stand wohl vor einer Grundsatzfrage. Das Geschäftsmodell der Gratiszeitungen funktioniert zwar in der Logik grundsätzlich ähnlich: Mit einer sehr kleinen Belegschaft werden regionale Titel produziert und Inserate verkauft. Wirklich rentabel ist dieses Geschäft aber schon seit Jahren nicht mehr. Nach den harten Sparrunden der vergangenen Jahre blieben nur begrenzte Optionen: weitere, vermutlich krasse Einschnitte, eine Teilfusion oder ein Verkauf. Mit dem Deal wird Robinvest das defizitäre Geschäft fürs Erste zumindest teilweise los, man überlässt die Lösung des Problems anderen und erhält im Gegenzug eine Beteiligung an IMG.

Was bringt der Deal IMG?

IMG hat etwas, was vielen im Verlagswesen heute fehlt, nämlich Geld. IMG hiess früher einmal Livesystems. Diese Firma erfand die LED-Werbescreens in Bussen und an Tankstellen und verkaufte sie vor ein paar Jahren für viel Geld an die Post. Nau ist quasi das Überbleibsel von IMG aus dieser Zeit – nämlich der Content-Lieferant für die Screens. IMG hat schon vergangenes Jahr das eine oder andere Portal gekauft, etwa eine Mehrheit an Travelnews. Damit zeigte IMG, dass sie wachsen will. Die Firma übernimmt jetzt zwar ein schwieriges, wahrscheinlich verlustträchtiges Geschäft, bekommt dafür aber ein grosses Titelportfolio und zusätzlichen Zugang zu regionaler Reichweite. Gleichzeitig betritt IMG damit ein äusserst anspruchsvolles Feld, weil das Zeitungsgeschäft auf Druck und Vertrieb beruht. Das ist Neuland für IMG, auch wenn man sich mit regionaler Werbevermarktung und Inserate-Akquisition aus den Livesystem-Zeiten gut auskennt.

Was bedeutet das für den Medienmarkt?

Was hier gerade passiert, erinnert stark an die Taktik von Christoph Blocher, die er 2013 schon bei der BaZ Medienholding angewandt hatte. Auch dort stieg er mit einer Minderheitsbeteiligung von 20 Prozent ein. Blochers Einfluss war schon bald bei der «Basler Zeitung» zu spüren, was für enorme Diskussionen sorgte. 2017 verkaufte Blocher die «Basler Zeitung» dann an Tamedia. Im Gegenzug erhielt er unter anderem das «Tagblatt der Stadt Zürich». 2018 wurde dann die Zeitungshaus AG daraus. Das Beispiel zeigt: Der neuste Deal Blochers ist nicht das Ende der Familie Blocher und Robinvest im Medienbusiness. Das ist womöglich viel eher der Anfang von etwas Neuem, Grösserem – mit offenem Ausgang.

SRF 4 News aktuell, 22.04.2026, 16:20 Uhr ; 

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