«Voll aufdrehen, genau», ruft Thomas Lang unter seinem Feuerwehrhelm. «Auch das Fahrzeug löschen.» Der Theologe gibt Anweisungen bei einer Feuerwehrübung in einem Autobahntunnel unter der Stadt Luzern.
Die Feuerwehr ist seit mehr als 20 Jahren ein Hobby von Thomas Lang. «Spannend ist, dass hier die unterschiedlichsten Menschen am gleichen Strick ziehen», sagt er. Sein Beruf war bisher ein anderer: Thomas Lang war Seelsorger, Pfarreileiter und Kirchenrat.
«Ich habe die Taufen, Gottesdienste, Hochzeiten oder Beerdigungen gerne gemacht. Das fällt nun nach fast 25 Jahren weg», bemerkt Thomas Lang mit etwas Wehmut. Zuletzt leitete er den Zusammenschluss aller neun Pfarreien der Stadt Luzern.
Die Führungserfahrung in der Kirche und die vielen Jahre bei der freiwilligen Feuerwehr kommen ihm bei seiner neuen Stelle zugute. Ab diesem Sommer ist der studierte Theologe der neue Feuerwehrkommandant der Stadt Luzern.
Brände löschen
Ein Bekannter habe eine interessante Bemerkung gemacht zu diesem Wechsel, erzählt Thomas Lang. «Ich komme von einer Organisation, in der es immer wieder brannte und gehe zu einer Organisation, die es nur gibt, weil es immer wieder brennt.»
Während seiner Zeit bei der katholischen Kirche geriet diese stark in die Negativschlagzeilen. Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs wurden laut. 2023 belegte eine Studie der Universität Zürich rund 1000 Fälle.
Thomas Lang setzte sich dafür ein, dass sich das Bild von der Kirche in der Stadt Luzern wieder besserte. Er etablierte Schulungen für alle Mitarbeitenden gegen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe.
Zudem engagierte er sich für die Frauenförderung und machte sich stark für die Einführung einer Bibelausgabe, die auch queere Christinnen und Christen ansprechen soll.
Ein authentisches Leben
Jeder Mensch soll sein eigenes Leben leben können, ist Thomas Lang überzeugt. «Es ist wichtig, dass wir authentisch leben.» Dieser Leitgedanke erklärt wohl auch seinen radikalen Berufswechsel.
Wobei er selbst eine deutliche Parallele sieht zwischen der Seelsorge und der Arbeit bei der Feuerwehr. Es gehe an beiden Orten um Nächstenliebe: «Wir sind da für Menschen, die es schwer haben.»
In der Kirche habe er Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleitet. Solche Momente wird es auch nach Bränden geben. «Ich hoffe, dass ich dann mit derselben Empathie agieren kann», sagt Thomas Lang nach der Feuerwehrübung. In etwas mehr als einem Monat tritt er seine neue Stelle an.