Mehr Arbeitslose mit Hochschulabschluss: Die Arbeitslosenquote unter den Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist in den letzten zwei Jahren gestiegen: Von 1.4 auf 2.2 Prozent. Sie ist jedoch nach wie vor tiefer als in der Gesamtbevölkerung, wo sie bei 2.9 Prozent liegt. Marco Salvi, bei der liberalen Denkfabrik Avenir Suisse zuständig für den Bereich Arbeitsmarkt, relativiert die Entwicklung: Die Arbeitslosigkeit steige generell, weil sich die Konjunktur abschwäche, Personen mit Hochschulabschluss seien lediglich etwas stärker betroffen. «Es findet eher eine Normalisierung statt», so Salvi. Er verweist darauf, dass die Arbeitslosigkeit bei Personen mit Hochschulabschluss früher sehr tief war.
In der Berufsbildung ist der Arbeitsmarkt enger verzahnt. Lehrstellen, die es nicht braucht, werden gar nicht erst ausgeschrieben.
Der Einfluss von KI: Kürzlich kam eine Studie des KOF-Instituts der ETH-Zürich zum Schluss, dass sich die Arbeitsmarktlage seit 2023 in Berufen, die stark von KI betroffen sind, schlechter entwickelt hat: In der Softwareentwicklung etwa oder bei Fachkräften in Werbung und Marketing. Gemäss Michael Siegenthaler, Leiter des Forschungsbereichs Schweizer Arbeitsmarkt am KOF, treffe KI derzeit eher akademische Berufe. Das heisse aber nicht, dass dies so bleibe: «Künftig dürfte es so sein, dass auch Roboter KI nutzen, damit wären auch manuelle Tätigkeiten, beispielsweise in der Produktion, der Technologie ausgesetzt.»
Allgemein mehr Studierte: Insgesamt ist die Anzahl Personen mit Hochschulbildung gestiegen. Vor allem auch durch die Expansion von Fachhochschulen Anfang der 2000er-Jahre. Doch auch in den letzten Jahren stieg die Anzahl Personen, die an einer Hochschule abgeschlossen haben, von 28.4 (im Jahr 2014) auf 34.6 Prozent (im Jahr 2024) der gleichaltrigen Wohnbevölkerung. «Man kann sich schon die Frage stellen, ob es vielleicht zu viele sind», sagt Patrick Chuard-Keller, Chefökonom beim Schweizerischen Arbeitgeberverband. Es sei zudem auch wichtig, Arbeitskräfte so auszubilden, dass sie auf dem Arbeitsmarkt gefragt seien, das gelinge in der Hochschulbildung nicht immer. «In der Berufsbildung hingegen ist der Arbeitsmarkt enger verzahnt. Lehrstellen, die es nicht braucht, werden gar nicht erst ausgeschrieben.»
Gesuchte Berufsleute: Eine exakte Zahl, wie viele Lehrstellen in der Schweiz aktuell unbesetzt sind, gibt es nicht, da Unternehmen keine Meldepflicht haben. Auf Anfrage teilt das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mit, dass gemäss einer Umfrage bis im August rund 87 Prozent der 87'300 angebotenen Lehrstellen besetzt werden konnten. «Das sind ähnlich viele wie zum gleichen Zeitpunkt in den Vorjahren», so SBFI-Sprecherin Tiziana Fantini. Auffällig ist, dass im Bauwesen jede vierte Lehrstelle unbesetzt bleibt.
Die Waadt ergreift Massnahmen: Gerade im Bauwesen braucht es also gut ausgebildetes Personal, auch im Kanton Waadt, wo aktuell sehr viele Infrastrukturbauten entstehen. Die Waadtländer Regierung warnte vor wenigen Tagen, dass im Kanton in zehn Jahren 50'000 Berufsleute fehlen: auf Baustellen, in Spitälern, aber auch in Industriebetrieben. Der Kanton hat darum Massnahmen ergriffen. Unter anderem wird er im Lausanner Vorort Crissier eine «Cité des Métiers» eröffnen. Das ist eine Art Berufsmesse im kleinen, wo es alle verfügbaren Informationen und Beratungen zu Berufen, Berufslehren und offene Stellen gibt.