Der Fall: Ein Mann aus dem Kanton Aargau hat bei einem Onlinehändler tausend A-Post-Briefmarken bestellt. Gekostet haben diese nur gerade 350 Franken. Nun hat der Mann statt Briefmarken Post der Staatsanwaltschaft erhalten: eine bedingte Geldstrafe von 8000 Franken, dazu eine Busse und Gebühren von knapp 2500 Franken.
Das Delikt: Der Kauf und Import von gefälschten Schweizer Briefmarken ist strafbar. Im konkreten Fall handle es sich um Warenfälschung, sagt Adrian Schuler, Mediensprecher der Aargauer Staatsanwaltschaft. Die «Schweizer» Briefmarken seien auf einer chinesischen Website gekauft worden, zu einem Drittel des eigentlichen Preises. «Die Staatsanwaltschaft stellt sich auf den Standpunkt, dass dem Kunden etwas hätte auffallen müssen, dass er sich Fragen hätte stellen müssen», erklärt Adrian Schuler.
Die Entdeckung: Aufgefallen sei die Lieferung mit den gefälschten Marken im Verteilzentrum, sagt Stefan Dauner, Mediensprecher der Post: «Wir nehmen das megaernst», betont Dauner. Sobald Fälschungen festgestellt würden, gebe es Absprachen mit dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit. Die Sendungen würden beschlagnahmt und es gebe eine Anzeige.
Kein Einzelfall: Allein im Kanton Aargau wurden letztes Jahr 16'000 Briefmarken beschlagnahmt. Derzeit sind 57 Verfahren hängig, 38 davon sind rechtskräftig. Die anderen dürften vor Gericht landen, heisst es bei der Staatsanwaltschaft. Die meisten Personen hätten 100 Briefmarken bestellt, jemand habe aber auch 2000 bestellt.
Die Handhabung: Die falschen Briefmarken beschäftigen die Behörden schweizweit. Im Kanton Bern etwa sind es 71 Fälle, die meisten Verfahren laufen noch. Im Kanton St. Gallen gab es 56 Fälle, im Kanton Solothurn 30 Fälle im Jahr 2025. Im Gegensatz zum Kanton Aargau wurden hier aber praktisch alle Verfahren eingestellt: «In sämtlichen Fällen gingen die Besteller und Bestellerinnen davon aus, dass sie echte Briefmarken kauften und keine Fälschungen», heisst es in einer Begründung der St. Galler Staatsanwaltschaft. Auch die Bundesanwaltschaft ermittelt, will derzeit aber keine weiteren Details nennen.
Der Schaden: Die Post kann den genauen Schaden durch gefälschte Briefmarken nicht beziffern. «Sie reissen aber ein Loch in die Kasse, da die Einnahmen für Transportdienstleistungen fehlen», betont Mediensprecher Stefan Dauner.