Der Naturpark Parc Ela gilt als Hotspot für diverse Wildbienenarten. Jetzt wurde das erste Mal die Senf-Blauschillersandbiene in einer grösseren Anzahl entdeckt.
Bislang war die Art in der Schweiz nur vereinzelt nachgewiesen worden, etwa im Churer Rheintal, in Bergün oder im Domleschg. Dieses Mal aber ist alles anders. «Sie flogen in Massen herum. Ich übertreibe nicht, es waren sicher 15 Weibchen auf einmal. Das ist wirklich eine Sensation», erzählt Regina Lenz, welche die Tiere entdeckt hat.
Auf der Roten Liste
Sie ist Bienenspezialistin und die stellvertretende Geschäftsleiterin des Parc Ela. Vor ein paar Wochen habe sie in Schmitten GR auf den Zug gewartet: «Es hatte dort grosse Kreuzblütler. Da habe ich hingeschaut. Ich dachte: ‹Hä? Was ist das? Das sieht komisch aus.›»
Kreuzblütler sind eine Pflanzenfamilie. Und dort, rund um die Pflanzen, summten schwarze Bienen mit einem blau-metallischen Schimmer: die Senf-Blauschillersandbiene.
Von einer Sensation spricht auch Christophe Praz, Wildbienenexperte bei Info Fauna, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Fauna. Die Senf-Blauschillersandbiene steht in der Schweiz auf der Roten Liste und gilt als stark gefährdet. «In der Westschweiz wurde sie in den letzten 10 bis 20 Jahren lediglich vier- bis fünfmal gefunden – jeweils nur als einzelnes Tier», sagt Praz.
Klimaerwärmung und die Arbeit für Lebensräume
Besonders erfreulich sei, dass die neue Population dort entdeckt wurde, wo gezielt Blütenpflanzen für Wildbienen angesät worden seien. Nach Einschätzung von Praz handelt es sich um das grösste bekannte Vorkommen der Art seit Jahren.
Dass seltene Arten neu in der Schweiz vorkommen, habe einerseits mit der Klimaerwärmung zu tun. Und andererseits: «Die Ausbreitung einer Art ist nur möglich, wenn geeignete und hochwertige Lebensräume vorhanden sind», sagt Christophe Praz. Im Parc Ela beispielsweise laufe momentan sehr viel. «Die Ergebnisse sind deutlich sichtbar.»
Ein romanischer Name?
So können seltene und bedrohte Arten wieder stabile Populationen bilden, einige Arten von der Roten Liste kehren zurück. Woher die Population der Senf-Blauschillersandbiene im Parc Ela stammt, ist unklar. Möglich, dass sie vom Churer Rheintal dem Hinterrhein entlang eingewandert sei. «Doch das bleibt Spekulation», sagt Wildbienenexperte Christophe Praz von Info Fauna.
Das Team des Parc Ela will nun dafür sorgen, dass sich die Senf-Blauschillersandbiene weiter verbreiten kann. Es soll an gewissen Orten mehr Pflanzen geben, welche die Bienen mögen. Regina Lenz macht sich auf die Suche nach Nestern. Ausserdem wird die Bevölkerung informiert, denn die Biene soll einen offiziellen romanischen Namen bekommen: «Mit einem romanischen Namen würde man einen weiteren Zugang zur Bevölkerung finden», sagt Lenz.
Die Senf-Blauschillersandbiene wäre nicht die erste Bienenart, die einen romanischen Namen erhalten würde, weil ihre Heimat der Parc Ela ist. Dass sich gleich mehrere seltene Arten dort wohlfühlen, habe mit der Vielfalt im Naturpark zu tun, sagt Regina Lenz: «Der Park ist von der Topografie her interessant. Es hat Täler, Bergwälder, ziemlich viele Trockenwiesen und Weiden – also viele verschiedene Lebensräume.»
Lebensräume, die immer wieder für überraschende Entdeckungen gut sind. Wie jene der Senf-Blauschillersandbiene.