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Blick ins PTT-Archiv Was historische Telefonbücher über die Schweiz erzählen

1880 wird in der Schweiz das erste Telefonbuch gedruckt, es enthält 99 Einträge. In den darauffolgenden Jahrzehnten entwickelt sich das Telefon zum Massenmedium und die Telefonbücher werden immer dicker.

Mit dem Aufkommen von Internet und Handy verschwindet das Interesse am Telefonbuch. 2022 wird das letzte Exemplar in der Schweiz gedruckt, seither befinden sich die historischen Telefonbücher im PTT-Archiv in Köniz bei Bern. Aus ihnen lassen sich spannende Informationen herauslesen, wie diese fünf konkreten Beispiele zeigen.

1. Die Adresse von Albert Einstein

Der berühmte Wissenschaftler stand wie ein ganz normaler Bürger im Telefonbuch – in der Zürcher Ausgabe aus dem Jahr 1930. Vermerkt ist die Adresse Huttenstrasse 62 in Zürich, wo Albert Einstein mit seiner ersten Frau Milena Marić gewohnt hat. Übrigens: Auf dem Dachboden dieses Hauses hat 1948 ein junger Student zufällig Einsteins Doktoratsurkunde von der Universität Zürich entdeckt.

Ausschnitt aus einem gedruckten Adressbuch mit hervorgehobenen Adressen.
Legende: Die Adresse von Albert Einstein im Zürcher Telefonbuch aus dem Jahr 1930. ZVG/PTT-Archiv

2. Die erste Journalistin im Telefonbuch

Der erste Eintrag mit dem Beruf «Journalistin» war jener von Ilse Hohl. Er stammt aus dem Berner Telefonbuch aus dem Jahr 1909. Ilse Hohl arbeitete ab ihrem 18. Lebensjahr als Sekretärin für ihren als Bundeshausreporter tätigen Vater. Nach dessen Tod verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Journalistin. Während 60 Jahren berichtete Ilse Hohl als Bundeshauskorrespondentin für die «Appenzeller Zeitung» aus Bern.

Seite eines alten Telefonbuchs mit hervorgehobenem Eintrag.
Legende: Ilse Hohl berichtete als Bundeshauskorrespondentin für die «Appenzeller Zeitung». ZVG/PTT-Archiv

3. Das Verschwinden der Kutscher

Die zunehmende Motorisierung der (Post-)Kutschbetriebe führte in den Zwischenkriegsjahren zu einer rasanten Abnahme der Pferdehalterinnen und Pferdehalter. Das zeigt das Beispiel des Bergdorfs Pontresina am Berninapass. Der Eintrag im Telefonbuch aus dem Jahr 1938 führt zwei Fuhrhalter bzw. Lohnkutschereien auf: Mathis Chr. und Platz Ch. Im Telefonbucheintrag von 1945 ist ersichtlich, dass einer der beiden mit «Kohle-Vertretung» einen Nebenverdienst aufbaut, fünf Jahre später kommt der Zusatz «Transporte» dazu. Im Jahr 1963 gibt es zu den beiden Herren keinen Eintrag mehr.

4. Immigration von italienischen Gastarbeitern

In den Telefonbüchern spiegelt sich auch die Migrationsgeschichte der Schweiz. So sind im Telefonbuch von Winterthur aus dem Jahr 1969 zahlreiche italienische Nachnamen zu finden. Möglicherweise handelt es sich dabei um Arbeiter, die auf dem nahen Sulzer-Areal oder bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) gearbeitet haben. Bislang gab es aber keine systematische Forschung zu diesem Thema, schreibt das PTT-Archiv auf Anfrage. Weiterführende Forschungen in diese Richtung wären aber anhand der Telefonbücher möglich und spannend.

Ausschnitt aus einem alten Telefonbuch mit Namen und Telefonnummern in Spalten.
Legende: An der Hegifeldstrasse und im Tössfeld-Quartier in Winterthur gab es Baracken für italienische Gastarbeiter. ZVG/PTT-Archiv

5. Fitnesscenter als neues gesellschaftliches Phänomen

Telefonbücher zeigen auch gesellschaftliche Entwicklungen auf, etwa das Aufkommen von Fitnesszentren. Im Jahr 1981 gab es in Bern lediglich zwei Einträge unter diesem Begriff. Im Jahr 1995/96 waren es bereits deutlich mehr.

Eigene Recherchen in den historischen Telefonbüchern sind im PTT-Archiv möglich. Entweder vor Ort im PTT-Archiv in Köniz bei Bern (Anmeldung nötig) oder online, denn ein grosser Teil der Telefonbücher ist mittlerweile digitalisiert.

Wenn aus Telefonbüchern Kunst wird

Box aufklappen Box zuklappen
Zwei bedruckte Papierzettel mit handgezeichneten Skizzen und Notizen.
Legende: Künstlerinnen haben sich mit historischen Telefonbüchern auseinandergesetzt. ZVG/Wikimedia CH

Der Verein Wikimedia CH und das PTT-Archiv haben für ein Kunstprojekt zusammengespannt und Künstlerinnen ins Archiv eingeladen. Als Basis für das Kunstprojekt dienten historische Telefonbücher.

Entstanden sind mehrere Kunstwerke, darunter Zeichnungen, Skizzen, Toninstallationen und ein Videoprojekt. Die Werke sind auf der Plattform Wikimedia Commons frei zugänglich.

«Das Kunstprojekt soll neue Perspektiven auf scheinbar alltägliche Quellen ermöglichen», sagt Heike Bazak, die Leiterin des PTT-Archivs. Und es soll dazu animieren, dass sich auch andere Menschen mit Archivquellen befassen.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 1.6.2026, 17:30 Uhr ; 

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