Der Ärger in Zürich war gross. Als der Aargau im Dezember bekannt gab, dass er den Kulturlastenvertrag auf Ende 2027 kündigt, folgte prompt eine geharnischte Reaktion der Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr. «Es kann doch nicht sein, dass der Kanton Aargau aus dem nationalen Finanzausgleich jährlich mehr als 600 Millionen Franken bezieht, sich umgekehrt aber drückt, wenn er selbst solidarisch sein soll und zahlungspflichtig ist.»
Der Aargau als unsolidarischer Trittbrettfahrer? Das sieht die dortige Kantonsregierung freilich anders. Sie findet, der Kulturlastenvertrag mit Zürich und Luzern sei unfair. Die Kantone des Kulturlastenausgleichs zahlen zwar an Zürich und Luzern, aber sie haben keine Möglichkeit, auf die dortige Kulturpolitik Einfluss zu nehmen.
Zu viel Hochkultur, zu wenig Populäres
Von den Abgeltungen würden ausserdem lediglich Kulturinstitutionen profitieren, die der Hochkultur zuzurechnen seien. Gleichzeitig habe der Kanton Aargau sein eigenes Kulturangebot in den letzten Jahren stark ausgebaut – davon profitierten ebenfalls zahlreiche ausserkantonale Besucherinnen und Besucher.
Ausserdem wolle der Aargau nicht nichts mehr an die Kantone Zürich oder Luzern für deren Kulturangebot bezahlen, aber er plane, dazu bilaterale Verträge abzuschliessen.
Ein Bouquet vor einem Bild zieht beim Publikum
Ein Beispiel für dieses Aargauer Kulturangebot ist «Blumen für die Kunst». Diese Ausstellung findet diese Woche im Aargauer Kunsthaus in Aarau statt. Das Konzept ist simpel: Floristinnen und Floristen wählen ein Bild aus dem Kunsthaus Aargau und kreieren dazu ein eigenes passendes Blumenbouquet oder ein Gesteck mit anderen Pflanzen.
Heuer findet «Blumen für die Kunst» bereits zum 12. Mal statt. Und bis jetzt war jede Ausgabe erfolgreicher als ihre Vorgängerin. Letztes Jahr kamen an sechs Tagen rund 18'000 Besucherinnen und Besucher nach Aarau, auch für dieses Jahr wurden bereits 14'000 Tickets verkauft.
Man kann also durchaus von einem Ansturm auf diesen Aargauer Kulturanlass sprechen. Und dies in einer Zeit, in der am Zürcher Schauspielhaus Vorstellungen abgesagt werden müssen, weil nicht genug Tickets verkauft werden.
Silja Burch arbeitet als Kulturvermittlerin im Aargauer Kunsthaus. Aus ihrer Sicht sind die Floristinnen und Floristen, die in diesen Tagen mit dem Kulturhaus zusammenarbeiten, wie Türöffner, die die Menschen quasi einladen, ins Museum zu kommen. «Durch den vergleichenden Blick mit dem Kunstwerk und den Blumen dazu finden einige einen eigenen Zugang zur Kunst.» Dank der Blumen gelinge es, den Zugang zur Kultur zu vereinfachen.
Ein Drittel aller Besucher kommt in dieser Woche
Jede Kulturinstitution müsse sich kritisch hinterfragen, sagt Silja Burch. «Wir können die Kunst nicht mehr für uns selbst machen.» Vielmehr müsse man sich fragen, für wen ein Projekt spannend sein könnte. «Wir überlegen uns, welche Zielgruppe welche Ausstellungsthemen spannend finden könnte. Uns ist es ein Anliegen, eine Vielfalt von Zielgruppen anzusprechen.»
Doch: Bei keinem anderen Projekt gelingt dies so gut wie bei «Blumen für die Kunst». Rund ein Drittel aller Eintritte des ganzen Jahres wurden 2025 damit verkauft.