Thomas Rubi arbeitet als Serviceleiter in Mettmenstetten ZH. Er betritt erst zum zweiten Mal den Schiesskeller des Waffengeschäfts «Thoron» in Steinen. Nachdem er seinen Waffenerwerbsschein beantragt hat, testet er verschiedene Pistolen vor einem möglichen Kauf.
Für ihn steht dabei der Sport im Vordergrund. «Für mich ist es der Sport. Zu schiessen, sich eine Handfertigkeit anzueignen und darin immer besser zu werden», erklärt Rubi.
Nur wenige Schritte vom Schiesskeller des Waffengeschäfts kann man im Verkaufsraum Dutzende von Pistolen und Gewehren kaufen. Simon Meier, Geschäftsführer von «Thoron», hat das Unternehmen vor knapp vier Jahren eröffnet und beobachtet seither eine stetig wachsende Nachfrage nach Waffen.
Deutschschweizer Kantone bestätigen diesen Trend auf Anfrage: Im Vergleich zum Vorjahr gab es im Jahr 2025 eine Zunahme von 10 bis 30 Prozent bei den ausgestellten Waffenerwerbsscheinen. Ein genannter Grund ist das Bedürfnis, sich in Zeiten von Krisen sicherer zu fühlen.
Die Kunden entdecken die Freude am Schiesssport und vergessen dann das Sicherheitsbedürfnis.
Auch Simon Meier kann diesen Trend aus eigener Erfahrung bestätigen: «Ja, dieses Bedürfnis nach Sicherheit, das erleben wir.» Er fügt jedoch hinzu, dass sich dieses Motiv oft wandelt, sobald die Kunden mit dem Sport beginnen: «Wobei es, sobald man mit dem Sport beginnt, einen häufigen Sinneswandel gibt: Die Kunden entdecken die Freude am Schiesssport generell und vergessen dann das Sicherheitsbedürfnis.»
Tatsächlich kommt eine repräsentative Studie der ZHAW zu dem Schluss, dass der Grossteil der Waffenbesitzenden diese für sportliche Zwecke nutzen.
Behörden sehen die Entwicklung gelassen
Karin Kayser-Frutschi, Präsidentin der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen (KKJPD), sagt: Die unsichere Weltlage sei mit ein Grund für die anhaltende Zunahme. Die Waffenkäufe seien jedoch kein Grund zur Sorge.
«Entscheidend ist nicht die Anzahl der Bewilligungen», sagt Kayser-Frutschi. Vielmehr sei es wichtig zu wissen, wer unter welchen Voraussetzungen zu einer Waffe gelangt und wo diese Waffe eingesetzt würde. Sie ist überzeugt, dass dies «zurzeit, mit einer konsequenten Umsetzung des Waffenrechts» gewährleistet werden kann.
Verantwortungsvoller Umgang als Prämisse
Auch für Neuschütze Thomas Rubi ist der verantwortungsvolle Umgang mit der Waffe von zentraler Bedeutung. «Ich habe einen sehr, sehr gesunden Respekt vor der Waffe. Muss man auch haben, finde ich. Es braucht einen gewissen Fokus dazu», erklärt er. Thomas Rubi ist sich sicher, dass er künftig oft im Schiesskeller anzutreffen sein wird.