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Bordell in Kleinbasel Lärm, Dreck, Kriminalität: Anwohnende fühlen sich alleingelassen

Im Kleinbasel sorgt ein Lokal für Diskussionen: Anwohnende berichten von Lärm, Konflikten und möglicher Ausbeutung. Polizei und Behörden verweisen auf laufende Ermittlungen. Eine Petition aus dem Quartier soll nun Bewegung in die Sache bringen.

Offiziell sei es eine Pizzeria und eine Bar, doch alle in der Strasse wüssten, dass hier nicht nur Pizzas und Bier verkauft werde, sondern Sex. Das sagt eine Anwohnerin im Kleinbasel, die anonym bleiben will: «Man sieht, wie die Frauen mit den Freiern das Treppenhaus hinaufgehen und man sieht sie in ihrer Arbeitskleidung auf den Balkonen.»

Wir beobachten regelmässig dubiose Szenen mit sehr jungen Frauen.
Autor: Anwohnerin Kleinbasel

Regelmässig werde es laut bis in die frühen Morgenstunden. Auf den Fenstersimsen liege Abfall und es gebe Gewaltexzesse auf der Strasse. Sie habe ausserdem Hinweise darauf, dass die Frauen nicht freiwillig als Sexarbeiterinnen tätig seien. «Wir beobachten regelmässig dubiose Szenen mit sehr jungen Frauen, bei denen ich mich frage, ob die ihre Rechte kennen», sagt die Anwohnerin.

Polizei kann nichts ausrichten

Rufe sie die Polizei an – was mehrmals pro Woche vorkomme –, komme diese zwar vorbei, könne aber auch nicht viel ausrichten. Zwar hat die Basler Polizei den Kampf gegen Menschenhandel schon vor mehreren Jahren als Schwerpunkt definiert, doch die Kriminalpolizei habe nur 150 Stellenprozente für den Bereich Menschenhandel, moniert EVP-Grossrat Christoph Hochuli: «Das ist viel zu wenig.»

Frau durchsucht rote Geldbörse.
Legende: Prostitution ist in der Schweiz nicht illegal, doch das Sexgewerbe ist besonders anfällig für ausbeuterische Machenschaften. Keystone/Michael Buholzer (gestellte Szene)

Ermittlungen wegen Menschenhandel seien besonders aufwendig, sagt Hochuli, selbst Polizist: «Man muss zu den möglichen Opfern Vertrauen aufbauen, damit diese überhaupt aussagen. Das braucht Zeit.» In Zürich arbeiteten 13 Personen im Fachdienst Menschenhandel und es gebe eine Stelle, bei der sich Opfer melden können, aber auch Leute, die etwas Verdächtiges beobachtet haben.

Menschenhandel ist ein besonders schweres Delikt. Man muss unbedingt besser hinschauen.
Autor: Christoph Hochuli EVP-Grossrat

Hochuli fordert deshalb in einem politischen Vorstoss mehr Ressourcen, damit es mehr Ermittlungen und damit auch mehr Anklagen gebe. «Menschenhandel ist ein besonders schweres Delikt. Da muss man unbedingt besser hinschauen, einerseits um die Täter zu bestrafen, aber auch, um die Opfer zu schützen.»

Behörden bestätigen Razzia im Lokal

Das zuständige Justiz- und Sicherheitsdepartement äussert sich zum vorliegenden Vorstoss nicht. Sicherheitsdirektorin Stephanie Eymann bestätigt aber, dass es in dem Lokal an der Sperrstrasse vor eineinhalb Jahren eine Razzia gegeben habe. Dabei seien sechs Personen festgenommen worden wegen möglicher Verstösse gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz, aber auch wegen Verdacht auf Menschenhandel und Förderung von Prostitution.

Ermittlungen gegen Menschenhandel

Box aufklappen Box zuklappen

Menschenhandel ist ein Offizialdelikt, die Polizei fängt also an zu ermitteln, sobald sie Kenntnis hat von einer möglichen Straftat. Allerdings sind solche Ermittlungen oft sehr kompliziert, weil die Opfer in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den mutmasslichen Tätern stehen. Dazu kommt, dass viele mögliche Opfer keine Aufenthaltsbewilligung besitzen und deshalb nichts mit der Polizei zu tun haben wollen.

Die Verfahren dazu seien hängig und solange es kein Urteil gebe, gelte die Unschuldsvermutung. «Solche Verfahren dauern lange, weil die Polizei Vertrauen schaffen muss zu den Opfern», sagt Sicherheitsdirektorin Eymann. «Die Polizei nimmt Menschenhandel sehr ernst, es ist ein gravierendes Delikt.»

Die Betreiber der Bar äussern sich gegenüber SRF nicht. Ob sie eine Bewilligung für das Sexgewerbe haben, ist unklar, die zuständige Stelle beim Kanton kann sich auf Anfrage nicht zu Einzelfällen äussern.

Anwohnende versuchen es nun mit Petition

Die Anwohnerin fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. «Wir fühlen uns von den verschiedenen Ämtern hin- und hergeschoben. Wir haben schon Lärmklagen eingereicht, aber es nützt alles nichts.» Sie hat deshalb gemeinsam mit anderen Anwohnerinnen und Anwohnern eine Petition gestartet und der Sicherheitsdirektorin Stephanie Eymann einen offenen Brief überreicht. Der Zuspruch aus dem Quartier für die Petition sei enorm.

Regionaljournal Baselland/Basel-Stadt, 4.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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