Eine Woche ist vergangen seit dem Brand in Crans-Montana. 40 Menschen starben. 116 wurden verletzt. Die Gemeinde räumt ein, dass die ausgebrannte Bar letztmals 2019 kontrolliert wurde. Nun nimmt im Wallis die Debatte um strengere Brandschutzkontrollen Fahrt auf. Die SP Oberwallis fordert die Einführung einer kantonalen Gebäudeversicherung und damit einen professionelleren Brandschutz. Die Walliser SP-Kantonsrätin Silvia Eyer reichte dazu bereits im Sommer 2025 ein Postulat ein. Der «Club» hat sie interviewt.
SRF: Hätte die Brandkatastrophe verhindert werden können?
Silvia Eyer: Das ist immer schwer zu sagen. Es ist jetzt wichtig, was wir im Nachhinein daraus machen. Es braucht eine lückenlose und transparente Aufklärung. Anhand dieser Erkenntnisse müssen wir neue Massnahmen definieren und eine Verbesserung der Situation hinkriegen.
Sie fordern eine kantonale Gebäudeversicherung. Wären die Brandschutzkontrollen in Crans-Montana so besser gewesen?
Ja. Die SP im Wallis hat das in den letzten 45 Jahren öfters gefordert und es hat im Grossen Rat nie eine Mehrheit gefunden. Wir hoffen, dass unser Vorstoss nun in der Märzsession behandelt wird. Eine kantonale obligatorische Gebäudeversicherung ist solidarisch getragen, sie ist nicht gewinnorientiert und daher günstiger. Betreffend Brandschutz würde sie zu einer einheitlichen Regelung im Kanton führen. Die Gebäudeversicherungen würden eine professionelle Kontrolle der Brandschutzmassnahmen durchführen. Eine obligatorische Gebäudeversicherung legt auch mehr Wert auf die Förderung der Prävention – im Gegensatz zu den privaten Anbietern. So könnten wir auch die Gemeinden entlasten. Ich sage nicht, dass alle Gemeinden damit überfordert sind, aber es gibt Gemeinden, die zu wenig Ressourcen haben.
Es gibt zwar strenge Brandschutzregeln im Wallis. Doch bei der Umsetzung gibt es offensichtlich Probleme. Was kann die Politik machen?
Ja, wir haben strenge Vorschriften. Aber es gibt einfach Gemeinden, die mit der Umsetzung überfordert sind. Genau hier würde die kantonale obligatorische Gebäudeversicherung Abhilfe schaffen.
Dürfen die Brandschutzkontrollen noch in der Hand der Gemeinden bleiben?
Nein, in meinen Augen eben nicht, und das zeigt das Beispiel von Crans-Montana nochmal. Das Lokal ist 2019 das letzte Mal kontrolliert worden und das auch noch nach dem Umbau, bei dem die fraglichen Materialien eingebaut wurden. Offensichtlich sind hier Fehler passiert. Wie jetzt die Gemeinde mit dieser Situation umgeht, finde ich auch sehr schwierig. Im Moment müsste man für seine Fehler einstehen und Verantwortung übernehmen und sich nicht als Opfer darstellen.
Wie schwierig ist es im Wallis, Kritik an den Behörden zu äussern?
Das fällt mir ehrlich gesagt nicht leicht. Ich bin selbst auch Gemeinderätin. Ich weiss, wie es da läuft. Die gewählten Gemeinderäte und Gemeinderätinnen sind oft keine Fachpersonen. Wir müssen uns auf die Fachpersonen verlassen, die in oder mit der Gemeinde zusammenarbeiten. In meiner Gemeinde, Naters, funktioniert das in den meisten Fällen gut.
Sind Kontrollen innerhalb einer Gemeinde, wo sich alle kennen, ein Problem? Braucht es mehr Distanz?
Das wäre definitiv die bessere Variante. Eine ausgelagerte Behörde würde das machen oder ein Fachmann, der einfach auch vielmehr davon versteht. Das wäre schon ein Fortschritt. Trotzdem finden wir von der SP aber, dass die kantonale obligatorische Gebäudeversicherung die beste Lösung wäre.
Das Gespräch führte Fabrizio Bonolini.