Wenn in der Stadt Luzern das Martinshorn eines Feuerwehrautos ertönt, ist es gut möglich, dass es dann Richtung Kapellbrücke geht. Zurzeit werden bei der Kapellbrücke ausserordentlich viele Feueralarme ausgelöst; fast ein Dutzend nur schon im Juni, einmal sogar zweimal in derselben Nacht. Darüber hat die Luzerner Zeitung zuerst berichtet.
Die Übeltäterin: die Brückenkreuzspinne. Sie ist auf der historischen Holzbrücke zu Hause, ist nachtaktiv, sehr gesellig und baut ihr Netz gern neben Lichtquellen und vorzugsweise offenbar auch bei Brandmeldern.
«Wir stellen immer wieder fest, dass Spinnen in den Brandmeldern drin sind und so den Alarm auslösen», sagt der Luzerner Feuerwehrkommandant Thomas Lang. Die kleinen, achtbeinigen Viecher sind wohl wegen der hohen Temperaturen aktiver als sonst und durchbrechen mit ihren Netzen den Lichtstrahl im Rauchmelder. Und der nimmt dann an, dass Rauch entstanden sei.
-
Bild 1 von 2. Überall sind Brandmelder montiert, um die Kapellbrücke vor einem erneuten Brand zu schützen. Bildquelle: SRF/Tuuli Stalder.
-
Bild 2 von 2. Unscheinbar, aber hochsensibel: Einer der Brandmelder auf der Kapellbrücke, der auch bei den Spinnen beliebt ist. Bildquelle: SRF/Tuuli Stalder.
Die Brücke werde zwar regelmässig von den Spinnen befreit – doch sei das reine Sisyphusarbeit: Kaum seien sie weg, seien sie wieder da.
Bestgeschütztes Kulturdenkmal von Luzern
Insgesamt gibt es 37 Rauchmelder auf dem Luzerner Wahrzeichen. Dazu Kameras und ein Kabel, welches Wärme misst. Dass die Feuerwehrleute wegen der Spinnen vermehrt vergeblich ausrücken, mache nichts, sagt der Feuerwehrkommandant. Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig, sei die Devise.
Prägend für diese Einstellung ist ein Ereignis, das sich ins kollektive Gedächtnis der Stadt Luzern eingeprägt hat: der Brand der Kapellbrücke von 1993. So auch bei Thomas Lang. Er selbst war damals zwar noch nicht Feuerwehrmann, aber viele seiner Kollegen haben den Brand erlebt. Sie hätten damals ungläubig gesehen, wie schnell und wie weit sich das Feuer schon ausgebreitet hatte.
Wie präsent die Erinnerung ist, beweist auch ein verkohlter Giebelbogen der Kapellbrücke, der an der Wand der Feuerwache hängt, direkt neben den Löschfahrzeugen.
Wir nehmen keinen Alarm auf die leichte Schulter.
Dass die Brandmelder auf die kleinste Rauchentwicklung reagierten, sei gut, sagt Thomas Lang. Dass sie dabei so sensibel seien und sogar auf Spinnenfäden reagierten – das sei das geringere Übel: «Wir nehmen keinen Alarm auf die leichte Schulter. Man muss sich immer bewusst sein: Es kann ein Täuschungsalarm sein, aber es kann auch ein Entstehungsbrand sein.»
1993 war wahrscheinlich eine Zigarette der Grund, warum das berühmte Luzerner Wahrzeichen niedergebrannt ist. Damals war die Brücke noch nicht genügend geschützt. Erst nach dem Brand wurden umfangreiche Sicherheitsmassnahmen ergriffen.