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Brandkatastrophe im Wallis Crans-Montana: Opfer-Mütter kämpfen um Gerechtigkeit

Die beiden Opfer-Mütter Laetitia Brodard und Leila Micheloud wollen Antworten nach dem Desaster von Crans-Montana. Im «Club» fordern sie die kommunalen und kantonalen Behörden auf, Verantwortung zu übernehmen. Und erzählen über über den Schmerz und die Bewältigung der Brandkatastrophe.

Laetitia Brodard-Sitre verlor ihren 16-jährigen Sohn Arthur bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS. Begraben ist Arthur im waadtländischen Lutry. Die Mutter braucht die Nähe zum Grab ihren Sohnes. «Ich kann zurzeit nicht weit von seinem Grab entfernt schlafen», sagt sie im «Club». Laetitia Brodard-Sitre ist es ein Anliegen, öffentlich über das Drama zu sprechen. Sie hat ein Verein der Opferfamilien gegründet. «Im Namen der Opfer und Schwerverletzten, wollen wir wissen, was genau geschehen ist», sagt sie.

Meissa (18) und Farah (20), die beiden Töchter von Leila Micheloud, überlebten das Feuer im «Le Constellation» mit schweren Verbrennungen. Sie werden heute in Kliniken in Sion und Morges gepflegt. Meissa sei beim Desaster immer bei Bewusstsein gewesen, sagt ihre Mutter. «Sie hat alles gesehen. Sie hat gesehen, wie Menschen sterben. Sie selbst lag am Boden und über ihr waren Menschen, die verstorben sind», sagt Leila Micheloud im «Club».

Die ältere Tochter Farah sei schwerer verletzt worden. «Farah hatte eine Hauttransplantation, 35 Prozent Verbrennungen. Sie ist am rechten Arm, am Rücken vollkommen transplantiert. Man hat auch am rechten Oberschenkel und am rechten Gesäss Transplantationen vornehmen müssen.» Das sei für ein junges Mädchen schwer. Sie werde mit diesen Narben leben müssen, sagt Mutter Leila.

«Wir wollen Antworten»

Micheloud und Brodard-Sitre fordern Antworten von den Behörden. «Wir wollen Wahrheit und Gerechtigkeit», sagen sie. «Wir Eltern wollen Gerechtigkeit.» Auch Leila Micheloud hat einen Opferverein gegründet. Sie fordert, die zuständigen Stellen von Gemeinde und Kanton auf, Verantwortung zu übernehmen. Jeder müsse seine Verantwortung übernehmen, sagt sie.

Die beiden Opfer-Mütter kritisieren vehement, dass im «Le Constellation» von 2020 bis 2025 keine Brandschutzkontrollen stattgefunden haben, wie die Gemeinde selbst eingeräumt hat. Nach Walliser Recht hätte «Le Constellation» jährlich kontrolliert werden müssen. Warum das Lokal nicht kontrolliert wurde, ist Gegenstand der laufenden Untersuchung. Laetitia Brodard-Sitre, Mutter des verstorbenen Arthur, kann nicht verstehen, wie die Kontrollen so lange ausbleiben konnten.

«Man sagt, das Leben geht weiter»

Beim Brand in Crans-Montana sind am 1. Januar 41 Menschen gestorben. 115 wurden zum Teil schwer verletzt. Laetitia Brodard-Sitre versucht, langsam wieder ins Leben zurückzufinden. Einfach ist es nicht. «Man sagt, das Leben geht weiter», sagt sie. «Aber für uns hat es am 1. Januar aufgehört.» Sie versuche stark zu sein. «Weil ich nicht allein bin. Weil ich einen 12-jährigen Sohn habe. Weil ich weiss, dass er mich braucht.»

Frau in Winterjacke hält Smartphone mit Bild hoch.
Legende: Laetitia Brodard-Sitre suchte mehrere Tage nach ihrem 16-jährigen Sohn Arthur, bis sie die traurige Gewissheit hatte, dass er beim Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana ums Leben kam. (2. Januar 2026) REUTERS/Noemie Olive

Leila Micheloud sagt: «Zuhause ist nicht mehr zuhause. Das ist ein Ort. Wenn ich reinkomme und die zwei geschlossenen Zimmer meiner Töchter sehe, dann habe ich Angst. Dann frage ich mich, kommen Sie jetzt zurück?» Sie habe aber wieder angefangen, die Zimmer der beiden Töchter zu putzen. «Denn ich hätte gern, dass sie nach Hause zurückkehren. Aber das ist jetzt noch nicht der Fall», sagt die Mutter von Farah und Meissa.

Club, 10.02.2026, 22:25 Uhr

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