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Braunwald als Freiluftmuseum Ein Dorf zeigt das Werk eines Weltfotografen

Ställe werden zu Galerien, das ehemalige Schulhaus zum Begegnungsort: Mit der Ausstellung «Berg Kind Welt» verwandelt sich Braunwald in ein Freiluftmuseum. Ein ganzes Dorf macht mit, um das Werk des Fotografen Emil Brunner 30 Jahre nach dessen Tod neu erlebbar zu machen.

Von der Arktis bis in die Sahara: Der Glarner Emil Brunner fotografierte die Welt. Während des Zweiten Weltkriegs hielt er das Leben von über 1500 Bergkindern fest. Nun wird sein Werk dreissig Jahre nach seinem Tod erstmals umfassend in seiner Heimat gezeigt und bewegt ein ganzes Dorf zum Mitmachen.

Schwarzweiss-Foto eines Mädchens auf einer Tafel vor felsigem Hintergrund.
Legende: «Die Ausstellung bespielt das ganze Dorf», sagt Bettina Tamò, Kulturbeauftragte und Produktionsleiterin von BSINTI Kultur Braunwald. SRF

Nicht eine Galerie steht im Zentrum der Ausstellung, sondern Braunwald selbst. Entlang von Spazierwegen begegnen Besucherinnen und Besucher mehr als 60 Kinderporträts aus den Jahren 1943 und 1944. Weitere Fotografien sind in Ställen oder im alten Schulhaus zu sehen. So wird das Bergdorf für mehrere Monate zum begehbaren Museum.

Die Menschen schauen uns an und konfrontieren uns mit unserem eigenen Leben.
Autor: Fridolin Walcher Kurator

Die Aufnahmen zeigen Kinder aus einfachen Verhältnissen und erzählen vom harten Leben in den Bergen während der Kriegsjahre. Für Kurator Fridolin Walcher liegt ihre Kraft bis heute in ihrer Unmittelbarkeit: «Die Menschen schauen uns an und konfrontieren uns auch mit unserem eigenen Leben.»

Ein Fotoposter auf einer hölzernen Tafel entlang eines Weges mit Gebäuden im Hintergrund.
Legende: Wo heute Wandernde unterwegs sind, erinnern Brunners Fotografien an den Alltag der Bergkinder während der Kriegsjahre. SRF

Dass die Ausstellung weit über die üblichen Grenzen eines Museums hinausgeht, zeigt die breite Unterstützung im Dorf. «Die Ausstellung bespielt das ganze Dorf. Alle haben mitgemacht: die Liegenschaftsbesitzer, die Bauern, die Gewerbler und die Ferienhausbesitzer. Wir wurden von Anfang an unterstützt», sagt Bettina Tamò, Kulturbeauftragte und Produktionsleiterin von BSINTI Kultur Braunwald.

Holzhütte auf einer grünen Wiese neben einem Wald mit einer Fahne daneben.
Legende: Eine Fahne weist auf die Ausstellung «Berg Kind Welt» hin. Die Schau verteilt sich auf verschiedene Orte in Braunwald. SRF

Sechs Ställe wurden vorübergehend zu kleinen Galerien umfunktioniert. Einer der Mitwirkenden ist Köbi Streiff. Er hat seinen Schuppen ausgeräumt, während seine Tiere den Sommer auf der Alp verbringen. «Ich finde es eine gute Sache, dass man sieht, wie nahe Reichtum und Armut beieinanderliegen», sagt er in seinem Stall gegenüber SRF.

Landwirt Köbi Streiff berühren die Bilder, weil sie zeigen, wie stark sich das Leben in den Bergen verändert hat. Viele der porträtierten Kinder seien in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen und hätten kaum Möglichkeiten gehabt. «Viele hätten wohl gerne einen Beruf erlernt, konnten aber nicht», sagt er.

Ich finde es eine gute Sache, dass man sieht, wie nahe Reichtum und Armut beieinanderliegen.
Autor: Köbi Streiff Landwirt und Mitwirkender

Die Ausstellung weckt bei Streiff auch persönliche Erinnerungen. «Für mich war Emil Brunner etwas kurios. Ich habe als Kind lieber einen Bogen um ihn gemacht, weil er so ernst geschaut hat. Ich dachte immer, das sei so ein Schönwetterfotograf», erzählt Bauer Streiff.

Schwarz-weiss-Fotografien von Kindern hängen in einem alten, rustikalen Raum.
Legende: Kinderporträts aus den Kriegsjahren: Die Fotografien von Emil Brunner werden unter anderem in sechs umgenutzten Braunwalder Ställen gezeigt. SRF

Heute staunt Köbi Streiff über die Werke Brunners. «Ich bin kein Weltenvogel.» Dafür kenne er jeden Winkel seines Dorfs Braunwald, und sei dieser noch so abgelegen. Diese Bilder zeigten eindrücklich, wie hart das Leben vieler Kinder während der Kriegsjahre gewesen sei. «Ich wünsche mir, dass Braunwald mit dieser Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher anlocken und faszinieren kann.»

Berglandschaft mit schmalem Weg und Fototafel im Vordergrund.
Legende: Die grossformatigen Bilder sind Teil einer «erwanderbaren» Ausstellung, die Braunwald zum Freilichtmuseum macht. SRF

Die Ausstellung lässt auch Zeitzeuginnen und -zeugen zu Wort kommen. Sie erzählen von Armut und Entbehrungen in den Kriegsjahren. So erinnert sich eine Mutter: «Ich weiss einfach nicht mehr, was ich kochen soll. In Gottes Namen, ich weiss es nicht, es ist nichts da.»

Ein Dorf für Emil Brunner

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Ein grosses Holzschild mit einem schwarz-weissen Foto und Text steht neben einem ländlichen Weg und Gebäuden, umgeben von Bäumen und Wiesen.
Legende: Fotografien auch entlang der Spazierwege SRF

Noch bis zum 18. Oktober zeigt das Bergdorf Braunwald die Ausstellung «Berg Kind Welt». Dreissig Jahre nach seinem Tod wird das fotografische Gesamtwerk von Emil Brunner erstmals umfassend in seinem Heimatkanton Glarus präsentiert.

Die Ausstellung verbindet Brunners internationale Reportagefotografie mit seinen Kinderporträts aus den Jahren 1943 und 1944. Während des Zweiten Weltkriegs, als die Grenzen geschlossen waren, fotografierte er über 1500 Bergkinder. Die Bilder machen nun das ganze Dorf zum Ausstellungsraum.

Zu sehen sind Fotografien im BSINTI-Ausstellungsraum, entlang der Spazierwege, in sechs temporär umgenutzten Ställen sowie im ehemaligen Schulhaus von Braunwald. Bild- und Hörstationen vertiefen die Geschichten hinter den Aufnahmen.

Kuratiert wird «Berg Kind Welt» vom Glarner Fotografen Fridolin Walcher. Träger der Ausstellung sind BSINTI Kultur Braunwald und die Fotostiftung Schweiz.

Mit «Berg Kind Welt» kehrt Emil Brunners Werk zurück an den Ort, der viele seiner Bilder geprägt hat. Braunwald würdigt damit nicht nur einen bedeutenden Fotografen, sondern auch die Bergfamilien, deren Alltag er dokumentierte.

Tagesschau, 4.7.2025, 19:30 Uhr ; 

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