Zwölf Monate nachdem der Bundesrat in einem Bericht erstmals bestätigte, dass in der Schweiz chinesische Agenten und Spitzel aktiv sind, sind viele tibetische und uigurische Aktivistinnen und Aktivisten ernüchtert: Seit der Veröffentlichung des Berichts sei zu wenig passiert, um ihnen zu helfen.
In dem Bericht hatte die Landesregierung festgestellt, dass Peking mithilfe von Agenten und Spitzeln versuche, die Angehörigen der tibetischen und uigurischen Diaspora in der Schweiz einzuschüchtern.
Fotografiert wird mit der Intention, dass man eingeschüchtert wird
Viele in der Schweiz lebende Uiguren und Tibeter hatten bereits Begegnungen mit chinesischen Spitzeln. Beobachtet werden vor allem politische Aktivistinnen und Aktivisten wie der 31-jährige Zürcher Jurist Arya Amipa, Co-Präsident des Vereins «Tibeter Jugend in Europa».
Das könne sein, wenn man bei öffentlichen Demonstrationen gefilmt werde. «Fotografiert wird mit der Intention, dass man eingeschüchtert wird», erklärt Amipa. Das sei nur ein Beispiel von vielen. Andere seien Drohanrufe oder dass man beim Spazieren verfolgt werde, erzählt der 31-Jährige.
Druck auf Verwandte in China
Besonders belastend sei es, wenn Familienangehörige, die noch in Tibet leben, von chinesischen Sicherheitsbehörden bedroht werden. Dieser Druck soll dazu führen, dass sich in der Schweiz lebende Tibeterinnen und Tibeter mit Kritik an der chinesischen Regierung zurückhalten.
«Aber nichtsdestotrotz ist die Arbeit noch nicht gemacht mit einem Bericht. Jetzt müssen die Massnahmen ergriffen werden», betont Amipa.
Jetzt müssten Schlussfolgerungen gezogen werden und dies sei der nächste Schritt, auf den sie warteten. Dies sei die Intention dieser ganzen Arbeit gewesen, so der Jurist.
Druck auf die Behörden von Bund und Kantonen
Tibetische und uigurische Vereine versuchen, zusammen mit der Menschenrechtsorganisation «Voices» (Früher Gesellschaft für bedrohte Völker) Druck zu machen. In einer öffentlichen Erklärung fordern sie, dass die Behörden von Bund, Kantonen und Gemeinden besser für die Problematik von chinesischer Repression in der Schweiz sensibilisiert werden. Das sei dringend nötig.
Arya Amipa beschreibt die Problematik so: «Wenn wir jetzt beispielsweise zur Polizei gehen und sie verstehen die Problematik nicht, wird sich eine betroffene Person beim nächsten Vorfall vielleicht zwei Mal überlegen, ob sie zur Polizei gehen soll.»
Schulungen sollen demnächst beginnen
Auf Anfrage von SRF erklärt das Eidgenössische Justiz und Polizeidepartement, dass der Sicherheitsverbund Schweiz demnächst damit beginnen werde, die Behörden auf den verschiedenen Stufen in dieser Thematik zu schulen.
Zudem teilt das Aussendepartement mit, man habe im Rahmen des Menschenrechtsdialogs mit China die repressiven Massnahmen gegen Personen in der Schweiz angesprochen. Tibetische und uigurische Organisationen wünschen sich aber, dass die Schweiz noch entschiedenere Massnahmen in diese Richtung unternimmt.