Ob im persönlichen Umfeld oder in der Politik: Der Generationengraben sorgt für Zündstoff. Während für die Einen «früher alles besser war», rollen die Anderen die Augen. Der «Club» hat eine künstliche Intelligenz gefragt: Was sind die typischen Klischees über Boomer, Gen Z und Co.? Darüber debattieren Gäste aus verschiedenen Generationen:
Gen Z: «Die Mental-Health-Generation»
Faul, arbeitsscheu, ständig am Handy: So sieht die KI die Generation Z (1997-2012). Magdalena Erni (22), Co-Präsidentin der Jungen Grünen, kann damit wenig anfangen. Sie ist besorgt um ihre Generation: «Bis zu einem Fünftel der 18- bis 25-Jährigen haben Anzeichen mittel- bis schwerer Depressionen. Das macht mir grosse Sorgen, weil die jungen Jahre prägend sind für die berufliche Perspektive.»
Für Psychologin Julia Onken ist klar, dass die aktuelle Weltlage gerade für junge Menschen sehr belastend sei. Depressive Verstimmungen seien eine Reaktion darauf. Daniel Schwab vom Schweizerischen Verband für Seniorenfragen ist allerdings der Meinung, dass man heute sehr schnell von «psychisch krank» spreche und dies auch etwas überbewerte. «Ich frage mich, weshalb ihr euch so stressen lasst», sagt Schwab. Als einen Grund für den Stress nennt Erni die ständige Erreichbarkeit.
Politologe Michael Hermann, der auch zum Generationengraben forscht, sagt dazu: Früher habe der technologische Fortschritt ein besseres Leben versprochen. Das sei heute nicht mehr der Fall: «Für die jüngere Generation ist Technologie vielfach mit Stress verbunden», Stichwort Soziale Medien. Auch Jonas Lüthy (23), Präsident der Jungfreisinnigen nimmt die Gen Z als gestresst wahr. Man dürfe allerdings nicht vergessen, dass «die heutige Generation auch das Privileg hat, in einem sehr wohlhabenden Land aufzuwachsen».
Baby-Boomer: «Die Nostalgischen»
Nostalgisch, wohlstandsgeprägt, karriereorientiert: Gemäss Vorurteilen ging es der Babyboomer-Generation (1946-1964) wohl wunderbar.
Daniel Schwab (72) sagt zwar nicht, dass früher alles besser war, aber: «Ich glaube, ich bin zur besten Zeit geboren.» Klar, auch seine Generation habe Krisen und Kriege erlebt, aber man sei nicht ständig im Internet damit konfrontiert worden. Geprägt vom wirtschaftlichen Aufschwung sei er in einer Zeit aufgewachsen, «in der alles möglich war».
Gemäss Hermann hat sich diese Wahrnehmung deutlich verändert. Früher hätten jüngere Generationen ihre Chance auf eine gute Zukunft besser eingeschätzt als noch die ihrer Eltern. «In den 80er-Jahren gab es hier einen Kipppunkt», sagt Hermann. Seither glauben die jüngeren Generationen nicht mehr, dass ihre Zukunft besser sein wird, als die ihrer Eltern. Ein weiteres Vorurteil, gegen das sich Schwab wehrt: Seine Generation verstehe die Digitalisierung nicht. «Oft heisst es: Wenn du Twint hättest, könntest du bezahlen.» Schwabs Antwort: «Ich habe Twint.»
Silent Generation: «Die Unpolitischen»
Still, unpolitisch, gehorsam: Die Silent Generation (1928-1945) gilt als typische Nachkriegs-Generation. Kann Julia Onken (83) damit etwas anfangen? «Überhaupt nicht», sagt die Psychologin. «Wir sind doch die Generation, die die 68er-Revolution vorbereitet hat. Wir sind auf die Barrikaden gegangen gegen Autoritäten und haben alles angezweifelt.»
Julia Onken, die ihr Leben lang für Frauenrechte gekämpft hat, würde ihre Generation heute so beschreiben: «Es gibt die einen, die nur noch Schwäne füttern. Aber es gibt auch andere, die noch aktiv sind, die noch mitdenken und mitgestalten.»