Es gibt sie noch, die historischen Fassaden, hinter deren Fenstern es über Jahre dunkel blieb, und die knarrenden Dielen, die unter Staubschichten verstummten. Doch es regt sich Widerstand gegen den Verfall von alten Hotels.
Für Ernst Wyrsch, Präsident von Hotellerie Suisse Graubünden, zeigt diese Entwicklung, «dass an den Tourismus von Graubünden geglaubt wird.» Es gebe immer wieder Interessenten mit viel Geld, die von einer Zukunft überzeugt seien. Dieser Trend zur Zuversicht macht sich im ganzen Kanton bemerkbar.
Das Kurhaus Bergün
1906 als stolzes Grandhotel eröffnet, fand es nie so recht den Schwung, den man sich erhofft hatte. Über Jahrzehnte diente das Haus als einfache Familienherberge.
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Bild 1 von 2. Das Kurhaus Bergün nahm 1906 seinen Betrieb auf und kämpfte von Anfang an um seine Existenz. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 2. Seit 2009 ist das Kurhaus Bergün Mitglied bei den «Swiss Historic Hotels», quasi den Perlen der Schweizer Hotelgeschichte. Bildquelle: SRF.
Die Menschen, die das Haus am meisten liebten – die Stammgäste –, nahmen das Schicksal des Hotels in die Hand. Heute tragen 880 Aktionärinnen und Aktionäre das Kurhaus Bergün. 13.5 Millionen Franken sind bisher investiert worden.
Christof Steiner führt das Hotel gemeinsam mit seiner Frau. Er erklärt, dass das Haus auf der einen Seite immer noch Grandhotel sei, auf der anderen Seite aber die Funktion einer Familienherberge behalten habe, wie es während 50 Jahren der Fall war. Zudem habe man sich als Eventlokal etabliert.
Die Zimmer sind bewusst einfach gehalten und verfügen teilweise über Verbindungstüren, um sie flexibel als Ferienwohnungen für Familien nutzen zu können.
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Bild 1 von 4. Dank der Verbindungstür (rechts) lassen sich die Zimmer bei Bedarf wie eine eigene Ferienwohnung nutzen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Das Kurhaus Bergün setzt auf Details, die den historischen Charme bewahren ... Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. ... und ist vor allem bei Familien beliebt. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Seit 17 Jahren führt Christof Steiner mit seiner Frau das Hotel. Bildquelle: SRF.
Das Hotel Scaletta in S-chanf
Ein weiteres Kapitel wird im Oberengadin geschrieben. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 16. Jahrhundert wird derzeit für rund 14.5 Millionen Franken saniert. Wo früher die Musikszene und das Dorf zusammenkamen, soll ab dem Winter 2027 wieder Leben einkehren.
Stiftungsratspräsident Herbert Schmid betont: «Hier entsteht kein Luxushotel, sondern ein Hotel im mittleren Preissegment, das zur Wiederbelebung des Dorfs S-chanf beitragen soll.» Die Bauarbeiten halten dabei immer wieder positive Überraschungen bereit, wie etwa einen historischen Fischgratparkett, der unter mehreren Bodenbelagsschichten zum Vorschein kam.
Gemäss Johannes Flurin, Architekt und Bauberater der Denkmalpflege Graubünden, steht der Respekt vor der historischen Bausubstanz an erster Stelle: «Das, was noch original da ist, sollte wenn möglich erhalten bleiben oder ergänzt werden.»
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Bild 1 von 3. Ziel ist es, das Hotel Scaletta gegen Ende 2027 mit 36 Zimmern zu eröffnen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Betrieben werden soll das Hotel im Oberengadin von der Reka (Schweizerische Reisekasse). Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Von den Gesamtkosten in Höhe von 14.5 Millionen Franken fehlen aktuell noch 500’000. Bildquelle: SRF.
Das Hotel Chalavaina im Val Müstair
Im Münstertal nahe an der italienischen Grenze setzt das 1254 eröffnete Hotel Chalavaina auf Gäste, die sich für Geschichte, Architektur und Design interessieren. Seit seiner Gründung vor über 750 Jahren musste sich das Haus immer wieder neu erfinden.
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Bild 1 von 4. Eine Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, den Charakter des Hauses zu erhalten. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Einst war das Hotel Chalavaina als Herberge bekannt. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Das jahrhundertalte Mauerwerk trifft auf zeitgemässen Komfort – wie zum Beispiel eine Kaffeemaschine. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Eine Wendeltreppe aus Holz führt in die oberen Etagen. Bildquelle: SRF.
Das Posthotel Löwe in Mulegns
Auch am Julierpass wurde ein verlottertes Hotel durch eine Kulturstiftung gerettet. Wo früher Reisende mit ihren Kutschen Halt machten, nächtigen heute vor allem Gäste nach Kulturveranstaltungen.
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Bild 1 von 3. Die Kulturstiftung Origen hat das Hotel Löwe vor dem Zerfall bewahrt. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Ein edler Parkettboden ziert den Saal. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Die goldenen Aufschriften «Turin» und «Paris» deuten auf ein Hotel mit internationalem Flair hin. Bildquelle: SRF.