Wenn eine Lehrperson krank wird, braucht die Schule sofort eine Person, die einspringen und den Unterricht übernehmen kann. Weil es schnell gehen muss, haben sich in Basel Lehrpersonen und Schulsekretariate in einem Whatsapp-Chat organisiert. Lanciert hatten diesen angehende Lehrpersonen, um sich so unkompliziert Jobs zu angeln.
Das hat ein wenig Wildwest-Charakter.
«Das hat ein wenig Wildwest-Charakter», sagt ein Primarlehrer, der seinen Namen nicht öffentlich nennen mag. «Die Schule schreibt, wir suchen jemanden, und dann können sich Leute einfach melden. Es ist kein geregeltes System.» Das sei zwar effizient, aber improvisiert.
Shitstorm nach Geldforderung
Als der private Administrator kürzlich die Spielregeln ändern wollte, verärgerte er damit Lehrerinnen und Lehrer: Für die Administration der Whatsapp-Gruppe hätten alle Nutzenden neu je zehn Franken bezahlen sollen. Nach einen Shitstorm nahm er die Forderung zurück.
Geblieben sind jedoch die Bedenken an diesem Vertretungs-Chat, auch bei Jean-Michel Héritier, dem Präsidenten der Freiwilligen Schulsynode, dem Berufsverband der Basler Lehrpersonen. Eine Qualitätsprüfung fehle, sagt er. Man wisse nicht, ob die Person, die einspringe, qualifiziert sei für eine Stellvertretung. «Das kann die Schulleitung manchmal erst prüfen, wenn die Person schon vor der Klasse steht.»
Auch die baselstädtische Datenschutzbeauftragte, Danielle Kaufmann, übt Kritik. Es sei nicht zulässig, dass hunderte Chat-Mitglieder wüssten, in welcher Schule wie viele Lehrkräfte ausfielen: «Man weiss dann, wer allenfalls krank ist.»
Für Kaufmann und Héritier ist klar, dass es bessere Lösungen braucht. Héritier wünscht sich vom Erziehungsdepartement (ED) eine eigene Plattform, die sicher ist – bestenfalls eine kantonale IT-Lösung.
Beim ED heisst es aber, für Stellvertretungen seien die jeweiligen Schulen und Schulleitungen verantwortlich. Sie müssten auch prüfen, wer vor der Klasse steht. Das ED betreibe und unterstütze jedenfalls keine solchen Chats.
Man muss genau hinschauen, welche Lehrerinnen und Lehrer man unterrichten lässt.
Damit mache sich das ED die Sache zu einfach, kritisiert Kaufmann. Der Kanton könne die Verantwortung rund um den Datenschutz nicht einfach an die Schulen delegieren.
Immer mehr kranke Lehrpersonen
Héritier warnt zudem, dass der Handlungsbedarf dringender werde, weil Lehrpersonen zunehmend auf dem Zahnfleisch liefen. Seit Jahren stiegen die Krankheitszahlen. «Weil dieser Trend nicht gebrochen werden kann, brauchen wir genügend Personal – und präventive Schritte.» Mit zunehmenden Ausfällen steige auch der Bedarf für einen Vertretungs-Chat.
Anders als Basel-Stadt hat der Nachbarkanton Baselland eine offizielle Stellenbörse auf der Sekundarstufe. Und diese funktioniere gut, so der Lehrerverband. Dennoch gebe es daneben auch private Chats.
Diese privaten Chats ärgern SP-Landrätin und Kindergärtnerin Miriam Locher. «Man muss genau hinschauen, welche Lehrerinnen und Lehrer man unterrichten lässt.» Mit privaten Whatsapp-Gruppen sei das nicht gleich gut möglich, wie bei einer kantonalen Vermittlung. Darum will sie einen Vorstoss im Kantonsparlament einreichen.
Die Baselbieter Bildungsdirektion wusste nichts von solchen Chats, bis sie von SRF darauf aufmerksam gemacht wurde. Die Schulleitungen würden die Vertretungen gewiss genügend kontrollieren, hiess es auf Anfrage. Der Baselbieter Datenschützer hält Whatsapp-Jobbörsen allerdings für nicht ideal.