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Debatte um Zürcher Kino Corso Geplantes Corso-Aus weckt Widerstand

Die Stadt Zürich will das Corso-Haus sanieren, danach wäre das berühmte Kino Geschichte. Dagegen regt sich Widerstand.

Es ist eines der grössten, ältesten und wohl auch bekanntesten Kinos in Zürich: das Kino Corso am Bellevue, gleich vis-à-vis vom Sechseläutenplatz. Während des Zurich Film Festivals war das Kino Corso einer der wichtigsten und zentralsten Schauplätze – Filmstars wie Sharon Stone, Russell Crowe oder Liam Hemsworth gaben sich dort persönlich die Ehre.

Liam Hemsworth, australischer Schauspieler, winkt von der Bühne des Corso aus ins Publikum
Legende: Der australische Schauspieler Liam Hemsworth erhielt 2011 im Corso den «Golden Eye Award». Keystone/Claudio Thoma

Doch die Tage der Kinosäle sollen im Corso gezählt sein. Die Stadt als Eigentümerin will das Haus ab 2029 sanieren und als sogenanntes Eventhaus wiedereröffnen. Für Kinosäle hätte es danach keinen Platz mehr. Den Vertrag mit der Kinobetreiberin Blue Cinema hat die Stadt gekündigt. «Einvernehmlich», wie ein Sprecher betont. Dagegen gibt es nun breiten Widerstand aus Politik und Bevölkerung.

Geschichte des Corso

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Aufführung einer Tanzschule im Corso 1945
Legende: Im Corso wurde früher getanzt: Hier die Aufführung einer Tanzschule 1945 Keystone/PHOTOPRESS-ARCHIV

Das Haus am Bellevue wurde um 1900 erbaut. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Unterhaltungsbetrieb mit Tanz, Theater und Varieté. Bereits 1916 zog mit dem «Mascotte» einer der heute ältesten und bekanntesten Clubs der Schweiz dort ein. Ab 1947 wurde das Corso zum Kino umfunktioniert. Der Kinosaal 1 ist mit über 700 Plätzen der grösste in der Deutschschweiz. Unter dem Dach des Corso wohnte ausserdem jahrzehntelang der berühmte österreichische Musiker und Entertainer Udo Jürgens.

Protest von links bis rechts

Die FDP der Stadt Zürich etwa will den Entscheid der Stadtregierung nicht einfach hinnehmen und hat juristische Schritte eingeleitet. FDP-Gemeinderat Flurin Capaul begründet dies mit dem Vorgehen der Regierung. Diese habe das Aus des Kinos in Eigenregie beschlossen, ohne das Parlament zu fragen.

«Wir wollen, dass dies vom Stadtparlament besprochen und nicht einfach vom Stadtrat im Hinterkämmerchen durchgedrückt wird.» Die FDP will deshalb mit einem sogenannten Stimmrechtsrekurs beim Bezirksrat prüfen lassen, ob der Entscheid der Stadtregierung politisch breiter abgestützt werden muss.

Der Stadtrat kann das nicht im Hinterkämmerchen beschliessen.
Autor: Flurin Capaul Zürcher Gemeinderat FDP

Auch von linker Seite regt sich Widerstand: AL-Politiker Micha Schiwow hat online eine Petition lanciert, die den Erhalt des Kinos fordert. Darin wird die Stadt aufgefordert, sich zu einer «lebendigen Kinokultur zu bekennen, indem sie im Corso nach der notwendigen Instandsetzung eine permanente und publikumsgerechte Nutzung als Kino ermöglicht». Die Petition wurde bereits von über 2000 Personen unterschrieben.

Zukünftiges Eventhaus wirft Fragen auf

Überrascht vom Entscheid des Stadtrats ist auch der grüne Gemeinderat Urs Riklin, der sich politisch mit der Kulturpolitik in Zürich befasst: «Ich glaube, viele Menschen, die sich mit der Kultur- und Kinolandschaft in Zürich auseinandersetzen, sind über diese Vertragsauflösung mit der Blue Cinema überrascht.» Die Menschen würden jetzt gerne konkret wissen, welche Pläne der Stadtrat mit dem zukünftigen Eventhaus hege.

Die Fassade des Corso-Hauses am Sechseläutenplatz in Zürich
Legende: Im Jahr 1900 wurde das Corso als Varieté-Theater eröffnet, seit 1947 ist es ein Kino. Keystone/Michael Thoma

Die Idee für ein Eventhaus sei zusammen mit Experten aus der Branche entwickelt worden, sagt ein Sprecher der Stadt. Näheres führt er nicht aus. Nur so viel: Geplant sei ein Haus mit Live-Darbietungen für ein breites Publikum. Dafür solle jetzt ein massgeschneidertes Konzept entwickelt werden. Berücksichtigt würden dabei das heute im Haus ansässige Restaurant und der Club Mascotte.

«Hiobsbotschaft» für das Zürich Film Festival

Nicht berücksichtigt wird im neuen Konzept das Zurich Film Festival. Obwohl das Kino Corso für den Festivalbetrieb zentral sei, sagt ZFF-Chef Christian Jungen: «Das ist eine Hiobsbotschaft.»

Diese Plätze nicht mehr zu haben, ist ein Riesenverlust.
Autor: Christian Jungen Direktor Zürich Film Festival

Das Kino Corso sei seit der ersten Durchführung im Jahr 2005 Heim-Spielstätte des Festivals. Der grösste Saal habe über 700 Plätze. Diese nicht mehr zu haben, sei ein Riesenverlust. «Das Kino hat ja offensichtlich rentiert.» Auch für Jungen wirft der Entscheid der Stadt viele Fragen auf. Er erhofft sich nun durch die Intervention aus der Politik mehr Antworten und – im besten Fall – ein Happy End wie im Film.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 4.2.2026, 12:03 Uhr ; 

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