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«Drey scheenschte Dääg» Knapp 200-jährige Basler Fasnachts-Laterne aufgetaucht

1845 verbot die Basler Polizei offenes Feuer an der Fasnacht. Danach entstanden die ersten bemalten Laternen. Eine dieser frühen Laternen ist nun wieder aufgetaucht und wechselt kurz vor dem Morgenstreich den Besitzer.

Josef Meury, 87, lächelt zufrieden, wenn er von seiner Fasnachtslaterne erzählt. «Ich liebe die Fasnacht», sagt Meury, «und ich liebe meine alte Laterne.» Fünfzig Jahre lang hat er die Laterne gehütet wie einen Schatz.

Josef Meury.
Legende: Der ehemalige Sozialarbeiter und Brockenhaus-Gründer Josef Meury fand die historische Laterne in den 1970er‑Jahren in einem ehemaligen Badehaus, das als Lager genutzt wurde. SRF / Hanna Girard

Gefunden hat er sie in den 1970er‑Jahren, als er ein altes Lager übernehmen konnte, um damit in Basel eine Brockenstube zu eröffnen. Zwischen Kisten mit vergessener Habseligkeiten entdeckte er eine filigran geschmiedete Laterne aus Metall. «Ein ganz besonderes Stück», sagt er, «solche Laternen sieht man kaum mehr.» Fachleute datieren sie ins 19. Jahrhundert.

Gemeinsam mit Drogenabhängigen gründete Meury die «Pilzli-Clique» und bemalte die Laterne neu.
Legende: Gemeinsam mit Drogenabhängigen gründete Meury die «Pilzli-Clique» und bemalte die Laterne neu nach dem Motto «ein Männlein steht im Walde». SRF / hanna Girard

Ihre Entstehung hängt direkt mit einem historischen Einschnitt zusammen: 1845 verbot die Basler Polizei offenes Feuer an der Basler Fasnacht, aus Angst vor einem Brand. Bis dahin zogen die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler traditionell mit Fackeln durch die Gassen.

Das Verbot zwang sie, neue Lichtquellen zu finden. So entstanden die ersten bemalten Laternen aus Metall und Glas – ein Wendepunkt, der die heutige Bildsprache des Morgenstreichs prägt. Heutige Fasnachtslaternen bestehen meist aus einem leichten Holz‑ oder Aluminiumrahmen, einer Bespannung aus Stoff oder Kunststoff und einer sicheren LED‑Beleuchtung.

1850 ist ein neuer Meilenstein von Objekten, die uns begegnet sind.
Autor: Alain Grimm arbeitet für die «Dokumentation Basler Fasnacht»

Seit die Basler Fasnacht 2017 ins immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen wurde, dokumentiert Alain Grimm mit dem Verein «Dokumentation Basler Fasnacht» die materiellen Spuren der «drey scheenschte Dääg». Die Laterne aus Meurys Besitz sei ein aussergewöhnliches Fundstück, sagt Grimm: «1850 ist ein neuer Meilenstein von Objekten, die uns bisher begegnet sind.»

Das Feuerverbot von 1845 zwang Basel zur Erfindung: Aus einfachen Hauslaternen entstanden die ersten Fasnachtslaternen.
Legende: Weil offenes Feuer ab 1845 verboten war, griffen die Fasnächtlerinnen zu improvisierten Laternen aus dem Alltag – ein früher Schritt hin zur heutigen Laternenkunst. SRF / Hanna Girard

Dass sie aus Metall und mit Glasfenstern gefertigt ist, mache sie untypisch – und gerade deshalb spannend. «Vielleicht hat sie jemand aus dem Hausgebrauch genommen und gedacht: Ich mache jetzt damit Fasnacht. Das kann sehr gut möglich sein.» Für Grimm zeigt die Laterne, wie kreativ Basel auf das Feuerverbot von 1845 reagierte.

Leuchtende moderne Fasnachtslaternen, die im Dunkeln leuchten.
Legende: Moderne Fasnachtslaternen bestehen heute meist aus Holzrahmen, Stoff oder Kunststoff – bemalt und hinterleuchtet. Keystone / ANDREAS FROSSARD

In den 1970er‑Jahren nahm Josef Meury die Laterne mit an den Morgenstreich. Der Sozialarbeiter gründete zusammen mit drogenabhängigen Baslerinnen und Baslern die «Pilzli-Clique». Das Sujet damals «ein Männlein steht im Walde» hielten die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler auf der Laterne fest.

Die Basler Fasnacht und Feuer

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Die alte Laterne taucht in einer Zeit auf, in der die feuerpolizeiliche Sicherheit an der Basler Fasnacht erneut heftig diskutiert wird. Nach dem Brand in Crans‑Montana stellt sich auch in Basel die Frage, wie gut die oft engen und vollgestellten Cliquenkeller geschützt sind. Viele Requisiten, Laternen und historische Materialien lagern dort seit Jahrzehnten. Erstmals führen die Behörden an der Basler Fasnacht nun systematische Kontrollen durch, um zu prüfen, ob der Brandschutz eingehalten wird.

Meury erinnert sich gern an diese Zeit zurück: «Gemeinsam Fasnacht zu machen, das verlangt Disziplin», sagt er. «Das hat zu meinem ganzen Konzept von Arbeit mit Drogenabhängigen gepasst.» Damals habe es Basel kaum vergleichbare Projekte für Leute mit Drogenproblemen gegeben.

Ein Mann betrachtet die historische Laterne.
Legende: Moritz Kuhnel mit der historischen Laterne: Mit seinem Schyssdräggziigli «die Voersoegglete» geht er am Morgenstreich auf die Gasse – zum ersten Mal seit den 1970er‑Jahren kommt die Laterne wieder zum Einsatz. SRF / Hanna Girard

Nun wechselt die Laterne den Besitzer. Moritz Kuhnel fand sie über ein kleines Inserat von Meury im Quartiercafé. «Liebe auf den ersten Blick», sagt er. Am Montag trägt er sie am Morgenstreich.

Für Kuhnel ein Symbol für die Kreativität der Baslerinnen und Basler und ein Zeichen, wie Verbote zu neuen Ideen führen können: «Da läuft es einem kalt den Rücken runter. Da ist ein bisschen Ehrfurcht und ein bisschen Ehre, die Laterne tragen zu dürfen.»

Regionaljournal Basel, 19.02.2026; 17:30 Uhr ; 

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