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Drohende Schliessung Ältestes Schweizer Hallenbad vor dem Aus

Die Stadt St. Gallen muss sparen. Auch bei der historischen Badeanstalt von 1906 soll der Rotstift angesetzt werden.

Das St. Galler Volksbad ist aus der Zeit gefallen. Im besten Sinne. Ein kleines Schwimmbecken, keine Wasserrutschen oder Sprudeldüsen, rudimentäre Umkleide- und Duschmöglichkeiten. Für viele Besucherinnen und Besucher macht gerade das den Charme des Bades aus. Der Jugendstil-Bau von 1906 ist der Gegenentwurf moderner Hallenbäder.

Hereinspaziert ins St. Galler Volksbad

In der öffentlichen Badeanstalt gab es früher nebst dem Schwimmbecken auch Wannenbäder oder Duschen, die von der breiten Bevölkerung genutzt werden konnten. Um 1900 hatten laut dem St. Galler Stadtarchiv nur rund 18 Prozent aller Wohnungen ein eigenes Bad.

Anzeige des Städtischen Volksbads St. Gallen mit Öffnungszeiten und Preisen für das Hallenschwimmbad.
Legende: Zur Eröffnung kostet der Eintritt 50 Rappen für Erwachsene und 30 Rappen für Kinder. Geduscht werden konnte für 15 Rappen. Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St. Gallen

Noch heute ist das Bad rege besucht. Auch von Schulkindern, die zum Schwimmunterricht kommen. Das Volksbad steht unter Denkmalschutz. Am und im Gebäude wurden immer nur kleinere Veränderungen vorgenommen.

Stadt steht unter Spardruck

Nun soll es der 120 Jahre alten Institution an den Kragen gehen. Die Stadt St. Gallen ist klamm und muss Ausgaben streichen. Geplant ist deshalb auch die Schliessung des beliebten Volksbades. Die Stadt will so ab 2028 jährlich rund 420'000 Franken einsparen.

«Das Volksbad ist ein Patient auf der Intensivstation», sagt der zuständige Stadtrat Mathias Gabathuler. In der Stadt gäbe es ausreichend Badealternativen: Im Herbst 2027 soll das neue Hallenbad Blumenwies am Stadtrand wiedereröffnet werden. «Dann haben wir die doppelte Wasserfläche zur Verfügung», ergänzt Gabathuler.

Luftaufnahme einer grossen Baustelle mit Maschinen und einem Flachdachgebäude.
Legende: Grossbaustelle Blumenwies: Das alte Hallenbad wurde vergangenen Sommer komplett abgerissen und wird derzeit neu gebaut. Stadt St. Gallen / Andi Keller Fotografie

Bei der angespannten finanziellen Lage mache es für die Stadt keinen Sinn, das Volksbad weiter zu betreiben. «Es ist wirklich marode», resümiert Stadtrat Mathias Gabathuler.

Wenig Verständnis bei Schwimmgästen

Diese besondere Bademöglichkeit wegsparen, das passt vielen nicht: Das Volksbad ist nämlich nicht nur wegen seiner speziellen Architektur beliebt. Donnerstags gibt es etwa einen Warmwassertag. Dann wird das Wasserbecken auf 33 Grad erwärmt. Ein Angebot, welches auch eine 85-jährige Schwimmerin sehr schätzt.

Sie fände es schade, wenn die bekannte Institution schliessen müsste. «Hier ist es schön. Ich komme schon viele Jahre zum Schwimmen her. Früher auch mit meinen kleinen Kindern. Die sind unterdessen schon 50», erzählt sie lachend.

Raum mit Tisch, Stühlen, und Kunstwerk an der Wand.
Legende: Das Volksbad wird von vielen Besuchenden als Ort der Begegnung geschätzt. Stadt St. Gallen

Auch eine jüngere Besucherin ist froh, dass es das Volksbad gibt: «Ich wohne gerade oberhalb des Bades und kann jeweils mit dem Bademantel herunterschleichen zum Duschen. In meinem Atelier habe ich keine Dusche.» Das Volksbad sei ein toller, spezieller Ort und müsse unbedingt offenbleiben.

Entscheid fällt Ende Jahr

Im November entscheidet sich, ob das älteste Hallenbad der Schweiz tatsächlich schliessen muss. Dann berät das Stadtparlament über die geplanten Sparmassnahmen. Die Stadt hofft auf privates Engagement. So könnte die Schliessung abgewendet werden. Konkret geht es um die Schweizer Jugendherbergen. Sie führen derzeit eine Machbarkeitsstudie durch. Sie soll zeigen, ob die Jugendherbergen als Betreiberin infrage kommen oder nicht. 

Regionaljournal Ostschweiz, 30.4.2026; 17:30 ; 

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