Das St. Galler Volksbad ist aus der Zeit gefallen. Im besten Sinne. Ein kleines Schwimmbecken, keine Wasserrutschen oder Sprudeldüsen, rudimentäre Umkleide- und Duschmöglichkeiten. Für viele Besucherinnen und Besucher macht gerade das den Charme des Bades aus. Der Jugendstil-Bau von 1906 ist der Gegenentwurf moderner Hallenbäder.
Hereinspaziert ins St. Galler Volksbad
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Bild 1 von 7. Das Bad reihte sich in eine Häuserzeile zwischen Stadtpark und Spital ein. Die Bauzeit betrug zwei Jahre. Bildquelle: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St. Gallen.
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Bild 2 von 7. Die Fassade ist mit verschiedenen Figuren wie Fröschen und Nixen geschmückt. Bildquelle: Stadt St. Gallen.
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Bild 3 von 7. Im Eingangsbereich mit dem Kassenhäuschen steht ein Brunnen mit Bär, dem Wappentier der Stadt. Bildquelle: Stadt St. Gallen.
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Bild 4 von 7. Über einen schmalen Gang gelangt man zu den Einzelkabinen. Jeder Badegast erhält einen persönlichen Schlüssel. Bildquelle: Stadt St. Gallen.
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Bild 5 von 7. Schon damals wurde das Bad für den Schwimmunterricht genutzt. Bildquelle: Stadtarchiv Ortsbürgergemeinde St. Gallen.
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Bild 6 von 7. An der Innenausstattung hat sich in den vergangenen 120 Jahren wenig verändert. Beim Verlassen der Kabine stehen man direkt am Beckenrand. Bildquelle: Stadt St. Gallen.
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Bild 7 von 7. Das Hallenbad ist im Jugendstil erbaut. Der Schildkrötenbrunnen oberhalb des Beckens ist das Wahrzeichen der Anlage. Bildquelle: Stadt St. Gallen.
In der öffentlichen Badeanstalt gab es früher nebst dem Schwimmbecken auch Wannenbäder oder Duschen, die von der breiten Bevölkerung genutzt werden konnten. Um 1900 hatten laut dem St. Galler Stadtarchiv nur rund 18 Prozent aller Wohnungen ein eigenes Bad.
Noch heute ist das Bad rege besucht. Auch von Schulkindern, die zum Schwimmunterricht kommen. Das Volksbad steht unter Denkmalschutz. Am und im Gebäude wurden immer nur kleinere Veränderungen vorgenommen.
Stadt steht unter Spardruck
Nun soll es der 120 Jahre alten Institution an den Kragen gehen. Die Stadt St. Gallen ist klamm und muss Ausgaben streichen. Geplant ist deshalb auch die Schliessung des beliebten Volksbades. Die Stadt will so ab 2028 jährlich rund 420'000 Franken einsparen.
«Das Volksbad ist ein Patient auf der Intensivstation», sagt der zuständige Stadtrat Mathias Gabathuler. In der Stadt gäbe es ausreichend Badealternativen: Im Herbst 2027 soll das neue Hallenbad Blumenwies am Stadtrand wiedereröffnet werden. «Dann haben wir die doppelte Wasserfläche zur Verfügung», ergänzt Gabathuler.
Bei der angespannten finanziellen Lage mache es für die Stadt keinen Sinn, das Volksbad weiter zu betreiben. «Es ist wirklich marode», resümiert Stadtrat Mathias Gabathuler.
Wenig Verständnis bei Schwimmgästen
Diese besondere Bademöglichkeit wegsparen, das passt vielen nicht: Das Volksbad ist nämlich nicht nur wegen seiner speziellen Architektur beliebt. Donnerstags gibt es etwa einen Warmwassertag. Dann wird das Wasserbecken auf 33 Grad erwärmt. Ein Angebot, welches auch eine 85-jährige Schwimmerin sehr schätzt.
Sie fände es schade, wenn die bekannte Institution schliessen müsste. «Hier ist es schön. Ich komme schon viele Jahre zum Schwimmen her. Früher auch mit meinen kleinen Kindern. Die sind unterdessen schon 50», erzählt sie lachend.
Auch eine jüngere Besucherin ist froh, dass es das Volksbad gibt: «Ich wohne gerade oberhalb des Bades und kann jeweils mit dem Bademantel herunterschleichen zum Duschen. In meinem Atelier habe ich keine Dusche.» Das Volksbad sei ein toller, spezieller Ort und müsse unbedingt offenbleiben.
Entscheid fällt Ende Jahr
Im November entscheidet sich, ob das älteste Hallenbad der Schweiz tatsächlich schliessen muss. Dann berät das Stadtparlament über die geplanten Sparmassnahmen. Die Stadt hofft auf privates Engagement. So könnte die Schliessung abgewendet werden. Konkret geht es um die Schweizer Jugendherbergen. Sie führen derzeit eine Machbarkeitsstudie durch. Sie soll zeigen, ob die Jugendherbergen als Betreiberin infrage kommen oder nicht.