Der Antrag für die Resolution kam von der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich. Deren Sprecher Samuel Rom sagte, die Einführung der Todesstrafe sei aus seiner Sicht nicht in Einklang zu bringen mit den Grundwerten des Staates Israels.
Die Todesstrafe widerspricht der jüdischen Tradition, das menschliche Leben über alles zu stellen.
Zudem sagte er, «die Todesstrafe widerspricht der jüdischen Tradition, das menschliche Leben über alles zu stellen». Aus diesen Gründen solle sich die Delegiertenversammlung des SIG kritisch zur Einführung der Todesstrafe äussern.
Aber noch bevor die Debatte dazu hätte losgehen können, mussten die Delegierten noch über einen Antrag der Jüdischen Gemeinde Bern befinden. Dieser verlangte, dass auf die Resolution gar nicht erst eingegangen werden soll.
Wenn der SIG anfange, über die israelische Innenpolitik zu debattieren und über die Todesstrafe, könnten die Schweizer Jüdinnen und Juden dabei nur verlieren, sagte Daniel Kaufmann von der Jüdischen Gemeinde Bern.
«Bei einer Ablehnung der Resolution würde den Schweizer Jüdinnen und Juden vorgeworfen, sie würden die Todesstrafe befürworten», so Kaufmann. Bei einer Annahme der Resolution entstünde hingegen der Eindruck, nicht einmal mehr die Schweizer Jüdinnen und Juden würden hinter Israel stehen.
In diesem Dilemma sehen sich viele Schweizer Jüdinnen und Juden. Sie haben mit der Politik Israels zwar nichts zu tun und auch keinen Einfluss auf die israelische Regierung. Trotzdem fühlen sie sich von der Öffentlichkeit und ihrem Umfeld dazu gedrängt, Stellung zu beziehen.
Wenn wir heute das Eintreten in Debatten verweigern, senden wir eine fatale Botschaft aus.
Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass man Debatten gar nicht mehr eingehe, sagt Harry Wiener von der jüdischen Gemeinde St. Gallen.
«Wenn wir heute das Eintreten verweigern, senden wir eine fatale Botschaft aus. Wir signalisieren, dass wir als Gemeinschaft nicht mehr die Kraft und die Reife besitzen, schwierige Fragen in eigenem Hause zu diskutieren», sagt Wiener.
Mehrheit gegen Resolution
Doch genau so ist es gekommen: Mehr als zwei Drittel der Delegierten stimmten dem Antrag aus Bern zu und beschlossen, nicht auf die Resolution einzutreten.
Dieses Ergebnis entspreche dem Grundsatz des SIG, sich nicht zur Innenpolitik Israels zu äussern, sagt Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Wobei er schon feststelle, dass der Druck auf Schweizer Jüdinnen und Juden grösser geworden sei, sich zu Israel zu positionieren.
Zudem habe es in den letzten Jahren öfter Ausnahmen gegeben, in denen sich der SIG-Vorstand selber mehrfach kritisch gegenüber der Regierung von Präsident Benjamin Netanjahu geäussert hatte.
Für SIG-Präsident Ralph Friedländer ist der Leitsatz eigentlich klar, wie er sagt. Er äussere sich dann, wenn das Leben der Jüdinnen und Juden in der Schweiz tangiert sei.
Wir sehen die Problematik und müssen klarer trennen können, wann wir uns äussern sollen und wann nicht.
Das Problem sei dann aber die Praxis. Wann genau ist das jüdische Leben in der Schweiz betroffen? Weil die Lage im Nahen Osten aktuell sehr aufgeheizt sei, stelle sich diese Frage gerade häufig, sagt Friedländer.
Es sei eine Klausur vorgesehen im Vorstand, wo genau diese Frage diskutiert würden. «Wir sehen die Problematik und müssen klarer trennen können, wann wir uns äussern sollen und wann nicht.» Es gelte, die eigenen Richtlinien zu schärfen für künftige Debatten, die ohne Zweifel kommen werden.