Mehrere Fernsehteams drängen sich am 8. Mai 2001 im Standesamt in Genf. Es ist ein historischer Moment: Zum ersten Mal lässt ein homosexuelles Paar in der Schweiz seine Partnerschaft offiziell eintragen. Als Yves de Matteis und Patrick Berguer sich küssen, klicken Dutzende Kameras.
«Der Plan einer intimen Zeremonie scheiterte», sagt de Matteis und lacht. Die Bilder von damals lösen noch heute, 25 Jahre später, starke Emotionen aus. «Dieser Kuss war ein Schrei des Herzens», sagt Berguer. «Wir haben uns geküsst wie jedes andere Paar auch.» Endlich Normalität.
Mehr Symbolik als Rechte
Rechtlich bringt die eingetragene Partnerschaft im Kanton Genf wenig. Weder im Erbrecht noch bei Steuern oder bei der Altersvorsorge gibt es durch die Registrierung mehr Rechte. Und doch bedeutet der Schritt den beiden viel. «Zum ersten Mal hat mich der Staat voll anerkannt», sagt Yves de Matteis, der inzwischen für die Grünen im Genfer Kantonsparlament politisiert.
Patrick Berguer gab der Schritt Schwung für das Coming-out seinen Eltern gegenüber. «Ich kam nach Hause, zeigte meinen Eltern die Zeitung mit Yves und mir auf der Titelseite und sagte: ‹Ich bin homosexuell. Voilà, der Beweis.›»
Wenn man die Schlagzeilen anschaut, haben wir die Gesellschaft bewegt.
Berguer und de Matteis sind damals beide in der Schwulenbewegung aktiv. Sie wollen bewusst ein Zeichen setzen. «Wenn man die Schlagzeilen anschaut, haben wir die Gesellschaft bewegt», sagt Patrick Berguer. Yves de Matteis ist überzeugt, dass ihr Schritt Wirkung hatte: «Es hiess damals, die eingetragene Partnerschaft sei das Ende der Ehe. Wir konnten zeigen, dass wir niemandem etwas wegnehmen.» Die Genfer Regelung sei ein erster Stein gewesen, auf dem später aufgebaut wurde.
Vom lokalen Versuch zur nationalen Lösung
Tatsächlich folgt wenige Jahre später der nächste Schritt: 2007 tritt die eingetragene Partnerschaft auf nationaler Ebene in Kraft. Seit 2022 gibt es die Ehe für alle.
Berguer (68) und de Matteis (62) sind heute kein Paar mehr. Geheiratet haben beide nie – weder einander noch ihre heutigen Partner. Trotzdem ist ihnen die Öffnung der Ehe wichtig. «Wenn man für Gleichstellung kämpft, zählt jeder Schritt, auch wenn man ein neues Recht selbst vielleicht nicht nutzt», sagt Yves de Matteis.
Wir brauchen mehr Präventionsarbeit an Schulen, um zu verhindern, dass Homosexuelle belästigt werden.
In der Schweiz sei es heute einfacher, offen homosexuell zu leben, sagen beide. Doch es gebe weiterhin Herausforderungen. «Wir brauchen mehr Präventionsarbeit an Schulen, um zu verhindern, dass Homosexuelle belästigt werden», fordert de Matteis.
Der Blick geht auch über die Landesgrenzen hinaus. In vielen Ländern wird Homosexualität noch immer kriminalisiert. Für die beiden ist klar: Ihr Engagement endet nicht.