Der Kanton Basel-Landschaft hat einige Verflechtungen mit dem Kolonialismus, wenn auch nicht besonders starke, wie eine aktuelle Untersuchung aufzeigt. Dies geht zurück auf die Seidenbandindustrie, die Arbeitsplätze abseits städtischer Handelszentren bot.
Historiker Andreas Zangger durchforstete über ein Jahr Archive. Viele der auf 150 Seiten nachgezeichneten Karrieren aus dem 18. bis ins 20. Jahrhundert sind kaum bekannt und werden heute sehr kritisch betrachtet.
Flucht vor Schulden, Handel mit Sklaven
Der bekannteste Baselbieter mit kolonialem Schatten ist Johann August Sutter, bekannt als «General Sutter». Sutter flüchtete 1834 hoch verschuldet in die USA und gründete in Kalifornien die Kolonie Neu-Helvetien. Sein Aufstieg basierte auf der Ausbeutung und Versklavung indigener Menschen.
Ein Goldfund im Jahr 1848 brachte ihm selbst wenig – Betrug, Prozesse und Schulden ruinierten ihn. Nach dem Verlust seines Besitzes lebte Sutter bis zu seinem Tod 1880 von Unterstützungen und kämpfte vergeblich um staatliche Entschädigung.
Mässiger Erfolg im Kaffeegeschäft
Der Liestaler Adolf Spitteler, Bruder des Literaturnobelpreisträgers von 1919, war im indischen Cochin (heute Kochi) Unternehmer, Stadtrat und deutscher Konsul. Seine dortige Ehefrau und drei Kinder verschwieg er in der Schweiz – die Gründe sind unklar. Als Stadtrat setzte er sich für die Infrastruktur ein.
Spitteler war als lokaler Chef für das Handelshaus der Gebrüder Volkart im Baumwoll- und Kaffeegeschäft tätig. Auf gute Jahre folgten hohe Verluste, und er wurde entlassen, erhielt aber eine Abfindung – mutmasslich um zu schweigen.
Exotika auf zweifelhaftem Weg nach Liestal
Ein typischer Kolonialismus-Bezug besteht bei Benedikt Banga, Regierungsrat und Gründer des Kantonsmuseums Baselland und der Kantonsbibliothek: Der Grossteil der aus der Kolonialzeit stammenden Objekte der einschlägigen Sammlung jenes Museums – die heute ins Museum der Kulturen Basel integriert ist – dürfte unter fragwürdigen Umständen erworben worden sein. Das Museum in Liestal liess sich von reisenden Baselbietern gerne Exotika aus fernen Ländern schenken, etwa Stammeskopfschmuck aus Brasilien oder Speere und Pfeile aus dem pazifischen Raum.
Speer beendet kurze Söldnerkarriere
Erfolgloser britischer Armeesöldner war Gustav Plattner aus Liestal, Neffe des Baselbieter Nationalrats Gedeon Thommen. Angesichts von Diamantenfunden in den 1970er-Jahren wollten die Briten die Kontrolle über Südafrika ausdehnen, wobei ihnen das unabhängige Zulu-Reich im Weg war. Weil die britischen Bestände für die blutige Expansion zu klein waren, wurden auch lokal Truppen ausgehoben und bloss ein, zwei Monate ausgebildet, und mangels ausgebildeter Offiziere wurde auch Plattner angeheuert. Er befehligte einen Zug eilig rekrutierter einheimischer Infanteristen mit Speer und Schild. Sein Zug wurde jedoch 1879 beim Vorrücken eingekesselt, und Plattner selber wurde zu Pferd angeschossen und von Zulus mit Speer getötet.
Andreas Zangger liess bei der Präsentation seines Untersuchungsberichtes in Liestal keine Zweifel offen: «Kolonialismus ist nicht weit weg, sondern auch ganz nah. Baselbieterinnen und Baselbieter nahmen Chancen wahr, die sich ihnen eröffneten. Gleichzeitig beruhten diese auf Unrecht und Ungleichheit. Viele Baselbieter profitierten von diesen Strukturen.»