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Eltern und Schule Lehrkräfte lernen, über Krieg, Klimakrise oder Corona zu sprechen

Gesellschaftliche Entwicklungen und globale Krisen prägen immer mehr den Schulalltag. Was bedeutet das für Lehrpersonen?

Wenn es um Noten, Sexualaufklärung oder globale Krisen im Unterricht geht, kann der Austausch zwischen Schule und Eltern schnell anspruchsvoll werden.

Eine im Jahr 2022 durchgeführte Umfrage des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz zeigt: Konflikte mit Eltern gehören für viele Lehrpersonen zum Berufsalltag. Entsprechend gewinnt der professionelle Umgang mit Eltern in der Ausbildung zunehmend an Gewicht.

Tafel mit Willkommensgrüssen in verschiedenen Sprachen, Kind im Vordergrund.
Legende: Besonders häufig berichten Lehrpersonen laut Umfrage des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz von Beleidigungen oder Beschimpfungen. Keystone / GEORGIOS KEFALAS

Ruth Lehner, Dozentin an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG), bereitet angehende Lehrpersonen gezielt auf Gespräche mit Eltern vor. In der Praxis funktioniere die Zusammenarbeit meist gut: Rund 95 Prozent der Kontakte würden konstruktiv verlaufen.

Heute sagt man: Wenn eine Lehrperson mit einem Kind schimpft, stehen die Eltern mit dem Anwalt da.
Autor: Ruth Lehner Dozentin Pädagogische Hochschule St. Gallen

Gleichzeitig machen zwei bis fünf Prozent der Fälle einen unverhältnismässig grossen Teil der Arbeit aus. Diese Fälle seien nicht unbedingt häufiger geworden, aber intensiver, sagt Lehner. «Eltern kommen öfter vorbei, hinterfragen Entscheidungen oder äussern Sorgen, dass ihr Kind ungenügend beachtet oder unfair behandelt wird.»

Ruth Lehner vermutet einen deutlichen Wandel im Rollenverständnis. Früher galten Lehrpersonen meist als Autoritätspersonen, deren Entscheidungen kaum hinterfragt wurden. Heute, so beobachtet sie, treten Eltern deutlich selbstbewusster auf. «Früher sagte man: Wenn Lehrpersonen ein Kind zurechtweisen, wird zu Hause noch einmal geschimpft. Heute sagt man: Wenn eine Lehrperson mit einem Kind schimpft, stehen die Eltern mit dem Anwalt da.»

Beutelsbacher Konsens in der Praxis

Konflikte können auch entstehen, wenn im Unterricht gesellschaftlich kontroverse Themen behandelt werden. Andreas Stadelmann, Dozent für politische Bildung an der PHSG, nennt Konflikte wie jene im Nahen Osten oder in der Ukraine als Beispiele. Unterschiedliche familiäre Hintergründe und gefestigte Meinungen könnten Spannungen auslösen.

Orientierung bietet dabei der sogenannte Beutelsbacher Konsens: Schülerinnen und Schüler sollen verschiedene Perspektiven kennenlernen und sich eine eigene Meinung bilden. Lehrpersonen dürfen dabei eine eigene Haltung haben, solange sie diese transparent machen und andere Positionen sachlich darstellen.

Das ist der Beutelsbacher Konsens

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Die drei Grundsätze im Überblick:

  1. Überwältigungsverbot
    Es ist nicht erlaubt, die Schülerin oder den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der «Gewinnung eines selbstständigen Urteils» zu hindern. 
  2. Kontroversitätsgebot
    Lehrpersonen sollen gezielt auch Meinungen zeigen, die den Schülerinnen und Schülern vielleicht fremd sind oder die sie von zu Hause oder aus ihrem Umfeld nicht kennen. So lernen die Jugendlichen, verschiedene Perspektiven zu verstehen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Wenn Lehrpersonen das tun, wird ihre persönliche politische Meinung weniger wichtig.
  3. Schülerorientierung
    Schülerinnen und Schüler sollen lernen, politische Situationen zu verstehen. Sie sollen erkennen können, welche Interessen sie selbst haben und wie politische Entscheidungen ihr Leben beeinflussen. Dafür brauchen sie praktische Fähigkeiten, etwa Argumentieren, Diskutieren oder Informationen kritisch prüfen.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, Deutschland

Einen zusätzlichen Einfluss auf die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern beobachtet Valentin Unger vom Institut für Pädagogische Psychologie der PH St. Gallen. Im Rahmen eines Nationalen Forschungsprogramms untersuchte er die Auswirkungen der Corona-Pandemie. «Während des Fernunterrichts wurden Eltern Teil des Schulalltags ihrer Kinder», erklärt Unger. Und soziale Unterschiede wurden deutlich sichtbar. «Einige Eltern, zum Beispiel in systemrelevanten Berufen, waren nicht zu Hause und konnten ihre Kinder daher kaum unterstützen. Lehrpersonen mussten dadurch vermehrt mit sehr unterschiedlichen Lebenssituationen umgehen.»

Für angehende und erfahrene Lehrpersonen gilt damit: Der Umgang mit Eltern bleibt ein zentraler Bestandteil des Berufs – nicht nur, wenn alles reibungslos läuft. Sondern gerade dann, wenn es herausfordernd wird.

Regionaljournal Ostschweiz, 5.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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