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Entlastungsangebot «Loop» Auszeit statt Unterricht: So hilft eine Schule Kindern in Krisen

Eine Schule im Seeland BE bietet verhaltensauffälligen Kindern Raum und Zeit – bevor ein Schulausschluss droht.

Schulunterricht bedeutet für gewöhnlich: Rechnen, Lesen und Schreiben, Stillsitzen und Zuhören, viel Tun, wenig Sein. Ganz anders funktioniert das Entlastungsangebot «Loop» der Schule Studen Aegerten im Berner Seeland. Hier können Kinder tun, worauf sie gerade Lust haben: Spielen, Herumtollen, Einkaufen oder Kochen zum Beispiel.

Kinderhände auf einem Tisch voller Spielkarten.
Legende: Spielen statt Büffeln: Im Entlastungsprogramm «Loop» sollen krisengeschüttelte Kinder zur Ruhe kommen. SRF/Aline Langenegger

«Das Angebot soll keine Strafe sein, sondern Raum schaffen», sagt Lehrerin Nora Sieber, die «Loop» leitet. Kinder, die dieses schulinterne Akutprogramm besuchten, hätten es in der Regelschule schwierig gehabt: «Sie sind in einer Krise und waren für sich selbst, für die Klasse und für die Lehrpersonen nicht mehr tragbar.»

Es geht darum, dass sich die Kinder wieder spüren.
Autor: Nora Sieber Lehrerin für individuelle Förderung

Im Entlastungsangebot können verhaltensauffällige Kinder zur Ruhe kommen, sich auch einmal eine halbe Stunde hinlegen. «Es geht darum, dass sie sich wieder spüren», sagt Nora Sieber. Zwischendurch beschäftigen sich die Kinder auch mit Unterrichtsstoff. Dieser habe jedoch keine Priorität. «Kinder in Krisen können sowieso nicht – oder nur bedingt – lernen», erklärt Sieber.

Eine Frau mit langen Locken sitzt an einem Tisch.
Legende: «Zu mir kommen Kinder in Ausnahmesituationen – und so gehe ich auf sie ein», sagt «Loop»-Leiterin Nora Sieber. SRF/Aline Langenegger

Das Entlastungsangebot richtet sich an Kinder ab Kindergarten bis zur neunten Klasse. Sie besuchen das Programm bis zu vier Wochen Vollzeit und kehren danach schrittweise in die Regelklasse zurück. «Loop» ist die letzte Station, bevor es zum Schulausschluss kommt.

Aus der Not heraus entstanden

Eine Mutter, deren Tochter das Entlastungsprogramm besucht hat, sagt: «Es gibt gute Gründe, weshalb ein Kind eine Auszeit braucht.» Ihre Tochter habe sich oft gestört gefühlt in der Klasse und dadurch andere gestört. In einem Gespräch mit der Lehrperson und der Schulleitung sei ihr «Loop» empfohlen worden. Dort habe sich ihre Tochter sofort wohlgefühlt: «Sie lernte, mit Konflikten umzugehen, oder wann sie sich zurückziehen muss. Das hat viel gebracht.»

Als Schulleiterin muss ich auch auf die Gesundheit der Lehrpersonen achten.
Autor: Christine Stehlé Schulleiterin Studen Aegerten BE

«Loop» sei aus der Not heraus entstanden, sagt Schulleiterin Christine Stehlé, die das Programm initiiert hat. Ihr Team mit 150 Mitarbeitenden sei an die Grenze gestossen. Anders als noch vor 30 Jahren gäbe es heute in jeder Schulklasse gleich mehrere verhaltensauffällige Kinder. «Da brauchen wir manchmal sofort eine Lösung.» Abklärungen auf der Erziehungsberatung dauerten oft sehr lange. Und dieses Ausharren in schwierigen Situationen könne auch für Lehrpersonen sehr belastend sein. «Als Schulleiterin ist es mein Auftrag, auf die Gesundheit der Lehrpersonen zu achten.»

Eine Frau mit kurzem Haar und blauer Jacke sitzt in einem Schulzimmer.
Legende: Christine Stehlé, die Leiterin der Schule Studen Aegerten, empfindet die Hilfe von aussen als «sehr träge». SRF/Aline Langenegger

Jede Schule ist selbst dafür verantwortlich, wie sie mit verhaltensauffälligen Kindern umgeht. Das habe zum einen den Vorteil, dass man individuelle Anpassungen machen könne, sagt Christine Stehlé. Andererseits fühlt sie sich vom Kanton alleingelassen: «Mir fehlt ein Konzept des Kantons, wie man in schwierigen Situationen reagieren kann.»

So unterstützt der Kanton Bern die Schulen

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Der Kanton Bern stelle Schulen in erster Linie Ressourcen zur Verfügung, sagt Yves Brechbühler, Kommunikationsleiter der Berner Bildungs- und Kulturdirektion. So könne er etwa zusätzliche Lektionen sprechen. Weiter gäbe es die Erziehungsberatung sowie Fachstellen, die Unterstützung anböten. Aber: «Schnelle Lösungen zu finden, ist sicher schwierig», sagt Brechbühler.

Die erste Anlaufstelle für Schulen seien die Schulinspektorate. Diese unterstützen Schulleitungen und Gemeinden, beraten und geben Auskunft.

Im Fall von verhaltensauffälligen Kindern müsse jedoch die Schule selbst Lösungen finden. Dies sei eine bewusste Entscheidung des Kantons. «Es geht darum, individuelle Entscheidungen zur treffen, die für die spezifische Schule passen. Der Kanton soll nicht etwas vorgeben, was vielleicht im Einzelfall gar nicht funktioniert», sagt Yves Brechbühler.

Der Kanton Bern sei ein sehr grosser und heterogener Kanton und die Bedürfnisse deshalb unterschiedlich. Es gäbe kein Konzept, das für alle Schulen passe. Yves Brechbühler räumt jedoch ein: «Die Zusammenarbeit zwischen allen muss besser werden.» Der Kanton sei gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule (PH) daran, einen Austausch zwischen Kanton, Schule und der Forschung zu schaffen.

Die PH bietet bereits jetzt Kurse zum Thema Unterrichtsstörung an, für Lehrpersonen oder ganze Kollegien.

«Loop» ist Teil der integrativen Förderung. Für diese Unterstützung haben Schulen eine gewisse Anzahl Lektionen zur Verfügung. In Studen Aegerten werden diese für das «Loop»-Angebot gebraucht. Darum fehlen sie in der Regelklasse. Für die Zukunft möchte die Schule das Angebot ausbauen und mit den Nachbarsgemeinden zusammenspannen, damit auch diese davon profitieren können.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 7.4.2026, 6:31 Uhr ; 

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