Es scheppert laut, wenn der Elektrotechnik-Student Paul Fragman die grosse Plastikkiste mit den wild durcheinander gemischten Legosteinen in den Trichter leert. Gross, klein, gelb, blau, grün – Teile in allen Formen und Farben gelangen so in die Sortiermaschine, die nun automatisch Ordnung in das Chaos bringt.
Und das funktioniert so: Jedes einzelne Legoteilchen kommt auf ein Laufband und wird von vier Kameras gescannt. Ist es vom Computer erkannt, befördern mechanische Greifarme das Teil dann in eines der 50 verschiedenen Holzkistchen neben dem Laufband. Am Schluss sind die Legosteine etwa nach Grösse oder Form geordnet.
Auch die Sortierung nach Set ist möglich
Die drei Erfinder der Sortiermaschine, die in einem Gewerberaum in Thalwil steht, haben auch klare Kategorien definiert. Zum Beispiel «Bausteine klassisch», «Minifiguren» oder «Scheiben». Möglich ist auch eine Sortierung nach Set.
Das klappe bereits recht gut, sagt Paul Fragman. Trotzdem passieren Fehler. Manchmal wegen der Software, manchmal wegen der Maschine selbst. Deshalb werden die Holzbehälter nach der Sortierung noch kontrolliert. Die Fehlteile werden dann dorthin gelegt, wo sie hingehören. «Das ist aber nicht viel Arbeit», sagt Paul Fragman.
Es begann auf dem Estrich der Eltern
Die Idee für die Sortiermaschine hatten die Brüder Carl und Paul Fragman zusammen mit Yanick Solomir auf dem Estrich der Eltern. Die drei jungen Männer aus Thalwil kannten sich aus dem Gymnasium und wollten ihr Taschengeld aufbessern: mit Legosortieren von Hand.
«Als wir anderen davon erzählten, hörten wir oft: ‹Ah, ich habe auch noch viel Lego im Keller!›», sagt Yanick Solomir, der wie Carl Fragman Maschinenbau studiert. «Es gab also ein Bedürfnis.» Doch das Sortieren von Hand war mühsam und zeitaufwendig. So entwickelten die drei die Idee der Maschine, die das für sie erledigt.
Mittlerweile wurde aus der Idee eine Firma namens «Brickmachine». Ebenfalls Teil des Teams sind Daniel Gude, der bei der Prozessoptimierung hilft, und der 92-jährige Grossvater von Paul und Carl, Simon Fragman, der überall anpackt, wo es nötig ist. Das Start-up hat bereits Aufträge von privaten Kunden, die ihre Legoteile wieder geordnet haben wollen. Das ist aber noch nicht lange möglich.
Oft blieben Teile stecken.
«In den ersten zwei Jahren funktionierte die Maschine überhaupt nicht», erzählt Yanick Solomir. Dass man sie zwanzig Stunden am Stück laufen lassen kann, sei erst nach einem halben Jahr so. Davor blieben manchmal Teile drinstecken, verhakten sich und es ging schnell etwas kaputt.
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Bild 1 von 4. Die Software erkennt die Legoteile. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 4. Auf dem Förderband wird es zur richtigen Holzbox transportiert. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 4. Je nach Kategorie, gelangt das Teil in die entsprechende Holzbox. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 4. Hier zum Beispiel «Bausteine klassisch». Bildquelle: SRF.
Damit die Sortierung reibungslos läuft, muss denn auch vieles stimmen, erklärt Yanick Solomir. Die Software müsse sauber programmiert sein, die Kameras, die die Legosteine von allen Seiten scannen, müssen funktionieren, bis hin zu den Klappen, die wie Hände ausfahren und die Legosteine in die entsprechende Holzbox befördern.
Nach mehreren Jahren Tüfteln haben die Studenten nun also eine grosse Maschine geschaffen, die fast 90'000 Teile erkennen und voneinander unterscheiden kann, wie sie sagen.
Ziel: Deutschland und USA
Doch die drei haben sich noch höhere Ziele gesetzt. Es soll eine weitere Maschine dazukommen, damit noch mehr Legosteine sortiert werden können. Und Yanick Solomir sagt: «Wir wollen den Service auch in Deutschland anbieten können, wo noch viel mehr Leute Lego sammeln. Vielleicht auch in den USA.»