Das Foto zeigt zwei junge Männer beim Boxen. Ihre Gesichter sind verpixelt. Eines haben die Absender erkennbar gelassen: eine Fahne im Hintergrund. Darauf prangen die Worte «Blood» und «Honour» (Blut, Ehre). «Blood and Honour» ist eine der wichtigsten nationalsozialistischen Gruppierungen weltweit. Auch auf der Fahne: Ein Totenkopf und «C18», für Combat 18 – sie gilt als terroristischer Arm. In Deutschland sind beide Organisationen verboten.
Das Foto wurde am 30. März auf dem Telegram-Kanal eines Schweizer «Active Clubs» gepostet, andere Gruppierungen haben es weiterverbreitet. Es ist die jüngste und eine der explizitesten Publikationen von Schweizer «Active Clubs». Seit rund einem Jahr sind mehrere solcher rechtsextremer Gruppierungen – die sich selbst «Active Club» nennen – hierzulande gegründet worden. Sie treten anonym auf, und nutzen die App Telegram.
Gemäss Recherchen von SRF gehören vier bis fünf Gruppen zum «Active Clubs»-Netz, es gibt Ableger in der Westschweiz und im Tessin. Sie tragen «Helvetia», «Edelweiss» oder «Romandia» im Namen. Wie viele aktive Mitglieder sie haben, ist nicht bekannt.
Krafttraining, Wandern, Baden – und Fotos mit Hitlergruss
Viele Posts zeigen Wanderungen, Kraft- und Kampfsporttrainings, Schwimmen, Posen vor Denkmälern. Zudem Ankündigungen, man werde an Veranstaltungen erscheinen. So an einem Vortrag zu Rechtsextremismus der Grünen in St. Gallen – was viele verängstigte. Oder es wurde zu einer Gegenkundgebung aufgerufen anlässlich des «Antifaschistischen Karnevals» in Lausanne Ende März.
An beiden Anlässen tauchten keine Rechtsextremen auf oder sie blieben im Hintergrund. Nach Lausanne schrieb der Westschweizer «Active Club», man habe sich die «Verräter und Feiglinge» gemerkt. Man beobachte und vergesse nicht.
Die Propaganda ist oft explizit: Man zeigt sich in T-Shirts mit der Aufschrift «White Race», wobei offensichtlich kein Rennen, sondern Rasse gemeint ist. In einem Video sind drei anonymisierte Männer zu sehen, die rechte Hand zum Hitlergruss ausgestreckt. Und in einer Bildlegende heisst es: «Ein Nachmittag voller Outdoor-Sport und Aktivitäten mit jeder Menge Faschismus! Bleib aktiv, weisser Mann.»
Der Rechtsextremismus-Forscher Alexander Ritzmann vom Counter Extremism Project (CEP) in Berlin beobachtet eine zunehmende Radikalisierung. Bei mehreren Gruppierungen in europäischen Ländern wurden Gewalttaten festgestellt, teilweise Waffen gefunden, oder sie prahlen in ihrer eigenen Propaganda mit Waffentrainings.
Tendenz zu Radikalisierung und Gefahr durch Einzeltäter
«In den letzten Monaten hat es generell eine Entwicklung hin zu Aufrufen zur GewalFtbereitschaft gegeben», sagt Ritzmann. Die offen zur Schau gestellte Referenz zu «Blood and Honour» und «Combat 18» in der Schweiz sei ein weiteres Beispiel dafür. Das seien Hinweise, die Sicherheitsbehörden ernst nehmen müssten.
Die Journalistin Anna Bursian, die seit Jahren zu rechtsextremen Netzwerken recherchiert, sieht in der Radikalisierung von Minderjährigen und Jugendlichen ein Risiko. «Was man bei den ‹Active Clubs› auf Social Media sieht, ist teilweise unberechenbar und es besteht die Gefahr, dass Einzeltäter Straftaten begehen.»