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Fachkräftemangel Universitäten prüfen mehr Ausbildungsplätze in Veterinärmedizin

Vom Traumberuf zum Verschleissjob: Gerade in Randregionen ist es für Tierärzte schwierig, Personal zu finden. Manche laufen am Limit.

Tierarzt Fadri Vincenz hat ein Problem. Er hat mehr als genug Arbeit und würde gern weitere Tierärzte einstellen. Doch er findet niemanden. «Wir haben alle Universitäten der deutschsprachigen Länder angeschrieben, die Tierärzte ausbilden. Es kommt: nichts.»

Deswegen arbeitet Vincenz seit vergangenen Sommer mindestens zwölf Stunden pro Tag, an Wochenenden etwas weniger. «Es geht nicht anders. Wenn eine Geburt kommt oder eine Katze vom Auto überfahren wird, dann muss man halt los.»

Vincenz betreibt mit seiner Partnerin eine Praxis im bündnerischen Ilanz. Vor allem Tierärzte auf dem Land klagen über Fachkräftemangel. Gründe hat dies verschiedene: Zum einen ist die Zahl der Haustiere angestiegen, zum anderen gehen viele Tierärzte in Pension. Hinzu kommt die Feminisierung des Berufs. Im Studium liegt der Frauenanteil mittlerweile bei fast 90 Prozent. Frauen arbeiten im Schnitt häufiger Teilzeit, wie unter anderem eine Umfrage der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) zeigt.

Lange Arbeitstage, hohe Belastung

Sarah Lopez hat vor drei Jahren das Studium abgeschlossen. Sie arbeitet heute in einer Kleintierpraxis in Biel. «Ich arbeite 80 Prozent, weil ich Zeit brauche, mich von der Arbeit zu erholen. Es ist sowohl physisch als auch psychisch ein sehr anspruchsvoller Job.»

Als Tierärztin müsse man Tiere nicht nur retten, sondern manchmal auch töten. Zudem sei das Verhältnis mit den Kunden nicht immer einfach. «Die Ansprüche der Kunden sind hoch – und trotzdem wollen sie oft nicht viel Geld ausgeben.» Sie habe auch schon eine Katze einschläfern müssen, weil die Besitzer nicht für eine relativ einfache Behandlung aufkommen wollten.

Dass Veterinärmediziner hohen Belastungen ausgesetzt sind, zeigen verschiedene Studien. Ausländischen Untersuchungen zufolge ist gar die Suizidrate unter Tiermedizinern deutlich höher als in anderen Berufsgruppen.

Mehr Studienplätze statt ausländische Fachkräfte?

Die Nachfrage nach Tierärztinnen und Tierärzten wird bis jetzt vor allem durch ausländische Fachkräfte gedeckt. Jeder dritte Tierarzt hat heute ein ausländisches Diplom. Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte fordert seit längerem, dass die Anzahl der Studienplätze in der Schweiz erhöht wird.

Recherchen zeigen: Vetsuisse, die gemeinsame veterinärmedizinische Fakultät der Universitäten Zürich und Bern, prüft derzeit eine mögliche Erhöhung. Man kläre ab, was es brauche, um pro Jahr 272 statt 172 Studierende auszubilden, bestätigt Dekan Roger Stephan. Entscheiden über eine allfällige Erhöhung müsste die Politik.

Stephan gibt aber zu bedenken: «Allein die Studienplätze zu erhöhen, löst das Problem nicht.» Man gehe davon aus, dass in der Schweiz in den ersten drei Jahren nach Abschluss des Studiums etwa 20 bis 25 Prozent der Tierärztinnen und Tierärzte aus dem Beruf aussteigen. «Daran müsste man zwingend auch arbeiten.»

Fadri Vincenz sucht weiter nach Mitarbeitenden. Er liebe seinen Job, sagt der Tierarzt. «Für mich ist es nach wie vor ein Traumberuf.» Aber so weitermachen wie jetzt könne er nicht.

SRF Rundschau, 27.05.2026, 20:10 Uhr; noes

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