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Fasnächtliche Tradition Die letzten Holzbodenmacher der Schweiz

Viele Solothurner Fasnächtler tragen zu ihrem Kostüm Holzböden. Diese stammen aus einem kleinen Aargauer Betrieb.

Klobig, schlicht und praktisch unzerstörbar: Das sind die Holzschuhe von Brigitte und Beat Aerni aus dem aargauischen Unterkulm. Ihr «Zum Schlarpe-Chlopfer» ist nach eigenen Angaben der letzte Betrieb in der Schweiz, der Holzschuhe herstellt.

Zwei Personen halten schwarze Schuhe in einer Werkstatt.
Legende: Viel Handarbeit von Brigitte und Beat Aerni steckt in jedem Paar Holzschuhe. SRF

Seit den 80er-Jahren führen Aernis die Firma im Wynental. Unterdessen sind beide im Pensionsalter, wollen das Geschäft aber noch bis 2030 weiterführen.

Karnevalsumzug mit Bienenthema und Honigwabenwagen.
Legende: Viele Zünftler an der Solothurner Fasnacht tragen Holzböden zu ihrem Kostüm. SRF

Wenn Brigitte und Beat Aerni dereinst aufhören, dann haben auch die Stadtsolothurner Fasnächtler ein Problem. Mitglieder vieler Fasnachtszünfte tragen auf der Gasse zum Kostüm Holzböden aus dem Aargau. Ein Solothurner Modegeschäft ist denn auch der grössten Abnehmer.

Von 3000 auf 200 Paare

Die Produktion werfe nicht viel ab, so Brigitte Aerni. Es funktioniere nur, weil sie beide pensioniert, die Maschinen abgeschrieben und die Miete nicht hoch seien.

Holzdrechselmaschine formt Holzstück.
Legende: Fünf Minuten in der Drehbank, und ein Paar Schuhsohlen aus Holz ist fertig in der gewünschten Grösse. SRF

Jährlich bis 3000 Paar Schuhe habe sein Betrieb in den 80er- und 90er-Jahren hergestellt und verkauft, sagt Beat Aerni. Heute seien es noch etwa 200 – einzelne Stücke, für Liebhaberinnen oder einige Handwerker.

Ein Holzboden hält ein Leben lang

Ein Holzboden, wie er an der Solothurner Fasnacht getragen wird, besteht aus einem Fussbett aus Holz, darunter eine rutschfeste Gummisohle. Das Obermaterial ist Leder mit einem Filzfutter.

Die Herstellung eines Schuhs startet mit dem Holz. Beat Aerni sägt die Stücke auf die ungefähre Grösse der Sohle zu. Die Rohlinge spannt er zu zweit übereinander in eine Drehbank. Ihre Form erhalten sie dort von einem Werkzeug, das eine Sohlen-Vorlage aus Aluminium kopiert.

Vier Holzschuhsohlen in verschiedenen Formen auf grünem Hintergrund.
Legende: In mehreren Arbeitsschritten entsteht aus einem Stück Holz eine Schuhsohle. SRF

«Die Drehbänke sind etwa gleich alt wie ich – zwischen 60 und 70 Jahren», scherzt Beat Aerni. Ersatzteile für die Maschinen gebe es kaum mehr. Nach etwa fünf Minuten ist ein Sohlenpaar fertig. Danach wird das Fussbett aus dem Holz geschliffen, die Laufsohle aufgeleimt, angepasst und lackiert.

Maschine bearbeitet Holzsohle.
Legende: Nach dem Aufkleben der Gummisohle wird das Holz in seine endgültige Form geschliffen. SRF

Der Schaft des Schuhs ist aus Leder. Dieses Material wird von Hand ausgestanzt und zusammengenäht. Das in Solothurn beliebte Schuhmodell «Ueli» erhält zudem eine Schicht Filz unter dem Leder.

Menschen in weissen Kostümen und roten Schals bei Nachtparade auf Kopfsteinpflasterstrasse.
Legende: Auch bei der Chesslete, dem lärmigen Umzug zum Fasnachtsstart in der Stadt Solothurn, tragen einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits Holzschuhe – obwohl sie zum Wandern nicht geeignet seien, wie Beat Aerni meint. SRF

Das Leder und das Holz verbinden sei «eine strenge Büez», meint Beat Aerni. Mit einer Zange zieht er das Leder über das Holz und befestigt es mit Bostitchen.

Von den Bauern zur Fasnacht

Ursprünglich seien Holzböden die Schuhe der Bauern gewesen, erzählt Aerni. Das Holz isoliere gut gegen die Kälte, die robuste Sohle schütze auf rauem Boden. «Die brauchten trotzdem jedes Jahr ein neues Paar.» Einige Handwerker, die lange auf kalten Böden stehend arbeiten, schwörten heute noch auf Holzschuhe. Schlosser oder Hufschmiede etwa kaufen ihre Schuhe in Unterkulm. «Für Wanderungen sind sie aber natürlich nicht geeignet.»

Person hält schwarzen Lederschuh mit Filzsohle, Werkstatt im Hintergrund.
Legende: Beim in Solothurn beliebten Modell ist der Lederschaft mit Filz gefüttert. SRF

Für Fasnächtler würde ein Holzboden eigentlich ein Leben lang halten. Oft würden die Schuhe aber farbig gespritzt, damit sie zum Kostüm passen. «Irgendwann sehen sie grusig aus und werden weggeworfen.» Und dann brauche es ein neues Paar.

Menschen in bunten Masken und Kostümen auf einer Parade.
Legende: An der Basler Fasnacht tragen die Waggis traditionell Holzschuhe. Dabei handelt es sich um Zoggeli – Clogs genannt in Englisch. KEYSTONE / Georgios Kefalas

Holzböden an der Fasnacht sei wahrscheinlich eine Solothurner Eigenheit, meint Brigitte Aerni. Waggisse in Basel trügen zwar Zoggeli. Ganze Vereine mit Holzschuhen kenne sie aber nur aus Solothurn. Und diese müssen sich einen neuen Lieferanten suchen, wenn der Schlarpe-Chlopfer dereinst aufhört.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 9.2.2026, 17:30 Uhr ; 

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